Erörterungstermin zum Antrag den Richtwert für zulässigen Lärm anzuheben Bilster Berg: 800 Einsprüche gegen höheren Lärmpegel

Bad Driburg (WB/dp). Mehr als 800 Einwendungen sind beim Kreis Höxter seit November 2017 gegen die Pläne des Bilster Berg Drive Resort eingegangen, den Richtwert für zulässigen Lärm anzuheben. Etwa 100 Einwender haben am Donnerstag bei einem Erörterungstermin im Bad Driburger Schützenhaus ihre Bedenken angesichts der geplanten Erhöhung des Immissionswertes geäußert.

Mächtig was los ist am Bilster Berg. Davon fühlen sich bereits jetzt schon viele Einwohner Nieheims oder Pömbsens gestört – sie wollen nicht noch eine Erhöhung der Dezibelwerte.
Mächtig was los ist am Bilster Berg. Davon fühlen sich bereits jetzt schon viele Einwohner Nieheims oder Pömbsens gestört – sie wollen nicht noch eine Erhöhung der Dezibelwerte. Foto: Harald Iding

Bei der Erörterung konnten alle, die ihre Einwendungen rechtzeitig beim Kreis Höxter als Genehmigungsbehörde eingereicht hatten, diese erläutern und mit den Verantwortlichen des Bilster Berg Drive Resorts diskutieren.

Hintergrund: Die Bilster Berg Drive Resort GmbH und Co. KG hatte im Mai 2017 die Änderung der immissionsschutzrechtlichen Einstufung beim St. Nikolaus Hospital Altenwohn- und Krankenheim in Nieheim beantragt – künftig sollen dort bis zu 49 dB(A) statt bislang 45 dB(A) ankommen dürfen.

»Wir dürfen lauter sein«

»Wir haben bislang einen deutlichen Wettbewerbsnachteil gegenüber allen anderen Strecken in Deutschland und Europa«, sagte Bilster-Berg-Geschäftsführer Hans-Jürgen von Glasenapp am Donnerstag vor der Erörterung im Gespräch mit dem WESTFALEN-BLATT: »Unserer Rechtsauffassung nach dürfen wir lauter sein als es bislang der Fall ist«, führte er aus.

Eben diese Auffassung sorgt  insbesondere in Nieheim, aber unter anderem auch in der Bad Driburger Ortschaft Pömbsen für Ärger. »Ich lade Sie hiermit in unseren Garten ein, in dem man sich angesichts der Lautstärke anschreien muss. Wir kennen mittlerweile jede Kurve, jeden Bremsweg, jede Beschleunigung auswendig«, sagte eine Nieheimerin in Richtung von Glasenapp. Ein weiterer Nieheimer betonte: »Hier geht es schon lange nicht mehr um Menschen, sondern einzig und allein um Begriffe – das ist mehr als traurig.«

»Schädlicher Umwelteinfluss«

Er spielte damit auf den Sachverhalt an, dass die Verantwortlichen des Bilster Berg Drive Resort das St. Nikolaus Hospital Altenwohn- und Krankenheim in Nieheim in ihrer Rechtsauffassung als nicht in dem Maße wie bisher schützenswerte Einrichtung ansehen. Bereits in den vergangenen Wochen und Monaten diskutierten Bilster Berg und dessen Gegner immer wieder  über den Status des Hospitals als Pflegeeinrichtung.

Ob diesen die Streckenbetreiber mittlerweile zumindest in Teilen anerkennen oder nicht, ändert nichts an ihrer Auffassung, dass die Lärmwerte in diesem Bereich erhöht werden könnten – denn sie sehen das Hospital als nicht gebietsprägend angesichts der Größenordnung von »nur« 76 Betten an.

Die Kirche ist Träger des Hospitals – und nach Ansicht deren Rechtsbeistandes sei ein Immissionsrichtwert von bis zu 50 dB(A) ein »deutlich schädlicher Umwelteinfluss« für alle Patienten. Hauptsächlich leben dort nach Angaben der Einrichtung Menschen mit den Pflegestufen drei, vier und fünf.

Bürgerinitiative übt Kritik

Nicht locker ließ bei dem Erörterungstermin abermals Dr. Ulrich Kros, Vorsitzender der Bürgerinitiative »Ruhe am Bilster Berg«. Er kritisierte unter anderem auch, dass der Kreis diese Veranstaltung in Bad Driburg abgehalten hat – und nicht in den vom Lärm betroffenen Orten Nieheim oder Pömbsen. »Dann hätten wir deutlich mehr als 100 Besucher gehabt«, behauptete er. In Richtung der Streckenbetreiber sagte Kros: »Das Hospital ist eine sehr große Einrichtung für Nieheim – eine bedeutende Anstalt, die den entsprechenden Schutz bekommen sollte.«

Im Laufe der Veranstaltung riefen immer wieder besorgte Bürger in den Raum. »Ich finde es schrecklich, dass Menschen zum Freizeitkollateralschaden von Motorsportfreaks werden«, äußerte sich zum Beispiel ein Nieheimer.

Entscheidung noch nicht erfolgt

Eine Entscheidung über den Antrag des Bilster Berg Drive Resort ist noch nicht erfolgt. Nach dem Erörterungstermin werden beim Kreis Höxter als zuständige Genehmigungsbehörde alle Informationen ausgewertet, um im Ergebnis eine Entscheidung über den Antrag zu treffen. Alle Erkenntnisse aus den Einwendungen und den während des Erörterungstermins vorgetragene Informationen sowie Fragen fließen laut Kreisverwaltung in die Prüfungs- und Entscheidungsphase ein.

Bei der Entscheidung über diesen Antrag handelt es sich um eine gebundene Entscheidung – ein Ermessensspielraum ist nicht gegeben. Das bedeutet: Sind die rechtlichen Voraussetzung erfüllt, muss der Antrag des Bilster Bergs genehmigt werden. Sind die Genehmigungsvoraussetzungen nicht erfüllt, ist der Antrag abzulehnen. Wann die Entscheidung zu erwarten ist, ist laut Kreis noch nicht absehbar.

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