Das Motiv nach Tat in Vlotho bleibt unklar 18-Jährige soll für Mord an Stiefvater achteinhalb Jahre sitzen

Vlotho (WB). Achteinhalb Jahre Gefängnis wegen Mordes: Nur geringfügig hat das Landgericht Bielefeld das Urteil gegen eine junge Frau aus Vlotho abgeändert.

Von Uwe Koch
Symbolbild.
Symbolbild. Foto: dpa

Wegen der Tötung ihres Stiefvaters hat die 18-Jährige nun ein halbes Jahr Freiheitsstrafe weniger bekommen als beim ersten Urteil im Sommer 2016.

Nach dem ersten Urteil war die Täterin in die Revision gegangen, der Bundesgerichtshof (BGH) hatte das Urteil aufgehoben. Die Richter der ersten Verurteilung es versäumt, in der Hauptverhandlung auch dem Vormund der Angeklagten das »letzte Wort« zu erteilen. Das war nach Ansicht der Bundesrichter ein entscheidender »Formfehler«.

Einer der neun Stiche ging ins Herz

Jetzt versuchte eine andere Strafkammer unter Vorsitz von Beate Schlingmann noch einmal, die unfassbare Bluttat in der Nacht zum 15. November 2015 in dem Vlothoer Einfamilienhaus aufzuklären.

Damals war die Jugendliche nachts mit zwei Messern in das Schlafzimmer ihrer Eltern eingedrungen, so die Anklage. Das stand auch für die Richter des Landgerichts Bielefeld fest. Gerichtssprecher Guiskard Eisenberg: »Sie stach zuerst auf die schlafende Mutter ein.«

Als der Stiefvater wach geworden sei, habe sie auch ihn angegriffen. Einer der neun Stiche ging ins Herz des Mannes und war sofort tödlich. Die Mutter floh, doch die Tochter stach weiter auf sie ein.

Verletzungen »vom Schädel bis zu den Füßen«

Mit 29 Stichen und Schnitten wurde die Mutter verletzt. Sie selbst sprach später im ersten Prozess von einem Gemetzel, bei dem sie plötzlich ihre Gedärme in den Händen gehalten habe. Irgendwann hatte die rasende junge Frau dann von ihrer Mutter abgelassen, und ihre jüngere Schwester und der Mieter aus dem Obergeschoss kamen der Mutter zur Hilfe.

Verletzungen »vom Schädel bis zu den Füßen, von vorne und von hinten« hatte die 41-Jährige durch Schnitte und Stiche mit den Messern erlitten; die Täterin hingegen nur einen Schnitt an einer Hand. Und das war für die Richter das Indiz, warum nur die Angeklagte die Täterin gewesen sein konnte. Damit könne ihre Version, die Mutter habe den Stiefvater erstochen und sie habe die Mutter davon abhalten wollen, nicht stimmen. Das Motiv wurde auch diesmal nicht geklärt.

Mord aus Heimtücke

Die Staatsanwaltschaft forderte neun Jahre Haft, die Verteidiger Christian Thüner und Deborah Weinert Freispruch.

Schon die 3. Strafkammer sah die Tat als Mord aus Heimtücke und als gefährliche Körperverletzung. Nun setzte die 4. Strafkammer ein neues Strafmaß fest: achteinhalb Jahre Jugendstrafe. Den Abschlag gab es nur, weil die Tat noch länger zurück liegt. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig, die Verteidigung will es vom BGH überprüfen lassen.

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