Rolf Allerdissen fordert Linksschwenk der SPD und bewirbt sich um Parteivorsitz Ex-Spenger kandidiert gegen Nahles

Spenge/Leipzig (WB). Rolf Allerdissen liebt das Extreme. Jetzt will der 51-Jährige aus Spenge, der für das Aufstellen von Guinness-Buch-Rekorden bekannt ist und seit vier Jahren in Leipzig lebt, gegen Andrea Nahles antreten und Bundesvorsitzender der SPD werden.

Von Gerhard Hülsegge

»Ich bin einer, der ganz hart ›No GroKo‹ schreit. Denn sie schadet der politischen Willensbildung des Volkes. Damit werden nur rechte und linke Ränder bedient«, sagt der Frührentner, der wegen einer entzündlichen Darmerkrankung inzwischen zeitweise auf den Rollstuhl angewiesen ist. Sein Ziel ist es, die Große Koalition in Berlin zu verhindern. Der Mitgliederentscheid in der Sozialdemokratischen Partei läuft. Natürlich hat Allerdissen schon abgestimmt – gegen den von CDU/CSU und SPD ausgehandelten Koalitionsvertrag.

»GroKo etwas für Notzeiten«

Eine Große Koalition sei etwas für Notzeiten wie in der Finanzkrise 2008, so Rolf Allerdissen im Gespräch mit dem WESTFALEN-BLATT. Die Sozialdemokratische Partei Deutschlands solle deshalb, wie vom Ex-Vorsitzenden Martin Schulz am Wahlabend des 24. September 2017 versprochen, in die Opposition gehen. So, wie es auch die Jugendorganisation der Partei, die Jungsozialisten (Jusos) propagieren.

Allerdissen war schon von 1990 bis 1995 Mitglied der SPD, zog 1991 nach Dresden und trat wegen »rechter Tendenzen« im Osten wieder aus. Seit 2017 gehört er wieder der Partei an. »Einmal Genosse, immer Genosse«, sagt der Ex-Spenger und Neu-Sachse. In Leipzig engagiert sich Allerdissen in der SPD-Arbeitsgemeinschaft »Selbst Aktiv« und ist nach eigenen Angaben seit 2017 auch Mitglied des AG-Landesvorstandes. Dort kümmert er sich um die Belange von Menschen mit Behinderung. Die Sozialpolitik kommt ihm im Koalitionsvertrag zu kurz. »Die Richtung ist richtig«, erklärt er. Die Schaffung von 8000 neuen Arbeitsplätzen in der Pflege seien allerdings zu wenig.

»Ich bin kein Traumtänzer«

Mehr als 50 Weltrekord-Versuche und Wettbewerbe hat Rolf Allerdissen seit 2003 erfolgreich organisiert. Damit avancierte er bei privaten TV-Sendern (Pro7/SAT1) zum Rekordexperten. Den letzten Rekord stellte er im August vergangenen Jahres bei der Bundesgartenschau in Ronneburg (Thüringen) mit dem Aufbau der längsten Murmelbahn der Welt auf, indem er insgesamt 1200 Pflasterrohre auf einer Länge von 2300 Metern verlegte.

Um den SPD-Bundesvorsitz bewerben sich neben Allerdissen auch Flensburgs Oberbürgermeisterin Simone Lange, Udo Schmitz ((Stadland) und Dirk Diedrich aus Dithmarschen, Mitglied im Landesvorstand der SPD in Schleswig-Holstein. Allerdissen rechnet sich nicht unbedingt Chancen aus, es auf Anhieb vom »Newcomer« ins Spitzenamt der Sozialdemokratischen Partei zu schaffen und Andrea Nahles, immerhin Ex-Juso-Vorsitzende und Ex-Bundesministerin, das Amt streitig machen zu können. »Da bin ich Realo und kein Traumtänzer«, sagt er und fügt hinzu: »Aber wir wollen zeigen, dass es die Basis gibt und ich werde ein bisschen bekannter.«

Motto: Links schwenk marsch!

»Links schwenk marsch!« lautet seine Devise. Seine Kandidatur, die er per Einschreiben der SPD-Zentrale in Berlin übermittelt hat (eine Antwort steht noch aus), ist kein Witz. Andere Ämter in der SPD könnten ja noch folgen. »Wir brauchen einen Inklusions-Beauftragten«, betont er. In den Kreis Herford kommt er bereits Anfang April zurück. Anlässlich seiner Werbetour im Kampf um den SPD-Vorsitz hat er ein Gespräch mit den Jusos vereinbart. Dann werden auch die Eltern in Spenge besucht. Spenges Bürgermeister Bernd Dumcke, auch SPD-Mitglied, schätzt die Chancen, dass Allerdissen gewählt werden könnte, gering ein. »Sie tendieren gegen Null«, meint er.

Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.