Dienstag beginnt der Prozess gegen die 16-Jährige, die ihren Stiefvater erstach Sollte die Mutter sterben?

Vlotho (WB). Die 16-jährige Schülerin aus Vlotho, die offenbar im November mit einem Messer ihren Stiefvater (59) erstochen hat, soll eigentlich den Tod ihrer Mutter (40) beabsichtigt haben. Das gab das Landgericht Bielefeld am Dienstag mit Hinweis auf die Anklageschrift bekannt und bestätigte damit einen WESTFALEN-BLATT-Bericht vom 1. März.

Von Christian Althoff
Sarah T. 2011 als ausgezeichnete Hühner-Züchterin.
Sarah T. 2011 als ausgezeichnete Hühner-Züchterin.

Am Dienstag, 19. April, beginnt der Mordprozess gegen Sarah T. vor dem Landgericht. Wegen des Alters der Angeklagten hat der Vorsitzende Richter Carsten Nabel die Presse und die übrige Öffentlichkeit ausgeschlossen.

Einzelne Verwandte wollen aber wohl beantragen, in den Saal zu dürfen. »Darüber wird dann der Vorsitzende entscheiden«, sagte Landgerichtssprecher Guiskard Eisenberg.

Die Eltern schliefen

Die Eltern schliefen, als Sarah T. in der Nacht zum 16. November mit einem Messer ins Elternschlafzimmer kam. Die Staatsanwaltschaft wirft ihr vor, sie habe zunächst versucht, »ihre schlafende Mutter durch Messerstiche zu töten«.

Die Mutter wurde durch zahlreiche Stiche erheblich verletzt. Als der Ehemann, ein Dachdecker, aufwachte und versuchte, seine Stieftochter zu stoppen, soll sie zugestochen und ihn tödlich verletzt haben.

Mutter floh aus dem Schlafzimmer

Nach Ermittlungen der Mordkommission floh die schwerverletzte Mutter aus dem Schlafzimmer. Die 16-Jährige soll sie verfolgt und weiter zugestochen haben. Erst die elfjährige Stiefschwester und der im ersten Stock des Zweifamilienhaus lebende Mieter konnten Sarah T. bändigen.

Die Jugendliche wird von den Herforder Strafverteidigern Christian Thüner und Deborah Weinert vertreten. Beide wollen ihre Mandantin heute noch einmal in der Mädchenabteilung der Justizvollzugsanstalt Köln besuchen, um sie auf den Prozess vorzubereiten. Später wird Sarah T. in die JVA Bielefeld verlegt, damit sie an den sechs Prozesstagen nicht aus dem Rheinland geholt zu werden braucht.

Motiv liegt im Dunkeln

Das Motiv liegt weitgehend im Dunkeln. Es soll Aussagen aus dem Umfeld der Familie geben, die ein »schwieriges Verhältnis« zwischen Mutter und Tochter beschreiben. Sarah T., die bisher als voll schuldfähig gilt, hat sich dazu bislang nicht geäußert. Ihre Stiefschwester hat zwar kurz nach der Tat Angaben gemacht, aber ob die verwertet werden dürfen, ist noch unklar. Ebenso ist noch nicht bekannt, ob die Stiefschwester zu einer Zeugenaussage bereit ist.

Sarahs Mutter hat sich als Nebenklägerin angemeldet. Ob sie persönlich zum Prozess erscheinen oder sich von ihrem Anwalt Peter Rostek vertreten lassen wird, war gestern nicht zu erfahren.

Das Gericht wird sein Urteil voraussichtlich am 17. Mai sprechen.

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