Alexandre Zindel gibt Autoharp-Konzert in Vlotho-Exter Außergewöhnlich und gefühlvoll

Vlotho (WB). Karl August Gütter erfand 1882 die »Volkszither«. Charles Zimmermann übernahm die Idee und baute sie in Amerika als »Autoharp« nach. Für die Amerikaner gehört sie zur Folklore. Die Deutschen kennen sie kaum. Alexandre Zindel hat sie neu entdeckt und tourt mit Folksongs, Chansons und Blues durch die Republik. In Exter hat er ein Konzert in der Autobahnkirche gegeben.

Von Frank Lemke
Alexandre Zindel hat sie neu entdeckt und tourt mit Folksongs, Chansons und Blues durch die Republik. In Exter hat er ein Konzert in der Autobahnkirche gegeben.
Alexandre Zindel hat sie neu entdeckt und tourt mit Folksongs, Chansons und Blues durch die Republik. In Exter hat er ein Konzert in der Autobahnkirche gegeben. Foto: Frank Lemke

»Die Carter Familiy hat die Autoharp am Anfang des 20. Jahrhunderts oft gespielt«, sagte Alexandre Zindel, der während seines Konzerts die Geschichte der Autoharp erzählte. Maybelle Carter war die Mutter der Country-Band. Ihr Name ist in Amerika mit der Autoharp verbunden. »Der folgende Song ist die Erkennungsmelodie der Carter Family«, sagte Alexandre Zindel und spielte das Lied »Wildwood Flower«.

Harmonisch sanfte Klängen

Mit einer außergewöhnlichen Stimme und harmonisch sanften Klängen bezauberte er sein Publikum. Er spielte in seiner Konzertreihe »Le Coeur fait Boum!« französische Chansons, deutsche Volkslieder und amerikanischen Blues. 89 Gäste klatschen nach jedem Stück viel Beifall und hörten gespannt seinen Ausführungen zu. »Der Erfinder hatte zwar ein Patent angemeldet. Doch Amerika war weit weg. Er blieb dort unbekannt«, sagte Alexandre Zindel.

Karl August Gütter war von Beruf Zitherbauer. Er wollte die Zither vereinfachen, so dass sie jedermann leicht lernen könnte. Daraus entstand etwas völlig Neues: eine Zither mit Knopfmechanik, die in Amerika erfolgreich werden sollte. Alexandre Zindel sah die Autoharp das erste Mal im Fernsehen, als er den Film »Walk the Line« schaute, die filmische Biografie des Country-Sängers Johnny Cash. In einer Szene komponiert June Carter, die Tochter von Maybelle Carter, das Stück »Ring of Fire« auf der Autoharp. Alexandre Zindel verliebte sich sofort in das Instrument.

Vier unterschiedliche Autoharps

»Es ist tatsächlich einfach es zu lernen«, sagte der studierte Sänger und Diplom-Musiker. Ein Jahr lang »schloss er sich mit seiner ersten Autoharp im Keller« ein. Dann ging auf Tournee. Heute spielt er in jedem Konzert vier unterschiedliche Autoharps.

Sein Publikum hat das Konzert genossen: »Diese Musik geht ans Herz. Er hat eine wunderschöne Stimme«, sagte Eta Reisse aus Exter. Der Klang der Autoharp sei ungewöhnlich und einfach schön. August-Wilhelm König sah das ähnlich: »Alexandre Zindel geht richtig in der Musik auf. Da steckt Herzblut drin.«

Langer Applaus und Zugaben

Für Alexandre Zindel ist Musik einfach die Empfindung von Schönheit. Jedes Stück habe seine eigene Geschichte und seine eigene Färbung, die sich wiederum durch die persönliche Empfindung des Zuhörers verändere.

Am Ende des zweistündigen Konzerts hat das Publikum sehr lange applaudiert. Alexandre Zindel musste zwei Zugaben geben. Eine davon war eine Eigenkomposition. Zum Abschied sang er, während er sanft auf der Autoharp spielte: »Das Leben ist ein Spiel. Und wer es recht zu spielen weiß, der gelangt ans rechte Ziel.«

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