Reinhold Beckmann und Band treten in der Grundschule Spenge auf Songs voller Erinnerungen

Spenge (WB). Hier trotzen die Spenger jeder Beschreibung ostwestfälischen Temperaments: Beim Konzert von Reinhold Beckmann und Band stehen die Besucher in den Reihen und singen - obwohl das Stück längst vorbei ist.

Von Daniela Dembert
Reinhold Beckmann brachte Stücke aus den Alben »Freispiel« und »Bei allem sowieso vielleicht« mit nach Spenge.
Reinhold Beckmann brachte Stücke aus den Alben »Freispiel« und »Bei allem sowieso vielleicht« mit nach Spenge. Foto: Dembert

Am Freitagabend ist der Sportkommentator und Talkrunden-Moderator mit Songs aus seinen Alben »Freispiel« und »Bei allem sowieso vielleicht« in der Aula der Grundschule Spenge zu Gast.

Einige Erkundigungen über die gastgebende Stadt hatte der Musiker sich im Vorfeld eingeholt, hielt Ausschau nach dem Bürgermeister, verteilte kleine Sticheleien in Richtung SPD, deren Ortsverein »in Spenge wohl noch zu guter Arbeit fähig ist«, wie sich am Bauunterfangen Lange Straße zeige.

Musikalisch bewegt sich die Combo von Country über Pop und Blues, macht Halt im Reggae und gefällig plätschernden Bossa Nova und scheint sich im Jazzigen beheimatet zu fühlen. Stilsicher ist Beckmanns Band, bestehend aus Gitarrist Johannes Wennrich, Bassmann Thomas Biller, Schlagzeuger Robin McMinn und Multiinstrumentalist Jan-Peter Klöpfel an Trompete, Flügelhorn und Keyboards in den Genres unterwegs. Wennrich sorgt auf der Lapsteel-Guitar für’s Country-Feeling, Klöpfel gibt blasend den Mariachi oder lässt die »Schweineorgel« jaulen.

Viel Persönliches erzählte Reinhold Beckmann, wissend, was die Zuhörer von einem Live-Konzert erwarten. Irgendwo zwischen verklärt träumend, zustimmend nickend und amüsiert kichernd fand sich das Publikum in der Hand des Bühnenmannes. Mit seiner Anekdote über die eigene Mutter, die den Sohn in eine linkspolitische Wohngemeinschaft schickte, in der Hoffnung, dort liefere man ihm Anregungen für die Wehrdienstverweigerung, holte Beckmann den Zeitgeist der 70er in den Grundschulsaal. Überhaupt sind Erinnerungen ein großes Thema des Musikers Beckmann, der als Journalist und Mensch auch ein feinsinniger Beobachter ist.

Das Menschliche interessiert ihn. Das, was ein Lebensgefühl ausmacht, fängt er ein und schafft es, kleine Momente und große Gefühle in einigen seiner Songs zu konservieren. Es geht um die Zeiten, »in denen CD noch eine Seife war«, um »das Gefühl, das erste Mal zu leben« und die dralle Fleischereifachverkäuferin Charlotte, die beim »kleinen Würstchen« Beckmann für Verzückung sorgte. »Das Beste kommt noch«, da ist sich der Hamburger sicher und blinzelt in besagtem Song gelangweilt auf abgelutschte Selbstfindungsrituale. Verklärtheit, Ehrlichkeit, ein dickes Augenzwinkern und zum Glück keine Weltverbesserer-Botschaften zeichnen die Texte Beckmanns aus.

Für andächtig schweigsame Minuten sorgte der Sänger mit dem Stück »Wohin in dieser Welt«. »Diesen Song habe ich geschrieben, als das Bild des kleinen syrischen Flüchtlingsjungen Aylan um die Welt ging, der tot am Strand von Bodrum angespült worden ist. Damals dachte ich, dieses Bild würde die Debatte um die Flüchtlingswelle verändern«, erzählte Beckmann.

Nach dem Konzert gab es Reinhold Beckmann noch hautnah: der Sänger schrieb Autogramme und stand für Fotos mit seinen Fans bereit.

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