Nach Unfall im Juli: Spenger (20) wegen fahrlässiger Körperverletzung zu Geldstrafe verurteilt Autofan verliert Führerschein

Spenge/Herford (WB).  »Warum hatten Sie es denn so furchtbar eilig?« Auf die Frage der Richtern hatte der Angeklagte keine Antwort, als er sich gestern vor dem Amtsgericht Herford für einen Unfall auf der Bielefelder Straße kurz vor Lenzinghausen verantworten musste, bei dem zwei Menschen verletzt wurden. 

Von Ann-Christin Lüke
Zwischen Bielefeld und Lenzinghausen hatte sich Anfang Juli ein Unfall ereignet. Der Angeklagte war nach einem riskanten Überholmanöver in den Gegenverkehr gekracht. Dabei wurde auch der Fahrer eines Motorrades verletzt.
Zwischen Bielefeld und Lenzinghausen hatte sich Anfang Juli ein Unfall ereignet. Der Angeklagte war nach einem riskanten Überholmanöver in den Gegenverkehr gekracht. Dabei wurde auch der Fahrer eines Motorrades verletzt. Foto: Archiv/Kathrin Weege

»Ich weiß selbst nicht, warum ich da überholt habe«, sagte der 20-Jährige aus Spenge. »Eigentlich hätte ich nur noch zwei Minuten gehabt, dann wäre ich Zuhause gewesen.« Ihm wurde in der Anklageschrift vorgeworfen, grob fahrlässig gefahren zu sein und dadurch zwei Menschen verletzt zu haben, als er am 1. Juli im Feierabendverkehr mehrere Autos vor einer Linkskurve überholte und dadurch frontal mit dem Auto einer 24-Jährigen zusammenstieß (wir berichteten am 2. Juli).
Bei einem Tempolimit von 60 km/h soll der Spenger, der derzeit eine Ausbildung zum Kfz-Mechatroniker absolviert, laut Anklageschrift etwa Tempo 100 auf dem Tacho stehen gehabt haben. Der Angeklagte selbst gab an, »etwa 80 bis 90« gefahren zu sein. Dabei habe er vier Autos gezählt, die er überholte. Der Spenger bezeichnete sich selbst als »erfahrenen Autofahrer«, der nicht zum Rasen neige. Er habe sein Hobby zum Beruf gemacht. »Wenn man Ihr Auto sieht, hat man aber das Gefühl, in Ihnen steckt ein kleiner Rennfahrer«, entgegnete die vorsitzende Richterin des Schöffengerichts, Alexandra Sykulla. Das Auto war getunt und die Airbags ausgebaut worden. »Ich tune mein Auto nicht, um damit Rennen zu fahren, sondern um es zu verschönern«, beteuerte der 20-Jährige und erntete dafür Kopfschütteln von einigen Zuschauern.

Schwierige Sichtverhältnisse

Auch die Geschädigten kamen während des Prozesses zu Wort. Mit belegter Stimme berichtete zunächst die 24-Jährige, mit der der Spenger zusammengekracht war. »Als ich auf der Intensivstation aufgewacht bin, wusste ich ungefähr was passiert war«, sagte die Frau aus Spenge. Sie erlitt schwere Verletzungen, musste bisher zweimal operiert werden und leidet noch heute unter den Folgen des Unfalls. Selbst wieder ans Steuer gesetzt habe sie sich bisher noch nicht.

Ein Motorradfahrer, ein 51-Jähriger aus Enger, erlitt Prellungen. Er war hinter der Frau unterwegs. »Es gab keine Chance, zu erkennen, dass ein Fahrzeug eine Kolonne überholte«, schilderte er. Die Sichtverhältnisse seien schwierig, eine »Allee von Bäumen« erstreckte sich am Straßenrand. »Gleich knallt’s«, das dachte ein Zeuge, der von dem Angeklagten überholt wurde. Der Mann aus Spenge sagte außerdem: »Die Kurve war sehr unübersichtlich. Umso überraschter war ich, als ich überholt wurde.«

Das Gericht verurteilte den 20-Jährigen zu einer Geldstrafe in Höhe von 1050 Euro. Es sah davon ab, das Jugendstrafrecht anzuwenden. »Sie haben eine krasse Fehlentscheidung getroffen, die auch einem Älteren hätte passieren können. Sie haben Glück gehabt, dass niemand gestorben ist«, sagte Sykulla. Zudem wurde der Führerschein des Mannes, der ihm bereits nach dem Unfall abgenommen worden war, für ein weiteres Jahr entzogen. Die Richterin: »Was ihnen wirklich weh tut, ist, dass der Führerschein weg ist. Und das soll Ihnen auch weiterhin weh tun.«
Gegen das Urteil kann binnen einer Woche Revision eingelegt werden.

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