Andreas Gauding fährt E-Trike und stellt Briefe in der Innenstadt zu Arbeitsplatz auf drei Rädern

Beverungen (WB). »Es gibt nichts Schöneres«: Das sagt Andreas Gauding über seinen Beruf als Postbote. Bis zu 22 Kilometer legt er jeden Tag auf seinem gelben E-Trike zurück. 1500 Haushalte zählen in der Beverunger Innenstadt zu seinem Zustellbezirk.

Von Silvia Schonheim
Bei Wind und Wetter ist Andreas Gauding mit dem gelben E-Trike in der Beverunger Innenstadt unterwegs. Der Postbote liebt seine Arbeit und den Kontakt zu den Kunden.
Bei Wind und Wetter ist Andreas Gauding mit dem gelben E-Trike in der Beverunger Innenstadt unterwegs. Der Postbote liebt seine Arbeit und den Kontakt zu den Kunden. Foto: Schonheim

Das Winterwetter stört den 46-Jährigen nicht – ganz im Gegenteil: »Fünf Grad mehr und dann ist bestes Postlerwetter. Gegen Kälte kann man sich anziehen. Regen ist ganz schlecht.« Seit April 2016 übt Andreas Gauding seinen Job bei der Deutschen Post mit dem Trike aus. Ein Elektromotor unterstützt ihn jeden Tag von 7.45 Uhr bis 16.30 Uhr beim Fahren.

»Am ersten Arbeitstag habe ich das Trike mehr geschoben als gefahren. Ich habe gedacht, das schaffe ich nie«, erinnert sich der Zusteller. Jetzt will er das E-Trike nicht mehr hergeben. »Ich bin total flexibel, kann von Haus zu Haus vorfahren und muss keinen Parkplatz in der Innenstadt suchen«, weiß der Beverunger die Vorteile zu schätzen.

Am Anfang sei er ein echter Hingucker in der Innenstadt gewesen, mittlerweile hätten sich die Leute an das Trike gewöhnt. Drei Mal pro Arbeitstag befüllt der 46-Jährige die vier Boxen seines Trikes am Post-Stützpunkt in der Lindenstraße mit Briefen – 80 Kilogramm sind das Maximum an Beladung.

»Erst dachten die Kunden, ich würde auch Pakete ausliefern. Aber größere Fracht passt natürlich nicht auf das Trike«, erklärt Andreas Gauding. Er ist im Stadtbezirk Beverungen der einzige Post-Mitarbeiter, der ausschließlich Briefe zustellt. Pakete werden von einem Kollegen extra ausgefahren. Aus diesem Grund ist Gaudings Bezirk mit 1500 Haushalten auch größer als Bezirke, in denen Briefe und Pakete im Verbund per Auto zugestellt werden.

»Es gibt nichts Schöneres als die Fahrradzustellung, denn Fracht bedeutet eine enorme Arbeitsbelastung. Die Menschen bestellen immer mehr im Internet«, sagt der Postzusteller.

Diese Entwicklung bestätigt Rainer Ernzer, Pressesprecher der Deutschen Post AG: »Während die Briefzustellung tendenziell zurückgeht, steigt die Paketmenge seit mehreren Jahren stetig an. Jedes Jahr etwa um sieben bis acht Prozent.« Ein Ende dieser Entwicklung sei derzeit nicht in Sicht.

»Der Job von Herrn Gauding ist der härteste, den wir bei der Post zu vergeben haben«, meint der Pressesprecher. Das empfindet der Postbote selbst nicht so: »Der Kontakt zum Kunden ist viel enger. Ich bin ein kommunikativer Mensch, Mitglied im Rat der Stadt Beverungen und im Carnevalsverein aktiv. Die Leute kennen mich. Das ein oder andere Gespräch gehört einfach dazu – natürlich immer mit Blick auf die Uhr.«

Die Deutsche Post ist nach Angaben von Rainer Ernzer der größte Fahrradhalter Deutschlands und Vorreiter in Sachen E-Mobilität. Es gebe insgesamt 24 800 Fahrräder, davon 6900 E-Bikes und 2700 Trikes. Die E-Trikes seien erst seit drei Jahren im Einsatz, Elektrofahrräder bereits seit 15 Jahren. »In Deutschland gibt es 51 400 Zustellbezirke, davon werden lediglich 3400 zu Fuß abgelaufen«, weiß der Pressesprecher. Per Auto würden 32 200 Bezirke bedient, mit dem Fahrrad 16 900.

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