Vorstand folgt Empfehlung des Fachmanns – Gemeinde setzt auf Spenden Kirche ruft mit neuen Stimmen

Bad Driburg (WB/fsp). Die Pfarrkirche St. Peter und Paul Bad Driburg bekommt ein neues Geläut. Das könnte schon in einem Jahr etwa erklingen, erklärte Pfarrer Hubertus Rath dem WESTFALEN-BLATT.

Alle Glocken im Turm und im Dachreiter der Pfarrkirche St. Peter und Paul Bad Driburg sind in die Jahre gekommen und sollen ersetzt werden.
Alle Glocken im Turm und im Dachreiter der Pfarrkirche St. Peter und Paul Bad Driburg sind in die Jahre gekommen und sollen ersetzt werden. Foto: Kirche St. Peter und Paul

In der mehr als 120-jährigen Geschichte der Kirche St. Peter und Paul wurde dreimal ein neues Geläut in den Kirchturm und den Dachreiter installiert: Das erste Mal beim Neubau der Kirche in den 1890er Jahren, zum zweiten Mal 1924, weil die Glocken im Ersten Weltkrieg abgegeben werden mussten und zum dritten Mal 1946, weil ebenfalls im Zweiten Weltkrieg die Glocken für die Rüstungsindustrie requiriert wurden.

Damals wurden sechs Stahlglocken von der Glockengießerei »Bochumer Verein« in der Glockenstube des Kirchturms sowie eine weitere im Dachreiter installiert. Im Protokollbuch des Kirchenvorstandes wird ausdrücklich erwähnt, das Heinrich Kappe, damals Glöckner an St. Peter und Paul, unter großen Opfern dieses Geläut beschafft hat. Seit 72 Jahren rufen diese Glocken zum Gebet und zum Gottesdienst, verkünden freudige oder traurige Ereignisse und sagen die Zeit an.

»Glocke III« aus Sicherheitsgründen still gelegt

»72 Jahre sind eine lange Zeit, die natürlich nicht ohne Wartung und Reparaturen verstrich, so wurde 1971 ein neuer Glockenstuhl eingebaut, und immer wieder wurde die Steuerung, die Mechanik und die Elektrik ausgebessert und verändert«, berichtet Pfarrer Hubertus Rath.

Im Frühjahr 2017 sei die »Glocke III« aus Sicherheitsgründen wegen eines Lagerschadens stillgelegt worden. Der Pfarrer: »Die vorgeschlagenen aufwändigen Reparaturarbeiten führten im Kirchenvorstand zu einer grundsätzlichen Diskussion über das Geläut im Kirchturm. Drei Gegebenheiten begründeten schließlich den Entschluss, ein ganz neues Geläut anzuschaffen.«

Die aufwändigen Reparaturarbeiten an »Glocke III« seien durch Verschleiß entstanden und solche seien auch für die anderen fünf Glocken zu erwarten. »Diese Investitionen finden keine Entsprechung und Begründung im Wert des vorhandenen Stahlgeläutes. Es ist kein historisches und kein wertvolles Geläut«, sei man sich im Kirchenvorstand einig gewesen.

»Gussqualität von minderer Art«

Es biete sich zudem die Möglichkeit, vier gut bewertete Bronzeglocken aus einer Kirche in Leopoldshöhe zu übernehmen, die wegen unbehebbarer Baumängel abgerissen werden müsse. »Diese Glocken wurden der Kirche in Leopoldshöhe 2002 von der Dr. August-Oetker-Stiftung geschenkt. Die Stiftung hat keine Einwände gegen die Übernahme der vier Glocken in St. Peter und Paul«, berichtet Hubertus Rath.

Im Zuge der Planung der Innenrenovierung im Jahr 2007 habe der Glockensachverständige des Erzbistums, Domkapitular Dr. Gerhard Best, ein Gutachten zum vorhandenen Geläut in der Kirche erstellt. »Dessen Resümee lautet, dass die Gussqualität von minderer Art ist, deshalb jede einzelne Glocke nicht klingt, darüberhinaus die Glocken zusammen nicht aufeinander abgestimmt sind«, führt der Geistliche aus.

Geläut aus Leopoldshöhe

In Bezug auf das neue Geläut empfehle Dr. Gerhard Best das Geläut aus Leopoldshöhe durch drei neue Bronzeglocken im Hauptgeläut sowie eine für den Dachreiter zu ergänzen und damit ein in sich stimmiges Geläut für eine Stadtkirche zu schaffen. Dieses solle auch mit den Glocken der evangelischen Kirche und der Kirche »Zum verklärten Christus« harmonisieren. Dieser Empfehlung sei der Kirchenvorstand gefolgt. Die gesamte Maßnahme wird etwa 250.000 Euro kosten, davon soll die Kirchengemeinde 150.000 Euro tragen, von denen 100.000 Euro auf die neu zu gießenden Glocken entfallen.

»Der Kirchenvorstand und ich hoffen auf die Zustimmung und die großzügige Unterstützung aller Gemeindemitglieder«, erklärt der Pfarrer. Denkbar sei die Gründung eines Glockenbauvereins sowie die Einrichtung eines Spendenkontos. Ein genauer Zeitplan stehe noch nicht fest. »Sicher ist, dass es eine Verabschiedung der alten Glocken geben wird, wo sie alle noch einmal erklingen werden«, so Pfarrer Hubertus Rath.

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