Werburg-Museum eröffnet Saison mit erster öffentlicher Führung Mit Blut und Honig gegen Flöhe

Spenge (WB). Kochen, Heizen, Hygiene, Arbeiten – wie war das eigentlich, als die Werburg noch eine »Wehrburg« war? In der ersten Führung des Jahres konnten sich Besucher des Werburg-Museums von Rosy Kiefer-Hessedenz erzählen lassen, wie sich das Leben auf dem herrschaftlichen Wohnsitz in Spenge gestaltete.

Von Daniela Dembert
Rosy Kiefer-Hessedenz (links) erklärt, wie Besucher sich auch allein auf Entdeckungstour durch das Werburg-Museum machen können. Hier erklärt sie den Besuchern das Bestimmen von Repliken einzelner Fundstücke im Herrenhaus.
Rosy Kiefer-Hessedenz (links) erklärt, wie Besucher sich auch allein auf Entdeckungstour durch das Werburg-Museum machen können. Hier erklärt sie den Besuchern das Bestimmen von Repliken einzelner Fundstücke im Herrenhaus. Foto: Daniela Dembert

»Wenn man das Gelände betritt, könnte man meinen, das war ein wirklich malerischer Landsitz«, leitet das Museumsverein-Mitglied, auf dem Hof des Gebäude-Ensembles stehend, ein. »War es aber nicht. Den Außenbereich gibt es in dieser Gestaltung erst seit 1961«, erklärt sie. Im 17. Jahrhundert habe Wasser die Werburg umgeben. Um das Herrenhaus sei es nass und matschig gewesen. Was das für das Leben der Menschen auf dem Gehöft im Hinblick auf Wehrhaftigkeit und Sicherheit, Gesundheit und Hygiene, Wohnen und Arbeiten bedeutete, erläutert die ehrenamtliche Museums-Führerin im 14-tägigen Turnus den Besuchern.

Das Flohei hat Löcher

Die Ausstellung zeichnet ein recht umfassendes Bild dessen, wie sich das Leben auf dem Herrensitz gestaltete. Bezug nehmend auf die damaligen Witterungsverhältnisse, werden Heiz- und Kleidungsgewohnheiten erläutert. Einen eigenen Raum nimmt die Hygiene des 17. Jahrhunderts ein: Funde wie Läusekämme oder ein Flohei geben einen lebhaften Eindruck davon, wie sich die Menschen des Mittelalters auch ohne Wasser und Seife zu helfen wussten. »Das Flohei hat Löcher, durch die die Flöhe ins Innere gelangen konnten. Dort hinein steckte man Watte, getränkt mit etwas Blut und Honig. Das wurde dann als Ungezieferfalle dicht am Körper getragen«, führt Kiefer-Hessedenz aus. Viele Redewendungen wie das sprichwörtliche »süße Blut« derer, die oft von Mücken geplagt werden, stammten aus dieser Zeit.

Weiteres Beispiel: einen Zahn zulegen. Wollte man in der Küche den Kochvorgang beschleunigen, legte man auf der Raste einen Zacken zu, so dass der Topf sich Richtung Feuer senkte. Auch davon, wieso die Verbreitung von Klatsch und Tratsch das Synonym »schmutzige Wäsche waschen« erhalten habe und warum man auch heute in Sterbefällen noch salopp davon spricht, jemand habe »den Löffel abgegeben«, weiß Rosy Kiefer-Hessedenz zu erzählen.

Früher ein Munitionslager

Wichtiger Raum in der Ausstellung: das Kriegszimmer. Die Werburg weist einen Fundus an Kriegsmaterialien von beispielloser Größe auf. »Das ist wirklich etwas besonders. Wegen der vielen ausgegrabenen Kanonenkugeln und Armbrustbolzen kann davon ausgegangen werden, dass die Werburg als Munitionslager diente«, verrät Rosy Kiefer-Hessedenz.

Etwa 6000 Funde seien auf dem Wasserburg-Gelände gemacht worden. Das Museum sei bestückt mit dem, was tatsächlich zur Werburg gehört hat. Viele weitere Funde seien noch gar nicht aufgearbeitet und ausgewertet, so dass das Museum auch in den kommenden Jahren noch um interessante Aspekte erweitert werden könne, versicherte die Ehrenamtliche. Beispielsweise sei im Bereich der Musik noch einiges in Arbeit. »Lieder, die über das Leben der armen Bevölkerung hier geschrieben worden sind, könnten künftig in die Ausstellung eingebunden werden«, erklärt sie..

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