Plattdeutsche Bezeichnungen auf Vlothoer Ortstafeln möglich »Vlauthe« oder »Vläote«

Vlotho (WB). Steht künftig der plattdeutsche Name von Vlotho als Zusatz auf den Ortstafeln? »Eine überlegenswerte Idee«, findet Bürgermeister Rocco Wilken. »Wir stehen grundsätzlich allem positiv gegenüber, was zur Identifikation mit der Stadt beiträgt oder die Erinnerungskultur fördert«, sagt er.

Von Joachim Burek
Für Zusätze mit der plattdeutschen Bezeichnung kommen nur wenige Standorte an den zentralen Zufahrten der Stadt in Frage, wie zum Beispiel hier an der B514 aus Richtung Bad Oeynhausen oder an der Weserbrücke aus Richtung Uffeln.
Für Zusätze mit der plattdeutschen Bezeichnung kommen nur wenige Standorte an den zentralen Zufahrten der Stadt in Frage, wie zum Beispiel hier an der B514 aus Richtung Bad Oeynhausen oder an der Weserbrücke aus Richtung Uffeln. Foto: Joachim Burek

Allerdings müssten vor so einer Entscheidung noch einige wichtige Fragen geklärt werden, die man unter anderem im Ältestenrat der Stadt besprechen wolle, räumt Wilken ein. »Erstes Problem ist, dass es für Vlotho keine Schreibweise und Ausspracheformen für die niederdeutsche Bezeichnung des Stadtnamens gibt«, so der Hinweis Wilkens. Da gelte es, sich zunächst auf eine Version zu einigen. Laut Wikipedia sind vier unterschiedliche niederdeutsche Bezeichnungen für Vlotho im Gebrauch: »Vläote«, »Vläothe«, »Vleode« und »Vlauthe«.

Neueer Erlass aus dem NRW-Ministerium

Zum anderen, so der Bürgermeister, müsse geprüft werden, ob für einen solchen Zusatz der Gegenwartsbezug gegeben sei. Genau dies fordere der entsprechende ministerielle Erlass, der diese plattdeutschen Zusätze erst ermöglicht habe.

Den Weg frei für solche Bestrebzungen unter anderem von Mundart- und Heimatfreunden macht ein Erlass, den das NRW-Ministerium für Heimat, Kommunales, Bau und Gleichstellung noch vor Weihnachten an die Bezirksregierungen verschickt hatte. Dieser lässt Zusatzbezeichnungen – etwa in Plattdeutsch – auf Ortsschildern zu. Nun können die Räte der Gemeinden und Städte in Nordrhein-Westfalen die Ergänzungen mit Drei-Viertel-Mehrheit beschließen, die dann noch vom Ministerium geprüft werden müssen. Vor­aussetzungen für die Genehmigung sind außerdem die korrekte Übersetzung und die richtige Schreibweise der Namen auf den Ortsschildern. Dem Erlass war ein Antrag der Fraktionen von CDU und FDP an den Landtag vorausgegangen.

Heimatverein ist begeistert

In Vlotho hat den Heimatverein diese neue Möglichkeit fasziniert und er hat die Initiative ergriffen. »Wir haben uns dabei an den Vorbildern der benachbarten Kommunen Rödinghausen und Hiddenhausen orientiert«, erklärt Inge Wienecke vom Vlothoer Heimatverein.

Die Idee sei bei der Regionalkonferenz auf Gut Bustedt entstanden und in Gesprächen mit Annegret Arnhölter von der Geschichtswerkstatt Exter weitergedacht worden. »Zwei Eckpunkte haben wir bereits in einigen Vorgesprächen geklärt«, teilte Inge Wienecke mit. »Wir haben uns unter anderem auf die Verwendung der Schreibweise ›Vlauthe‹ geeinigt.«

Diese Lesart werde auch von der in Vlotho bekannten Traditionsfigur »Minske« verwendet. Inge Wienecke: »Über den nach dieser Figur benannten allseits bekannten Minske-Markt an der Herforder Straße ist auch ein Gegenwartsbezug gegeben.«

Beratung im Ältestenrat

Außerdem sei man sich nach einer Ortsbesichtigung einig gewesen, dass nur die zentralen expliziten Vlotho-Ortseingangsschilder diesen Zusatz bekommen sollten, da Ortsteile wie Exter und Uffeln ja ihre eigenen Bezeichnungen tragen würden. »So ist Exter schon seine eigene plattdeutsche Bezeichnung, die selbst bereits auf verschiedene Weise gedeutet wird«, ergänzt das Exteraner Geschichtswerkstatt-Mitglied Annegret Arnhölter.

Beide Expertinnen sind sich mit dem Bürgermeister einig, dass sich diese Initiative erst auf der Ebene der Vorgespräche befindet. »Wir müssen unter anderem die Beratung im Ältestenrat abwarten«, sagte der Bürgermeister. Rocco Wilken: »Anträge an ihn oder den Rat in dieser Sache sind jedoch jederzeit möglich.«

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