Pronorm Vlotho beteiligt sich am Projekt »Arbeit 2020 in NRW – Industrie 4.0« Fit für das digitale Zeitalter

Vlotho (WB). Mit einem Umsatz von zuletzt mehr als 70 Millionen Euro, einer Exportquote von mehr als 70 Prozent auf dem europäischen und asiatischen Markt sowie 280 Beschäftigten gehört der Vlothoer Einbauküchenhersteller pronorm zu einem der größten Arbeitgeber in der Weserstadt. Ein Unternehmen im Wachstum, das sich nun mit dem Projekt »Arbeit 2020 in NRW – Industrie 4.0« den Herausforderungen der Digitalisierung gestellt hat.

Von Joachim Burek
Gemeinsam präsentieren die Projektpartner bei pronorm die Zukunftsvereinbarung, die für die digitale Umgestaltung geschlossen wurde, von links: Thomas Gebauer, Heinz Hachmeister, Peter Engel, Dr. Patrick Loos und Gordon Henke.
Gemeinsam präsentieren die Projektpartner bei pronorm die Zukunftsvereinbarung, die für die digitale Umgestaltung geschlossen wurde, von links: Thomas Gebauer, Heinz Hachmeister, Peter Engel, Dr. Patrick Loos und Gordon Henke. Foto: Joachim Burek

Das im März 2016 gestartete Projekt hat zum Ziel, bis zu 80 Unternehmen aus Nordrhein-Westfalen auf ihrem Weg in die digitalisierte Arbeitswelt zu begleiten.

EU- und Landesförderung

Pronorm befindet sich dabei in so prominenter Gesellschaft mit Firmen Lanxess (Chemie) in Köln, Siemens (Maschinenbau) in Duisburg oder auch der Warsteiner Brauerei. Gefördert wird dieses Projekt mit Mitteln der Europäischen Union und des Landes Nordrhein-Westfalen. »Diese Förderung ist nun bis zum Dezember 2o19 verlängert worden«, teilte Dr. Patrick Loos vom Projekt »Arbeit 2020 in NRW« der IG Metall in Düsseldorf mit.

Gemeinsam mit der dem pronorm-Betriebsratsvorsitzenden Peter Engel, Betriebsleiter Gordon Henke, pronorm-Geschäftsführer Heinz Hachmeister, sowie Thomas Gebauer von sustain consult aus Dortmund – einer Beratungsgesellschaft für nachhaltige Wirtschaftsentwicklung – stellte Loos die Projektarbeit bei pronorm vor. Mit im Boot ist als wissenschaftlicher Begleiter außerdem die Universität Essen-Duisburg, vertreten durch Professor Dr. Thomas Haipeter.

Beschäftigten-Beteiligung

»Der Ansatz des Projektes Arbeit und Industrie 4.0, das die IG Metall und der DGB in Nordrhein-Westfalen vor zwei Jahren initiiert haben, ist die humane Gestaltung der neuen digitalen Arbeitswelt. Dazu gehört, dass sich diese Umgestaltung unter dem Aspekt Mensch-Organisation-Technik vollzieht und nicht als reine Technikzentrierung abläuft«, erläuterte Loos. Wichtig sei dabei immer das Prinzip, die Beschäftigten zu beteiligen, ihre Erwartungen abzufragen und über Auswirkungen des Digitalisierungsprozesses zu sprechen.

Bei pronorm hätten sich daher Betriebsrat zusammen mit Management, Geschäftsführung und Beschäftigten im Juni 2016 zum Projektstart an einen Tisch gesetzt und zunächst eine sogenannte Betriebslandkarte erstellt. Dabei seien dann nach einer Bestandsaufnahme die verschiedenen Handlungsfelder für die Digitalisierung erarbeitet worden, so der Gewerkschaftssprecher.

Zukunftsvereinbarung

Als ein erstes dieser Handlungsfelder sei bei pronorm beispielsweise der Vertrieb untersucht worden. Mit Blick auf die Einführung eines neuen Großraumbüros wurden die Beschäftigten dort zu Arbeitsbedingungen und notwendigen Qualifizierungsmaßnahmen befragt. Im Frühjahr 2017 erfolgte dann die Aushandlung und der Abschluss einer Zukunftsvereinbarung. Darin wurden die Rahmenbedingungen für die Digitalisierungsprozesse in Sachen Qualifizierung und Weiterbildung der Mitarbeiter, für die innerbetriebliche Ausbildung, für Fragen der Information und Kommunikation im Unternehmen sowie in Fragen des Arbeits- und Gesundheitsschutzes (Arbeitsbedingungen, Arbeitsverdichtung) festgelegt.

»Dass wir in dieses Projekt eingestiegen sind, ist ein absoluter Glücksfall für Beschäftigte und Unternehmen«, zog Betriebsratsvorsitzender Peter Engel Bilanz. So habe das Unternehmen, das bisher nur im Verwaltungsbereich ausgebildet habe, als ganz praktische Auswirkung dieser Arbeit erstmals auch Ausbildungsplätze in der Produktion eingerichtet. Seit Herbst 2017 konnten somit zwei Holzmechaniker ihre Lehre antreten. Engel: »Gehen wir diesen Weg so weiter, sind wir für die Zukunft gut aufgestellt, gerade vor dem Hintergrund von zunehmendem Fachkräftemangel.

Standortstärkung

Auch Geschäftsführer Heinz Hachmeister sieht in diesem gemeinsam angegangenen Prozess der digitalen Umgestaltung eine Stärkung des Unternehmens und des Standortes. »Wir müssen preiswettbewerbsfähig auf unseren umkämpften Märkten sein. Dazu ist es wichtig, die Mitarbeiter über die Umgestaltungsprozesse zu informieren und ihnen auch die Chancen der neuen Technik und die Möglichkeiten zur Weiterqualifizierung aufzuzeigen. Es geht einfach auch um das Miteinander und wie man sich den neuen Herausforderungen erfolgreich stellt«, sagte Hachmeister gerade auch im Blick auf die in diesem Jahr anstehenden Investitionen in neue Maschinen und Technologie.

Phase 2: Projektvertiefung

Inzwischen hat bei pronorm seit November die zweite Phase, die Projektvertiefung, begonnen. Maßnahmen aus der Zukunftsvereinbarung sollen nun umgesetzt werden. Anfang der Woche haben jetzt Arbeitsgruppen zu Qualifizierung und Weiterbildung sowie zu den Bereichen Information, Kommunikation und Beteiligung ihre Arbeit aufgenommen.

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