Fahrgäste aus Vlotho kritisieren Kapitän – mit Video Nach Bootsunfall auf der Hunte: Staatsanwalt prüft Untergang

Vlotho (WB). Die Staatsanwaltschaft Oldenburg prüft die Umstände, die zum Bootsunfall auf der Hunte geführt haben. In diesem Zusammenhang sollen auch die 21 Mitglieder des Heimatvereins, die am Samstag an Bord gewesen waren, vernommen werden. Die Vlothoer erheben schwere Vorwürfe gegen den Kapitän.

Von Jürgen Gebhard
»Die Marianne» ist zehneinhalb Meter lang und drei Meter breit. Am Samstagabend wird das gesunkene Boot geborgen
»Die Marianne» ist zehneinhalb Meter lang und drei Meter breit. Am Samstagabend wird das gesunkene Boot geborgen Foto: dpa/Mohssen Assanimoghaddam

Die Staatsanwaltschaft hat noch keine offiziellen Ermittlungen aufgenommen. Sie prüfe zunächst, ob es möglicherweise Anhaltspunkte für einen Straftatbestand gibt– zum Beispiel gefährlicher Eingriff in den Schiffsverkehr. Das berichtet die Oldenburger Nordwest-Zeitung in ihrer aktuellen Ausgabe. Dort werden auch Mitglieder des Vlothoer Heimatvereins zitiert, die massiv den Bootsführer kritisieren.

Vorstandsmitglied übt Kritik

Vorstandsmitglied Kurt Knäble gehört zu den Passagieren des gesunkenen Börtebootes. Gegenüber dieser Zeitung präzisiert er die Kritik: Gleich zu Beginn der Fahrt sei das Boot bei einem Ausweichmanöver mehrfach angeeckt: »Vielleicht hätten wir da schon aussteigen sollen«. Kurz vor dem Erreichen des Wendepunktes sei es dann »hinten links am Motor« zu einem Wassereinbruch gekommen: »Wir sollten uns umsetzen, die Fahrt ging trotzdem weiter.«

Die Gruppe habe in dieser gefährlichen Situation noch dem Kapitän vertraut. Das sei wohl ein Fehler gewesen. Die deutliche jüngere Decksfrau habe den Kapitän später zum Anlegen aufgefordert: »Da war es schon allerhöchste Zeit.« Der Eindruck von Kurt Knäble: »Der Kapitän kannte sich überhaupt nicht mit dem Boot aus.«

Eigner weist Vorwürfe zurück

Diese Kritik weist Ulrich Schaa als Eigner des gesunkenen Ausflugsbootes »Die Marianne« zurück. »Ich kann das nicht nachvollziehen, sagt er. Der Kapitän sei erfahren und sehr umsichtig. Was zu dem Unglück mit dem aus massiven Eichenplanken gebauten Boot geführt habe, wisse er nicht. Der Geschäftsführer von City Sailing Oldenburg verweist auf die noch nicht abgeschlossenen Ermittlungen der Wasserschutzpolizei Brake.

»City Saling« Oldenburg besitzt neben der gesunkenen »Die Marianne« noch ein zweite Börteboot, »Die Liebe«. Dieses Boot sei unmittelbar nach dem Unfall überprüft und wieder freigegeben worden. Beide Börteboote sind nach Angaben von Schaa 65 Jahre alt. Bis vor etwa 15 Jahren seien sei beim Ausschiffen vor Helgoland im Einsatz gewesen. Für den Einsatz in Oldenburg seien die Boote aufwändig umgebaut worden.

Schadensregulierung angekündigt

Der Eigner hatte sich bereits unmittelbar nach dem Zwischenfall bei den Gästen aus Vlotho entschuldigt. Das Unternehmen werde die entstandenen Schäden begleichen. Man werde alles tun, um die Mitglieder des Heimatvereins zufriedenzustellen: »Wir möchten die Vlothoer zu uns einladen. Aber ich bin mir nicht sicher, ob sie noch mal aufs Wasser wollen.«

Inzwischen hatte auch der Heimatverein Kontakt mit dem Eigner aufgenommen, um zu klären, wie mögliche Schadensersatzregelungen für in Mitleidenschaft gezogenen Kleidungsstücke oder beispielsweise ein zerstörtes Smart-Phone geregelt werden können. »Der Bootseigner hat uns mitgeteilt, dass er von den betroffenen Fahrgäste eine genau Auflistung der beschädigten Gegenstände brauche, damit die Versicherung die Regulierung einleiten kann«, sagt Inge Wienecke mit, die den Ausflug des Heimatvereins organisiert hatte.

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