Landschaftsarchitekt Philipp Rösner entwirft Masterplan für die Weserstadt Vlotho rückt ans Wasser

Vlotho (WB). Die Weserstadt Vlotho – diese oft verwendete Marke hat der Berliner Landschaftsarchitekt und gebürtiger Vlothoer Philipp Rösner jetzt in seiner Masterarbeit an der Technischen Universität Berlin mit ganz neuem Leben gefüllt. Sein dort entwickelter Masterplan rückt die Innenstadt städtebaulich und architektonisch wieder näher ans Wasser, bindet Hafen, Weser und Forellenbach stärker ins städtische Leben ein.

Von Joachim Burek

»Als gebürtiger Vlothoer und leidenschaftlicher Angler bin ich mit Weser und Forellenbach aufgewachsen. Dieses Leben einer Stadt am Wasser liegt mir am Herzen. Rein städtebaulich gibt es für die Anbindung von Hafen und Bachlauf noch viel Entwicklungspotenzial. Daher hat sich diese Thematik für meine Masterarbeit, die ich 2017 an der TU abgelegt habe, angeboten«, berichtet Rösner, der sein Studium der Landschaftsarchitektur neben dem Vollzeitberuf als Landschaftsarchitekt absolviert hat, im Gespräch mit dieser Zeitung.

Handlungsbedarf

Für die Konzeptionen und Recherchen zu der Masterarbeit habe er in den Vlothoer Stadtplanern und -entwicklern Michael Fißmer und Rolf Ruschemeier sowie in Hans-Werner Jungmann vom Arbeitskreis Hafen und dem Team des Bielefelder Planungsbüros Drees & Husemann interessierte Ansprechpartner gefunden. Das Stadtplanungsamt Herford habe ihm darüber hinaus Pläne und Luftbilder zur Verfügung gestellt. Rösner: »Mit dem integrierten Stadtentwicklungskonzept ist in Vlotho bereits gute Arbeit geleistet worden. Allerdings konzentrieren sich die Planungen dort auf die City. Hafen und Forellenbach wurden außen vor gelassen. Dort habe ich Handlungsbedarf gesehen.«

Fördermittelakquise

Wichtig sei es ihm bei seiner Arbeit gewesen, eine in dem bestehenden Förderrahmen finanzierbare Planungskonzeption zu entwerfen, führte der Landschaftsarchitekt aus. Daher habe er seiner Masterarbeit den etwas trockenen Titel »Chancenoptimierung in der Fördermittelakquise – Stadt Vlotho« gegeben. Hinter diesem Titel verbergen sich allerdings Themen, die in der Stadtentwicklung von kleineren Städten und Gemeinden immer wichtiger würden. Deshalb sei Vlotho auch exemplarisch für viele Städte dieser Größenordnungen (Einwohnerzahlen/Flächengröße) mit ähnlichen Problemen: Sie alle kämpfen mit dem demographischen Wandel, Leerständen in den Innenstädten, Abwanderung der jungen Bevölkerung und mit leeren Kassen der öffentlichen Hand. Um nun diesen Missständen langfristig und nachhaltig entgegenwirken zu können, seien stadtstrukturelle Maßnahmen erforderlich, die natürlich sehr kostenintensiv seien. Um diese Maßnahmen trotzdem zu ermöglichen, hätten Bund, Länder und die Europäische Union sehr viele differenzierte Förderprogramme und Finanzierungshilfen aufgelegt, auf die sich Städte wie Vlotho bewerben können, um bei einer erfolgreichen Fördermittelakquise Finanzhilfen für ihre Stadt zu erhalten.

Leitfaden erstellt

»An diesem Punkt setzt meine Arbeit ein: Es werden ein Leitfaden und zahlreiche Hilfestellungen für die erfolgreiche Einwerbung von Fördermitteln erstellt, die dabei helfen sollen, die Chance auf eine erfolgreiche Mittelgewinnung zu erhöhen.«

Seine Arbeit wolle dies am konkreten Beispiel anschaulich machen. Dafür habe er differenzierte Analysen der Stadtstruktur, der geschichtlichen Hintergründe, der bisher geplanten und umgesetzten Maßnahmen des integrierten städtebaulichen Entwicklungskonzeptes (ISEK) unternommen und aus diesen heraus einen Masterplan für die Stadt entwickelt, der den Arbeitstitel »Vlotho rückt ans Wasser« tragen könne.

Hafenanbindung

Dieser »Masterplan« stelle einen Entwicklungs- respektive Idealzustand dar, dessen Umsetzung in dieser Form nicht realistisch sei. »Aber er produziert ein Idealbild oder eine planerische Vision, auf welche man langfristig hinarbeiten kann«, erläutert Rösner. Dabei integriere das Konzept die bisherigen Planungen der Stadt, führe diese fort und konzentriere sich auf Themen, die in der bisherigen Stadtentwicklung weniger zum Tragen kamen: Dazu gehören die Verbindung der Innenstadt mit dem Weserhafen und die Integration des Forellenbachs in der Stadtbild der Innenstadt. Diese Themen wurden in der Arbeit dann bis in einen konkreten Projektmaßstab durchdetailliert, so dass diese »kleinen« Projekte theoretisch umsetzbar und vor allem förderfähig wären. Konkret handelt es sich dabei um den Weserhafen (Abb. oben) und den Forellenbach im Innenstadtbereich also von der Brücke Finkhäuser bis zur Mündung.

Bezahlbare Projekte

Anhand der konkreten Projekte und einer ersten Grobkostenschätzung werde in der Arbeit dann veranschaulicht, wie es für die Stadt möglich wäre, diese Projekte vom Bund oder Land fördern zu lassen, so dass es keine leeren planerischen Versprechen oder abgehobene Visionen sind, sondern maßstäbliche Projekte die bezahlbar und umsetzbar wären. »Die Stadt Vlotho und die Verantwortlichen in der Stadtentwicklung haben mit den Neugestaltungen, die bisher umgesetzt wurden und noch in Planung sind, bisher aus meiner Sicht eine sehr gute Arbeit geleistet. Gerade auch die ehrenamtliche Arbeit, wie der sie der Arbeitskreis Hafen leistet, ist ein wirkliches Geschenk für die Stadt und sollte unbedingt weiterbetrieben werden«, erklärte Philipp Rösner weiter.

Mit seiner Arbeit wolle er potenzielle Entwicklungen innerhalb der Stadt aufzeigen, die Potenziale wieder nutzen, wie sie eine Innenstadt mit Bachlauf oder einem historischen Weserhafen böten. Zudem sollten die Bilder und Planungen Mut machen, auch vermeintlich größere Projekte anzugehen und die Stadt weiterhin lebenswert und attraktiv zu gestalten. »Ich verstehe diese Konzeption als Denkanstoß für die Stadt Vlotho und gleichzeitig als eine konkrete Arbeitshilfe für kleinere Städte und Gemeinden erfolgreich Fördermittel für städtebauliche Projekte zu akquirieren«, sagt er abschließend

Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.