Jakob Augstein und Nikolaus Blome lesen in Bad Driburg Brexit, Trump und viele Fragen

Bad Driburg (WB). Der eine ist Vize-Chef in der »Bild«-Redaktion, der andere Geschäftsführer von »Der Freitag«: Nikolaus Blome, konservativer Optimist und Jakob Augstein, »Herzenslinker«, haben in Bad Driburg ihr Buch »Links oder rechts? Antworten auf die Fragen der Deutschen« präsentiert.

Von Roman Winkelhahn
Jakob Augstein (links) und Nikolaus Blome haben in Bad Driburg über all die Dinge, die die Welt bewegen – und vor allem die Politik beschäftigen, leidenschaftlich debattiert. Im Mittelpunkt standen die USA.
Jakob Augstein (links) und Nikolaus Blome haben in Bad Driburg über all die Dinge, die die Welt bewegen – und vor allem die Politik beschäftigen, leidenschaftlich debattiert. Im Mittelpunkt standen die USA. Foto: Roman Winkelhahn

Muss man Pro-Europäer jetzt Anti-Amerikaner nennen? Und wieso rührt der IS keine Cola-Automaten an? Fragen über Fragen, die sich jetzt im prall gefüllten Saal des Gräflichen Hotels in Bad Driburg stellten. Fragen, die berechtigt sind, in einer Zeit, in der Kriegsmaschinerie moderner ist als das Notstromaggregat im Krankenhaus und ein fanatischer Milliardär US-Präsident wird – und die Globalisierung stoppen will. »Amerika tut einen Schritt ins digitale Zeitalter«, erklärt Blome.

»Mare nostrum«

»Die Amerikaner erfinden die Welt neu.« Doch das passt seinem Kollegen Augstein wohl gar nicht ins Bild, denn der Wandel, der sich auf der anderen Seite des Atlantiks vollzieht, löse Angst bei den Europäern aus: »Amerika ist toll, aber ganz anders als wir.« Blome nennt das konkret »Entfremdung«, ausgelöst durch die eigene Weltvergessenheit Europas. Schließlich verteidigen wir das »Mare nostrum«, unseren Mittelmeerraum, nicht mehr selber. Amerika ist auch in Europa omnipräsent. »Und dafür schenken wir ihnen unsere Daten. Es liegt also in unserer Hand«, schildert der Bild-Vize.

Doch dass die Vereinigten Staaten in europäischem Interesse handeln, schließt Augstein aus. Sie seien schließlich keine Engel, was ja nach der NSA-Affäre allgemein bekannt sei. Im Gegenteil: »Wir sind die Insassen und die Amerikaner die Wärter.« Die USA nutzten ihre Mittel, um Wirklichkeit und Wahrnehmung zu prägen, so Augstein. »Merkel und die Euro-Staaten sind bloß stur geblieben«, kontert Blome und bezeichnet Amerika als »Weltpolizei«.

Trump-Style

Für Augstein jedoch ist die Europäische Union »ein von Amerika dominiertes System«, und das könne nicht gut gehen, wenn die USA nicht mal mehr an ihren eigenen Werten festhalte. Dort läuft laut ihm eine Entfremdung ab – nicht in Europa. Dabei sei doch der Brexit »Trumpismus vom Feinsten« und Frauke Petry, Marine Le Pen und Co hätten sich längst den Trump-Style zugelegt, behauptet Blome.

Eine Vorlage für den linksgewandten Augstein: »Trumps Wahlsieg ist eine Konsequenz des Systems. Das war kein bedauerlicher Unfall.« »Die hätten auch einen Besenstiel gewählt, wenn er ihnen das selbe versprochen hätte«, kontert Blome, denn Trump habe versprochen, das System abzuschaffen – die Globalisierung und den daraus folgenden Kapitalismus.

Schirmhalter

»Das geht dann so lange, bis in Bad Driburg genau so viele Chevrolets fahren wie Mercedes auf der Fifth Avenue«, scherzt der Bild-Redakteur. »Die Leute sind den Staat satt. Trump schafft den Staat ab.« Ob man nun zum Anti-Amerikaner werden müsse, weil Trump nach dem »Führerprinzip« – so nennt es Blome – regiert, oder ob die Pro-Europäer einfach stärker zusammenhalten müssen, weil ihr Schirmhalter nicht mehr mitspielt, das klären Blome und Augstein in ihrem Buch.

Und die Antwort lautet, dass sich Europa nicht spalten lassen dürfe, nicht zwischen Euro-Gewinnern und Euro-Verlierern, Pro- und Anti-Europäern. Die zwei Journalisten zeigen, dass man auch bei völlig unterschiedlichen Ansichten zu einer gemeinsamen Antwort kommen kann, und 30 solcher Antworten haben sie, aus beiden Blickwinkeln betrachtet, in ihr Buch aufgenommen.

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