Vereinigte Staaten wichtiger Markt für Miele und Kannegiesser US-Strafzölle treffen OWL

Washington/Gütersloh/Vlotho (WB). Die Ankündigung von US-Präsident Donald Trump, auf den Import von Waschmaschinen und Solaranlagen Strafzölle zu erheben, trifft zwei große Hersteller in OWL. Für Miele in Gütersloh sind die USA der größte Auslandsmarkt. Kannegiesser erzielt zehn Prozent seines Umsatzes in den Vereinigten Staaten.

Von Bernhard Hertlein
Martin Kannegiesser, Hersteller industrieller Waschanlagen, fürchtet als Folge der US-Einfuhrzölle und des Protektionismus starke negative Folgen für die Weltwirtschaft.
Martin Kannegiesser, Hersteller industrieller Waschanlagen, fürchtet als Folge der US-Einfuhrzölle und des Protektionismus starke negative Folgen für die Weltwirtschaft. Foto: Oliver Schwabe

Noch haben die beiden Familienunternehmen Hoffnung, dass sie von den Strafzöllen nicht in vollem Umfang getroffen werden. Begründet hat Trump die Erhebung von Zöllen in Höhe von 20 bis 50 Prozent mit Dumpingpreisen chinesischer und südkoreanischer Hersteller . Aber seine Ankündigung trifft alle ausländischen Hersteller.

Erinnerung an Ereignisse vor der großen Weltwirtschaftskrise

Martin Kannegiesser, dessen Unternehmen große industrielle Waschanlagen herstellt, war von 2000 bis 2012 Präsident des Arbeitgeberverbandes Gesamtmetall. Er befürchtet als Folge der Strafzölle einen neuen weltweiten Protektionismus.

Es sei zu erwarten, dass China und andere Staaten mit Gegenmaßnahmen antworteten. Damit gerate der freie Welthandel in Gefahr. Dieser aber sei die Basis dafür, dass in den vergangenen Jahrzehnten überall der Wohlstand gewachsen sei. »Die schlimme Entwicklung erinnert mich sehr an die Ereignisse vor der großen Weltwirtschaftskrise«, sagte Kannegiesser.

Die Folgen für das eigene Unternehmen seien noch nicht vollständig absehbar. Am Preis lasse sich nichts verändern. Zwar werde man sich bemühen, anderswo Ersatzaufträge an Land zu ziehen. Wenn das nicht gelänge, seien Folgen für die Belegschaft nicht auszuschließen. Kannegiesser: »Gerade jetzt bräuchten wir eine starke und nicht nur eine geschäftsführende Bundesregierung.«

Südkorea kündigt Beschwerde bei WTO an

Bei Miele gibt man sich auf den ersten Blick gelassener. Die USA seien zwar größter Exportmarkt. Doch sei der Vertrieb insgesamt sehr ausgewogen. »Zudem verkauft Miele in den USA vor allem Kücheneinbaugeräte und Staubsauger, während unsere Waschmaschinen wegen der dort bevorzugten Größe und Bauart derzeit von nachrangiger Bedeutung sind«, erklärte Pressesprecher Carsten Prudent. V

on den 900.000 Waschmaschinen stellte Miele 2017 mehr als 95 Prozent in Gütersloh her. Eine eigene Produktion in den USA sei nicht geplant.

Auf Waschmaschinen sollen Zölle zwischen 20 und 50 Prozent erhoben werden, auf Solarmodule 30 Prozent. Schon im vergangenen November hatte das US-Handelsministerium vorläufige Strafzölle von bis zu 75 Prozent auf importierte Stahlrohre erlassen. Betroffen davon ist auch der Benteler-Konzern mit seinem Hauptstandort in Paderborn.

In Südkorea kündigte die Regierung Beschwerde bei der Welthandelsorganisation WTO gegen die Zölle auf Waschmaschinen an. Betroffen sind die Konzerne Samsung und LG Electronics. Scharfe Kritik äußerten auch China und Mexiko.

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