Prozessauftakt am Landgericht Spielhallenraub: Trio schweigt zu Vorwürfen

Beverungen/Paderborn (WB). Drei junge Männer sollen im März 2013 eine Spielhalle in Beverungen überfallen haben. Dafür müssen sie sich jetzt vor dem Landgericht Paderborn verantworten. Die Beweislage aber ist verworren, und die Glaubwürdigkeit des Hauptbelastungszeugen stellt die Geduld der 5. Großen Strafkammer auf die Probe.

Von Ulrich Pfaff
Foto: dpa

Den Vorfall selbst schilderte die Spielhallen-Mitarbeiterin in der Verhandlung sehr eindrücklich. Die 58-Jährige ist von dem Erlebten so nachhaltig traumatisiert, dass sie sich im Zeugenstand überwiegend nur schluchzend äußern konnte und kurzzeitig einen Zusammenbruch erlitt.

An jenem Abend habe sie die Kasse abgerechnet, als sie plötzlich einen Arm bemerkte, der sich um sie legte. Sie habe gedacht, ein Kollege habe sie erschrecken, wollen – und erst dann realisiert, dass ein Mann mit einer »gruseligen Maske« sie in den Schwitzkasten genommen hatte. Als nächstes habe sie bemerkt, dass dieser Mann ihr ein Messer an die Kehle gehalten habe, ein weiterer Maskierter habe vor dem Tresen mit einer Pistole herumgefuchtelt. Schließlich habe sie noch einen dritten Täter gesehen, der ebenfalls in der Nähe des Tresens gestanden habe.

Der Überfall scheiterte, als einer der Täter erfolglos versuchte, die Kasse zu öffnen. Die drei Männer verschwanden überstürzt. Die Frau ist seither arbeitsunfähig und in psychologischer Behandlung. »Ich habe mich eigentlich nie vor etwas gefürchtet«, sagte sie, »jetzt habe ich nur noch Angst, vor allem.«

Die Anklage geht davon aus, dass zwei 19 und 22 Jahre alte Männer aus Beverungen und ein 21-Jähriger aus Lauenförde die Täter sind. Der 22-jährige Azubi solle dabei die Spielhallen-Mitarbeiterin mit dem Messer verletzt haben, während der Lauenförder die Spielzeugpistole zum Drohen benutzt habe. Der 19-Jährige, zum Tatzeitpunkt noch 17 Jahre alt, soll Schmiere gestanden habe – er sitzt wegen einer anderweitigen Verurteilung in Haft. Alle drei äußern sich nicht zu den Vorwürfen.

Kompliziert ist die Beweisaufnahme auch, weil die Angaben des Hauptbelastungszeugen von der Verteidigung massiv in Zweifel gezogen werden. Denn nur aufgrund einer Aussage des 24-Jährigen aus Bad Karlshafen war die Polizei Monate nach dem Überfall auf das Trio aufmerksam geworden: Wie eine Polizistin aus dem hessischen Hofgeismar als Zeugin erklärte, hatte der als »polizeibekannter Intensivtäter« geltende 24-Jährige im Zuge einer Vernehmung behauptet, der Überfall sei von drei Freunden begangen worden. Die Kommunikation mit dem Drogenkonsumenten sei jedoch nicht immer einfach, der Wahrheitsgehalt manchmal fragwürdig.

Die Lebensgefährtin des 22-jährigen Angeklagten gab an, der Bad Karlshafener versuche seit Jahren aus eigenem Interesse, sie und ihren Freund durch falsche Anschuldigungen gegen diesen auseinanderzubringen. Der Zeuge selbst wirkte im Zeugenstand gelegentlich widersprüchlich.

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