Kabarettistin entlockt ihrem Publikum den »Spenger Tantenschrei« Eva Eiselt räumt auf

Spenge (WB). Eine Kölnerin beim sechsten Karnevals-Kabarett – das passt! Mit ihrem Programm »Vielleicht wird alles vielleichter« war Eva Eiselt am Freitag zu Gast in der Spenger Grundschule.

Von Daniela Dembert
Als gelangweilte Partybesucherin philosophiert Eva Eiselt proseccoselig über Moral, Doppelmoral, Stammtischparolen und schlechten Geschmack. Die Kölner Kabarettistin war auf Einladung des Kulturamtes und der Bücherei nach Spenge gekommen.
Als gelangweilte Partybesucherin philosophiert Eva Eiselt proseccoselig über Moral, Doppelmoral, Stammtischparolen und schlechten Geschmack. Die Kölner Kabarettistin war auf Einladung des Kulturamtes und der Bücherei nach Spenge gekommen. Foto: Daniela Dembert

Wenn man schon mal den Staubsauger in der Hand hat und versehentlich das ein oder andere Playmobil-Kleinteil erwischt hat, warum nicht gleich mal so richtig reine machen? Warum nicht auch kitschige Billigdeko-Artikel, das alte Sofa, ausbeuterische Großkonzerne und fragwürdige Gesinnungen in den Staubbeutel verbannen? Vor ausverkauftem Haus hat Kabarettistin Eva Eiselt zum Rundum-Schlag ausgeholt und aufgeräumt.

Dabei ist die Kölnerin keineswegs festgenagelt auf Hausfrauen-Witzchen. In ihrem aktuellen Programm sinniert die Mimin mit den vielen Egos über Gott und die Welt. Als großkotziger Eventmanager lehrt sie das Publikum das Lachen. Merke: Effizienz ist wichtig. Nicht erst über einen Witz nachdenken, sofort loswiehern! Vom politisch inkorrekten Lachen, das hinter vorgehaltener Hand einem tiefen Bronchialleiden ähnelt, steigert sich der mit gut 250 Gästen voll besetzte Saal bis zum »Spenger Tantenschrei«. »Das ist so ein langer lauter Kreischton, dem dann das Hihihi folgt«, so die Fachfrau.

Interaktion mit Publikum

Eva Eiselt steht in ständiger Interaktion mit ihrem Publikum. Nicht leicht für Jörg Wöhrmann in der ersten Reihe, der ständig als Beispiel und Pionier herhalten muss. Wortverspielt und hintergründig nimmt die gebürtige Eifelerin als beduselte, gelangweilte Partybesucherin Doppelmoral und Stammtischparolen der anderen Gäste aufs Korn. Da tischt der Gastgeber Cevapcici, Bulgur und Tzatziki auf, während englische Musik aus der Stereoanlage made in China dudelt, und konstatiert, man müsse sich wieder mehr auf die deutsche Kultur besinnen.

Wunderbar erfrischend entlarvt Eiselt Schubladendenker, Zivilisationsgestörte, Helikopter-Mütter und Menschen mit »Handygrations-Hintergrund« mit pointierter Wortwahl aber ohne den mahnenden Zeigefinger zu erheben. Für jede ihrer Kunstfiguren hat sie einen anderen Dialekt parat.

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