Vor 90 Jahren wird die Weserbrücke zwischen Vlotho und Uffeln eröffnet Vom Politikum zum Wahrzeichen

Vlotho (WB). Wenn der Verkehr heute über die moderne Weserbrücke zwischen Vlotho und Uffeln pulsiert, ist diese Verbindung für die Pendler längst alltägliche Selbstverständlichkeit. Das war nicht immer so. Es gibt wohl kaum noch einen Zeitgenossen, der sich dran erinnern kann, als dort nur die Fähre fuhr und es noch keine Weserbrücke gab. Denn dieser historische Brückenschlag erfolgte erst vor 90 Jahren, am 28. März 1928, mit der Einweihung der einstigen Rundbogenbrücke.

Von Joachim Burek
Die historische Aufnahme vom Juli 1927 zeigt den Bau der damals neuen Weserbrücke auf der Uffelner Seite.
Die historische Aufnahme vom Juli 1927 zeigt den Bau der damals neuen Weserbrücke auf der Uffelner Seite. Foto: Geschichtswerkstatt

Erste Überlegungen für den Bau der Brücke, so berichten es die Chronisten der Geschichtswerkstatt (Spurensuche XIII, S. 13), waren bereits im Juli 1924 in der Stadtverordnetenversammlung diskutiert worden. Dort hatte Vlothos Amtmann und Bürgermeister Dr. Schildwächter die fehlenden Möglichkeiten Vlothos bedauert, sich aufgrund seiner topografischen Lage industriell ausweiten zu können. Uffeln am gegenüberliegenden Ufer böte dagegen Platz und Bauland, hieß es. Je mehr sich Gewerbe dort ansiedele und Arbeitsplätze schaffe, umso größer würde das Verkehrsaufkommen Richtung Uffeln, das die Fähre allein dann nicht mehr bewältigen könnte, lautete die Argumentation pro Brückenbau. Jedoch gab es damals ein Problem: Uffeln war nicht nur selbstständige Gemeinde, sondern lag auch in einem anderen Landkreis (Minden). So rückte immer stärker das Thema »Eingemeindung von Uffeln« in den Mittelpunkt und machte das Projekt »Weserbrücke« zusehends zu einem Politikum.

Kompromiss wird gefunden

Zur Eingemeindung kam es damals dann doch nicht, aber zu einem Kompromiss. Der Kreis Minden und der Kreis Herford einigten sich, traten als gemeinsamer Bauherr auf und am 27. März 1927 wurde der Grundstein für dieses »Jahrhundertbauwerk« für Vlotho und Uffeln gelegt, berichten die Heimathistoriker. Fast genau ein Jahr später, am 28. März 1928, wurde die für 1,1 Millionen Reichsmark erbaute, 375 Meter lange Weserbrücke endgültig freigegeben. Fußgänger hatten sie schon seit dem 10. März benutzen dürfen. In Vlotho und Uffeln wurde dieser Brückenschlag gefeiert, auch wenn zur Refinanzierung des Bauwerkes ein Brückenzoll erhoben wurde. Später wurde sogar eine Buslinie zwischen Vlotho und Uffeln eingerichtet.

Im Zweiten Weltkrieg zerstört

Der Zweite Weltkrieg brachte dann eine jähe Zäsur. Am 3. April 1945 zerstörten deutsche Pioniere das Mittelteil der Brücke. Allerdings völlig sinnlos, so die Historiker der Geschichtswerkstatt, denn die amerikanischen Panzer brauchten die Brücke gar nicht und rückten über die Reichsautobahn bei Exter Richtung Berlin vor.

1951 rollt der Verkehr wieder

Am 30. März 1951 konnte der Verkehr schließlich über die für 550.000 DM instand gesetzte Brücke wieder rollen, was mit einem großen Einweihungsfest gefeiert wurde. 1981 wurde das inzwischen überlastete Bauwerk von der heutigen nur wenige hundert Meter weiter stromaufwärts liegenden, modernen Spannbetonbrücke ersetzt.

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