Spenge: Staatsanwaltschaft wirft 39-Jährigem versuchten Totschlag vor - mit Video Zu Sprung aus Fenster gedrängt: Vater schweigt zu Vorwürfen

Spenge (WB). Es müssen dramatische Szenen gewesen sein, die sich in der Neujahrsnacht in Spenge zugetragen haben: Zwei Brüder – 6 und 9 Jahre alt – sind aus etwa sechs Metern Höhe aus dem Fenster eines Mehrfamilienhauses in der Fußgängerzone gestürzt.

Von Gerhard Hülsegge
Der Lönsweg mitten in Spenge: Hier stürzten kurz nach Jahresbeginn zwei Jungen (6/9) aus einem Fenster in der zweiten Etage auf das Straßenpflaster. Polizei und Staatsanwaltschaft werfen dem Vater vor, seine Kinder zum Sprung aus seiner Wohnung gedrängt zu haben.
Der Lönsweg mitten in Spenge: Hier stürzten kurz nach Jahresbeginn zwei Jungen (6/9) aus einem Fenster in der zweiten Etage auf das Straßenpflaster. Polizei und Staatsanwaltschaft werfen dem Vater vor, seine Kinder zum Sprung aus seiner Wohnung gedrängt zu haben.

 Der Vater der beiden Jungen wurde vorläufig festgenommen. Am Dienstag wurde er in Bielefeld einem Haftrichter vorgeführt. Dieser erließ Haftbefehl wegen versuchten Totschlags in Tateinheit mit gefährlicher Körperverletzung. »Der Mann schweigt zu dem Tatvorwurf«, sagte Kath­ryn Landwehrmeyer, Sprecherin der Polizei in Bielefeld, gegenüber dem WESTFALEN-BLATT.

Eltern leben getrennt

Wie kann ein Vater seine beiden Kinder dazu drängen, aus dem Fenster zu springen? Und damit ihren Tod in Kauf nehmen?

Nach Informationen dieser Zeitung lebt der deutsche Familienvater (39) getrennt von seiner Ehefrau. Alle 14 Tage seien die Kinder, deren Mutter im benachbarten Stadtteil Lenzinghausen wohnt, bei ihm gewesen, berichteten Nachbarn.

Der Mann wird von ihnen als hilfsbereit und freundlich beschrieben. Gerne besuchte er mit seinem Nachwuchs das Gartenhallenbad im benachbarten Enger. In sozialen Netzwerken des Internets postete er unter anderem noch am 8. Dezember: »Hab endlich wieder die Jungs da!«

Und im November schrieb er auf Facebook: »Wenn dir dein Kind wichtig ist, wirst du immer Zeit finden, um für es da zu sein. Ohne Entschuldigungen, ohne Lügen und ohne leere Versprechungen.«

Fenster lassen sich drehen und öffnen

Die Fenster in der väterlichen Wohnung führen direkt ohne Sicherung auf das steil abfallende Dach. Wie Nachbarn erklärten, lassen sie sich drehen und öffnen, um sie in Kippstellung von innen von beiden Seiten putzen zu können. Eine spezielle Sicherung war offenbar nicht vorhanden.

Das Motiv ist unklar. Ob der Mann das erste Mal gegenüber den Kindern auffällig geworden sein könnte, ist nicht bekannt. Zur Tatzeit soll der Vater betrunken gewesen sein. Angeblich befanden sich laut Testergebnis 2,5 Promille Alkohol in seinem Blut.

Vater war alkoholisiert

In einer gemeinsamen Erklärung der Staatsanwaltschaft Bielefeld und der Bielefelder Polizei heißt es zum Geschehen in der Nacht: »Die sich zunächst ergebenen Verdachts­momente gegen den alkoholisierten Vater, seine Söhne zu dem Sprung aus dem Fenster gedrängt zu haben, wurden durch die Ermittlungen bestätigt.«

Weitere Details nannten die Ermittler auch auf Anfrage dieser Zeitung nicht.

An Dachrinne gehangen

Nachbarn hatten  am Silvestermorgen gegen 0.30 Uhr die Kinder schreien hören, nachdem sie in einer Fußgängerzone am Lönsweg der 15.000-Einwohner-Stadt vom Dach etwa sechs Meter tief auf die Straße gefallen waren. Anfangs hatte ein Kind noch an der Dachrinne gehangen, als Nachbarn aufmerksam wurden und Rettungskräfte alarmierten. Die Kinder wurden mit dem Rettungswagen in Krankenhäuser gebracht. Notarzt, Rettungskräfte und mehrere Streifenwagen-Besatzungen waren bis 5 Uhr früh im Einsatz.

Da die Umstände der Stürze zunächst unklar waren, hatte die Mordkommission »Löns« (benannt nach dem Namen der Straße in Spenge) der Polizei Bielefeld unter Leitung von Kriminalhauptkommissar Jürgen Kollien mit Unterstützung der Herforder Polizei die Ermittlungen aufgenommen. 

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