Hans-Jürgen Saake gibt Bezahlmöglichkeit wegen gesetzlicher Vorschriften auf Abschied vom Bargeld: Hier gibt’s nur noch Kartenzahlung

Bad Driburg (WB). Zum Jahresbeginn hat Hansi Saake das letzte Bargeld aus seiner Geschäftskasse genommen und es zur Bank gebracht. »Ich kann den Fiskus verstehen, aber ich möchte einfach nicht illegal arbeiten«, sagt er. Von sofort an führt er seinen Music-Shop in Bad Driburg bargeldlos.

Von Jürgen Köster
3710 Euro hat Hansi Saake (links) dem Kassenchef der Vereinigten Volksbank, Peter Meiners, in Scheinen ausgehändigt. Hinzu kamen noch einmal gut 100 Euro in Münzen, die er am Automaten einzahlte.
3710 Euro hat Hansi Saake (links) dem Kassenchef der Vereinigten Volksbank, Peter Meiners, in Scheinen ausgehändigt. Hinzu kamen noch einmal gut 100 Euro in Münzen, die er am Automaten einzahlte. Foto: Jürgen Köster

Grund dafür ist eine gesetzliche Änderung. »Ich hätte mein Warenwirtschafts-System komplett umstellen müssen. Heutzutage wird verlangt, dass der Prüfer des Finanzamtes die Möglichkeit hat, die kompletten Daten aus dem Kassensystem jederzeit einfach auslesen und auf einer Speicherkarte festhalten kann. Bei mir gibt es überhaupt keine Möglichkeit, eine Speicherkarte zu nutzen. Mein Warenwirtschafts-System läuft noch unter Windows 98«, erklärt Saake.

Karenzzeit ist verstrichen

Seit mehr als 25 Jahren nutze er das Programm zur Kundenpflege oder für die Inventur. Selbst das Lagerprogramm sei darin verankert. »Kommt nun der Finanzbeamte und will bei mir die Kasse auslesen, so kann er das gar nicht«, beschreibt der Bad Driburger die Situation.

Die neue gesetzliche Vorgabe sei im vergangenen Jahr wirksam geworden. »Nun ist aber auch die Karenzzeit verstrichen, und illegal arbeiten möchte ich nun wirklich nicht«, sagt Saake.

Natürlich hätte er sein Warenwirtschafts-System umstellen können. »Aber das ist ein Riesenaufwand und sehr viel Arbeit. Dazu habe ich keine Lust mehr«, räumt der 63-Jährige ein.

Von sofort an werde bei ihm bargeldlos gearbeitet. Die Kunden könnten zukünftig entweder »auf Rechnung« kaufen oder im Geschäft mit EC- und Kreditkarte bezahlen.

Am 24. September 1979 hatte Hans-Jürgen, genannt »Hansi«, Saake in Hembsen zusammen mit seinem Vetter ein kleines Ladenlokal eröffnet. Für den gelernten Radio- und Fernsehtechniker war damals der Verkauf von Fernsehgeräten, Stereo-Anlagen und der Service für diese Geräte der Schwerpunkt. Bereits damals hieß das Geschäft Music-Shop.

Weil er damals auch begonnen hatte, Musik zu machen, bot er in dem Laden auch einige wenige Musikinstrumente an.

Mit der Band »Selection« war Hansi Saake in den Folgejahren sehr erfolgreich unterwegs. Noch bekannter wurde er mit den »Westfalia Singers«, die unter anderem in Kalifornien und Las Vegas Gastspiele gaben.

Schlussstrich gezogen

Auch heute macht er noch Musik: Er tritt zusammen mit Anja Grefe als Duo »2-4-dance‹ auf. »Die Zeiten, in denen in diesem Metier bar bezahlt wurde, sind auch schon lange vorbei«, weiß Saake. Zumal es überwiegend Stammkunden seien, die das Duo verpflichteten.

Mit seinem Gang zur Bank hat Saake jedenfalls einen Schlussstrich unter das Bargeldbezahlsystem in seinem Tätigkeitsfeld gezogen. 3710 Euro hat er dem Kassenchef der Vereinigten Volksbank, Peter Meiners, in Scheinen ausgehändigt. Hinzu kamen noch einmal gut 100 Euro in Münzen, die vom Automaten gezählt und seinem Konto gutgeschrieben wurden.

»Das war’s jetzt«, sagte Hansi Saake nach der Einzahlung, klemmte seine leere Geldtasche unter den Arm und fuhr wieder zum Geschäft am Arnold Janssen-Ring.

Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.