Themenabend an der Spenger Werburg – Schwarzbrot für die Dienstboten So haben einst die Burgherren gespeist

Spenge (WB). Reinschnuppern in die Küche des Landesadels durften Freitag die Besucher des Themenabends in der Spenger Werburg. Museumspädagogin Sonja Voss führte durch die verschiedenen Räumlichkeiten und erzählte von der damaligen Vorratshaltung und den Tischmanieren.

Von Rabea Sobolewski
Museumspädagogin Sonja Voss erklärt den Besuchern in der Schwarzküche die Herstellung von Käse.
Museumspädagogin Sonja Voss erklärt den Besuchern in der Schwarzküche die Herstellung von Käse. Foto: Sobolewski

»Lange Zeit galt das Weißbrot als Herrenbrot und so gab es für die Dienstboten nur Schwarzbrot«, erklärte Voss den aufmerksamen Zuhörern in der Küche der Werburg, während sie Pumpernickel und Salami servierte. Anfangen sollte der Themenabend »Vorratshaltung – vom Festessen zur Fastenspeise: Die Küche des Landesadels in der frühen Neuzeit« nämlich mit dem Brot der Armen und im Gegensatz dazu der Wurst des Adels. Denn in der frühen Neuzeit aß fast nur der Adel Fleisch. Auf die Frage, warum die Küche denn schwarze Wände habe, hatte Sonja Voss natürlich auch eine Antwort parat: »Die Küchen damals waren alle Schwarzküchen, da mit offenem Feuer gekocht wurde und dadurch die Wände schwarz wurden.«

Früher wurde getrocknet, geräuchert, gepökelt oder eingekocht

In der damaligen Zeit war die Vorratshaltung ein großes Problem. »Die Konservierungsmöglichkeiten waren ganz andere als heute: Lebensmittel wurden getrocknet, geräuchert, gepökelt oder eingekocht. Bei einigen Lebensmitteln kennt man diese Vorgehensweisen noch heute«, erzählte Voss. Nach der Küche ging die Besuchergruppe zur Ausgrabungsstätte der Werburg. Alles, was in der Werburg ausgestellt ist, wurde auch auf dem Grundstück gefunden und archäologisch eingeordnet, erfuhren die Teilnehmer.

Die damaligen Burgherren tranken übrigens das Heilwasser aus Bad Pyrmont und so gab es für die Gäste als nächstes Bad Pyrmonter Wasser zum Probieren. »Der Adel aß außerdem gern Austern aus dem Atlantik, die vom Mindener Fischmarkt hergebracht wurden. Denn je üppiger und ausgefallener ihre Tafel war, desto höher war auch ihr Ansehen«, berichtet Voss. Weiter ging es dann in einem Raum, in dem die Besucher sich beim Jagen versuchen durften. Der Adel hatte noch bis in das 19. Jahrhundert das Jagdrecht und sicherte sich so Rehe, Wildschweine und andere Tiere.

Der Hausherr saß immer an der Mitte des Tisches

Als kleine Zwischenmahlzeit gab es damals getrocknete Früchte und so bot Sonja Voss ihren Besuchern Apfelchips an. Im Raum des Spiels waren Spielregeln und Tischsitten Thema. Voss erklärte: »Der Hausherr saß immer in der Mitte des Tisches und nicht wie heute vor dem Ende. Bis zum 17. Jahrhundert wurde das Besteck selbst von den Hausgästen mitgebracht und es wurde meist von Löffeln gegessen, da Gabeln dem Dreizack des Teufels ähnelten und daher verpönt waren. Außerdem gehörten Furzen und Rülpsen zum guten Ton, um zu zeigen, dass das Essen geschmeckt hat.«

Der Themenrundgang mit kleinen Leckerbissen kam sehr gut beim Publikum an und so soll es in den nächsten Monaten weitere Themenabende geben – immer wieder zu neuen Themen wie beispielsweise der Sage der Werburg.

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