Sondersitzung: Vlothoer Stadtrat soll über Abberufung entscheiden Ära Obernolte endet im Streit

Vlotho (WB). Herbert Obernolte soll von seinen Ämtern als allgemeiner Vertreter des Bürgermeisters sowie als Geschäftsführer der Stadtwerke GmbH und der Vlothoer Wirtschaftsbetriebe enthoben werden. Bis zu seiner Verabschiedung in den Ruhestand Ende des Jahres soll er im Rathaus nur noch als Kämmerer weiterbeschäftigt werden.

Von Jürgen Gebhard
Im Oktober 2015 war die Welt noch in Ordnung: Herbert Obernolte (links) freut sich mit Rocco Wilken über den Wahlerfolg.
Im Oktober 2015 war die Welt noch in Ordnung: Herbert Obernolte (links) freut sich mit Rocco Wilken über den Wahlerfolg. Foto: Jürgen Gebhard/Montage: Kathrin Fischer

Schweres Zerwürfnis

Nach WESTFALEN-BLATT-Informationen ist es zu einem schweren Zerwürfnis gekommen. Herbert Obernolte soll wahr gemacht haben, was er schon öfters auch in öffentlichen Sitzungen angekündigt hat – nämlich »die Brocken hinzuschmeißen«.

Erst in der Januar-Ratssitzung war er zum Geschäftsführer der neu zu gründenden Stromnetz GmbH berufen worden. Der bis dahin favorisierte Kandidat stand nicht mehr zur Verfügung, daraufhin habe sich Obernolte in der Ratssitzung bereit erklärt, diese Funktion zu übernehmen. Eine andere Person habe zu diesem Zeitpunkt dafür nicht zur Verfügung gestanden. Obernolte habe das gesamte Projekt nicht gefährden wollen, berichtet ein Insider. Später sei es zu einer Aussprache zwischen Herbert Obernolte und dem Bürgermeister gekommen: Herbert Obernolte habe über Dritte erfahren, dass Rocco Wilken intern erklärt habe, dass es für die Leitung der Stromnetz GmbH sehr wohl eine Alternative zu Obernolte gegeben habe. Aus diesem Grund habe Obernolte dann erklärt, die neue Funktion doch nicht zu übernehmen.

Obernoltes Büro ist verwaist

Obernoltes Büro im Rathaus ist verwaist, der Kämmerer und der allgemeine Vertreter des Bürgermeisters ist derzeit krankgeschrieben. Und das ausgerechnet zu Beginn der Haushaltsberatungen. Der »Fall Obernolte« beschäftigt inzwischen auch die Fraktionen.

Herbert Obernolte hatte bislang geplant, Ende des Jahres in den Ruhestand zu gehen. Vorher wollte er noch längeren Resturlaub nehmen. Die berufliche Zukunft des 64-Jährigen scheint derzeit völlig offen zu sein. Über eine Abberufung von seinen Ämtern wird diskutiert.

Sondersitzung des Rates

Als städtischer Angestellter kann Herbert Obernolte nicht einfach aus dem öffentlichen Dienst entlassen werden, da müssten ihm schon schwerwiegende Verfehlungen nachgewiesen werden. Die Funktionen des Kämmerers und des allgemeinen Vertreters des Bürgermeisters können ihm schon einfacher genommen werden, auch die als Chef der Stadtwerke GmbH und der Vlothoer Wirtschaftsbetriebe. Über die Personalie Obernolte wird in der nächsten Woche in nicht öffentlicher Ratssitzung beraten. Lediglich das Amt des Kämmerers soll Obernolte behalten, so soll es in der Beschlussvorlage stehen. Von seiner Aufgabe bei den Stadtwerken soll Obernolte am 13. März in einer Gesellschafterversammlung abberufen werden.

Herbert Obernolte war vor etwa 40 Jahren als Verwaltungsangestellter ins Rathaus gekommen. Seitdem hatte er verschiedene Fachbereiche und Aufgaben durchlaufen und mit insgesamt sieben Verwaltungschefs zusammengearbeitet.

Wilken sagt nichts

Wegen der laufenden Angelegenheit war Herbert Obernolte nicht bereit, sich gegenüber dem WESTFALEN-BLATT zu äußern.

Bürgermeister Rocco Wilken hat es auf Anfrage abgelehnt, irgendeine Stellungnahme abzugeben – weder zu einem möglichen Streit, noch darüber, ob demnächst tatsächlich eine nichtöffentliche Sondersitzung des Rates stattfinden wird: »Als Dienststellenleiter sage ich öffentlich nichts zu Personalangelegenheiten. Ich bitte um Verständnis.«

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