Meister hinter der Cocktail-Bar: Werner Seliger verrät Trends und Evergreens Zwischen Ingwer-Bier und Sternenfrucht

Bad Driburg (WB). »Cocktails sind mein Leben. Bei ihrer Zusammenstellung muss man kreativ sein wie ein Florist, der aus verschiedenen Blumen einen schönen Strauß bindet. Wir zaubern aus verschiedenen Spirituosen leckere Drinks.« Werner Seliger hat sich als Barkeeper bundesweit einen Namen gemacht. Auch mit 70 Jahren lässt ihn die Faszination des Cocktails noch lange nicht los.

Von Jürgen Köster
»Cocktails sind mein Leben«, sagt Werner Seliger. Auch mit 70 Jahren bietet der gebürtige Bayer den Service eines Barkeepers an. Sein Können hat der Bad Driburger hundertfach unter Beweis gestellt, wie seine zahlreichen Pokale beweisen.
»Cocktails sind mein Leben«, sagt Werner Seliger. Auch mit 70 Jahren bietet der gebürtige Bayer den Service eines Barkeepers an. Sein Können hat der Bad Driburger hundertfach unter Beweis gestellt, wie seine zahlreichen Pokale beweisen. Foto: Jürgen Köster

Wer mit dem gebürtigen Bayern (Bad Reichenhall), der in Nürnberg aufgewachsen ist, über das Leben vor und vor allem hinter der Bar plaudert, dem gewährt der lebensfrohe Bartträger gern einen Einblick in die Arbeitswelt des Barkeepers, dem die Anerkennung als Ausbildungsberuf immer noch fehlt. Dabei setzt sich die Deutsche Barkeeper-Union seit Jahren dafür ein. Das Berufsbild des Barkeepers ist jedoch nicht klar umrissen.

»Auf Umwegen«

Auch Seliger ist eher »auf Umwegen« zu seinem Traumberuf gekommen. Nach einer Kellnerlehre und der Bundeswehrzeit hat er zunächst an Bars und in Tanzlokalen gejobbt, später die Hotelfachschule absolviert. »Es ist vollkommen normal, dass Barkeeper verschiedene berufliche Stationen in kurzer Zeit absolvieren.

Von den Hoteliers ist dies durchaus gewollt, so kommt Abwechslung an die Bar«, berichtet Seliger, der lange Jahre Vorsitzender der Deutschen Barkeeper Union für den Bereich Niedersachsen-OWL gewesen ist und für den Bundesverband die Öffentlichkeitsarbeit übernommen hat.

Von Hawaii nach Bad Driburg

Ihn hat es von Nürnberg aus unter anderem nach München und Köln verschlagen. Besonders gern erinnert sich Seliger an seine zweijährige Zeit auf Hawaii. Von der Trauminsel kam er nach Bad Driburg und eröffnete mit dem »Flair« im »Quellenhof« 1979 die erste Cocktailbar der Region. Hier lernte er auch seine spätere Ehefrau Angelika kennen.

Mit ihr zusammen eröffnete Seliger 1984 das legendäre Tanzlokal »Tenne«, das das Paar mehr als 30 Jahre lang führte.

In dieser Zeit holte Seliger diverse Cocktailmeisterschaften nach Bad Driburg. Unter anderem im gräflichen Hotel stellten Deutschlands Top-Barkeeper ihr Können unter Beweis. Auch Seliger selbst sicherte sich zahlreiche Titel und Pokale.

Es gibt keine Frage zum Thema Cocktail, die er unbeantwortet lässt. Nicht einmal zur Herkunft des Getränkes: »Bei Hahnenkämpfen in Mexiko soll es das Recht des Siegers gewesen sein, dem unterlegenen Hahn eine Feder auszureißen. Mit dieser schmückte er dann sein Glas und stieß zusammen mit den anderen auf den Erfolg an. Da ›cock‹ und ›tail‹ im Englischen ›Hahn‹ und ›Schwanz‹ bedeuten, war der Name geboren«, sagt Seliger schmunzelnd, weil er wohl weiß, dass dies nur eine der möglichen Geschichten ist, auf denen die Bezeichnung beruhen könnte. Barkeeper sind halt auch Entertainer.

Ingwer im Trend

Nicht nur über Anfänge und Entwicklung der Cocktails weiß der Bad Driburger bestens Bescheid, er kennt auch die aktuellen Trends: »Ingwer als Zutat ist ein absoluter Renner. Das kann Ingwer-Sirup ebenso sein wie Ingwer-Bier, das eigentlich eine Limonade ist.«

Auch der Anteil alkoholfreier Cocktails sei immens gestiegen. Sie machten heute etwa 40 Prozent dieser Getränke aus, schätzt er. Die Vielfalt sei insgesamt immer größer geworden, weil heute fast alle Zutaten leicht zu bekommen seien. Die Basisrezeptur klingt simpel: »Eine von vier Grundspirituosen – Rum, Gin, Wodka, Tequila – zwei bis drei verschiedene Säfte, zwei bis drei Sirups – ganz vereinfacht formuliert«, sagt Seliger. Ganz so einfach ist das Mixen der Drinks freilich nicht. Sein persönlicher Favorit war und ist ein Caipirinha (Cachaça, Limette, brauner Zucker, Lime Juice, Crushed Ice).

Mobile Bar

Die ganze Vielfalt der Cocktail-Welt bietet Seliger auch heute noch den Gästen, die an seine mobile Bar kommen. »Nach zwei Jahren Ruhestand fiel mir die Decke auf den Kopf. Da habe ich mich mit dieser Idee selbstständig gemacht«, berichtet der 70-Jährige. Einmal im Monat ist er bei einer größeren Veranstaltung – wie etwa jetzt dem Winterball der Bürgerschützengilde. Er kommt aber auch gern zu kleineren Geburtstags- oder Firmenfeiern. »Eine kleine Bar und die Barkeeper in ihren Outfits sind immer eine Überraschung für die Gäste«, weiß Seliger.

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