Heimatmuseum Vlotho eröffnet die Saison – Schwerpunktthema Hausschlachtung So haben die Großeltern Wurst gemacht

Vlotho (WB). Nach dem Zweiten Weltkrieg war die Nahrung knapp. Viele Vlothoer bauten sich ihr Essen im Garten an und hielten Tiere im Keller. Das Hausschlachten von Schweinen hat sich bis in die siebziger Jahre gehalten. Der Heimatverein hat in der Kulturfabrik gezeigt, wie damals die Wurst hergestellt wurde.

Von Frank Lemke
Udo Kohlmeier (rechts) reicht den Gästen des Heimatmuseums beim Tag der offenen Tür kleine Wursthäppchen (von links): Sigrid Strate, Heinz Strate, Gerhard Sellmann, Karin Sellmann und Reinhard Güse
Udo Kohlmeier (rechts) reicht den Gästen des Heimatmuseums beim Tag der offenen Tür kleine Wursthäppchen (von links): Sigrid Strate, Heinz Strate, Gerhard Sellmann, Karin Sellmann und Reinhard Güse Foto: Frank Lemke

»Ein geschlachtetes Schwein hat für eine vierköpfige Familie ein ganzes Jahr gereicht«, sagte Udo Kohlmeier vom Heimatverein. Als kleines Kind half der heute 72-Jährige zuhause beim Verarbeiten der Tiere mit. Sein Vater schlachtete. Seine Großmutter machte Blutwurst. Die ganze Familie half mit, das Fleisch zu Mettwurst, Stippgrütze, Kotelett und Pingelwürstchen zu verarbeiten.

Erinnerungen an die Kindheit

Viele Besucher erinnerten sich an ihre eigene Kindheit: Wie die Mutter am Köker gewürzte Sülze kochte, wie Vater und Sohn an der Füllmaschine die Würste stopften und die Großeltern das Fleisch einkochten, um es haltbar zu machen. »Der Köker wurde beim Schlachten, zum Kochen von Tierfutter und zum Wäsche waschen genutzt«, sagte Udo Kohlmeier. Viele Haushalte hätten für die Wäsche und das Fleisch jeweils einen eigenen Stahleinsatz gehabt. Der Köker bestand aus einer Stahlwanne in einer Fassung, unter der ein Feuer den Kessel erhitzte.

Stippgrütze kochen

Besucherin Sigrid Strate erinnerte sich daran, wie sie als junge Frau bei der Hausschlachtung auf die Stippgrütze aufpassen sollte: »Das Rühren war langweilig. Deswegen habe ich nebenbei gelesen. Prompt ist mir das Ganze angebrannt. Oh, da hing der Haussegen schief«, sagte sie. Ihr Mann Heinz Strate erzählte, wie seine Familie die Sülze mit Gewürzen und Kalbsfleisch verfeinerte. »Das war eine Delikatesse«, sagte er.

Besucher Reinhard Güse ist in Wüsten aufgewachsen. Der 59-Jährige musste als Junge mit dem sogenannten Borstenkratzer die Haut des Schweins für das Verarbeiten vorbereiten. Mit dem Haken des Borstenkratzers zog er die Hufe der Tiere herunter. »Damals nannten wir das ›Dem Schwein die Schuhe ausziehen‹«, sagte er.

Externe Schlachter übernehmen den Job

In den siebziger Jahren wurde das Schlachten an externe Schlachter übergeben. In den achtziger Jahren hörten Familien auch mit dem Verwursten auf. »Ich bin immer noch auf der Suche nach einem Schlachter, der genau solche Würste wie damals hinbekommt«, sagte Reinhard Güse. In Lüdenhausen habe er einen gefunden, dessen Wurst einen annähernd ähnlichen Geschmack wie damals habe. Das Futter und die Tierhaltung seien heute anders. Deswegen schmecke auch das Fleisch nicht mehr so wie früher. Ein Sprichwort war: »Ein gutes Schwein muss ein Mal Schnee gesehen haben, bevor es geschlachtet wird.« Das sei heutzutage nur noch selten der Fall.

Bis November lädt das Heimatmuseum jeden ersten Sonntag im Monat von 11 bis 17 Uhr zum Tag der offenen Tür ein. Am Samstag, 14. April, laden Barbara Büschenfeld und Inge Wienecke vom Heimatverein zudem zu einem Themenabend mit Verkostung ein. Bei »Es ist volbracht« geht es um die Biertradition Vlothos.

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