Schullandschaft soll tragfähig gestaltet werden – Annegret Beckmann (SPD) fordert klare Zielsetzung »Das ist ein Eiertanz von Jahr zu Jahr«

Spenge (WB). Es besteht dringender Gesprächsbedarf: Die Anmeldezahlen an den weiterführenden Schulen in Spenge sind zu niedrig. Deshalb hat Bürgermeister Bernd Dumcke Anfang der Woche rechtliche Beratung bei der Bezirksregierung in Detmold eingeholt. Fazit: Die Politik in Spenge muss jetzt eine klare Fahrtrichtung für die Real- und die Gesamtschule vorgeben.

Von Mareikje Addicks
Die Anmeldezahlen an der Realschule sowie der Gesamtschule entsprechen nicht den gesetzlichen Vorgaben für die Mindestgröße Für die Zukunft muss sich die Stadt Spenge entscheiden, wie sie ihre Schullandschaft gestalten will.
Die Anmeldezahlen an der Realschule sowie der Gesamtschule entsprechen nicht den gesetzlichen Vorgaben für die Mindestgröße Für die Zukunft muss sich die Stadt Spenge entscheiden, wie sie ihre Schullandschaft gestalten will. Foto: Mareikje Addicks

Aus dem Gespräch in Detmold brachte Bürgermeister Bernd Dumcke nur mäßig gute Nachrichten mit in die Sitzung des Schulausschusses: »Es gibt sehr wohl eine Möglichkeit für die Realschule, einzügig zu starten. Allerdings geht das nur einmal. Ein zweites Mal definitiv nicht«, betonte er. Allen Beteiligten sollte klar sein, dass Spenge nicht an zwei weiterführende Schulen wird festhalten können, sagte das Verwaltungs- oberhaupt mit ernster Mine.

Für die Zukunft nannte Dumcke drei Optionen: »Entweder, die Realschule läuft aus, die Gesamtschule läuft aus, oder wir schaffen eine Sekundarschule«, so Dumcke. Allerdings, so gab er zu bedenken, böten weder die Real- noch eine Sekundarschule eine Oberstufe, die – angesichts der Schülerzahl von 115 in der Sek II der Gesamtschule – in Spenge gefragt sei. Mechthild Krämer, schulfachliche Dezernentin aus Detmold, erklärte dazu: »In diesem Jahr würden die Eingangsklassen zustande kommen, denn die Eltern vertrauen darauf, dass ihre Kinder an den gewünschten Schulen angenommen werden.

Sollten im nächsten Jahr die Anmeldezahlen nicht die Vorgabe erfüllen, würde es nach der Gesetzeslage dann keine Eingangsklasse 5 an einer der beiden Schulen mehr geben. Den Eltern muss im kommenden Jahr klar sein, dass sie sich nicht sicher sein können, ob ihr Kind an der gewünschten Schule angenommen werden kann.« Sollten die Zahlen wieder nicht die gesetzliche Vorgabe erfüllen, käme an beiden Schulen keine fünfte Jahrgangsstufe zustande.

Kritik an Bezirksregierung

Anke Fuchs (UWG) kritisierte dieses Vorgehen der Bezirksregierung als verantwortungslos. »Der beste Schulentwicklngsplan kann nicht vorhersagen, wie es in einem Jahr aussieht. Diese Frist ist viel zu kurz.« Doch Mechthild Krämer stellte klar, dass es keinen Handlungsspielraum gebe: »Das ist keine Entscheidung der Bezirksregierung, sondern eine gesetzlich geregelte Vorgabe. Daran ändern wir nichts, das müssen wir so hinnehmen.«

»Wir können die Gesetze nicht ändern, aber deren Folgen beklagen«, griff CDU-Sprecher Lars Hartwig die Argumentation auf. Die Vorschriften seien für große Städte gemacht. »Mit dem, was da auf Landesebene gemacht wird, sind wir sehr unzufrieden. Für unsere Region ist das schlecht.«

Forderung nach klarer Kante

Auch Annegret Beckmann meldete sich zu Wort: »Die anstehende Entscheidung ist eine Herausforderung an die Politik. Der demografische Wandel hat nun auch die weiterführenden Schulen erreicht«, sagte die SPD-Sprecherin und unterstrich die große Bedeutung der Gesamtschule für Spenge. »Natürlich können wir die nächsten Zahlen abwarten, aber das ist doch nur ein Eiertanz von Jahr zu Jahr. Sinnvoll wäre es, im nächsten Jahr auf Anmeldungen an der Realschule zu verzichten und nur an der Gesamtschule Schüler anzunehmen«, sagte sie. Ebenso sprach sich Bürgermeister Dumcke für eine klare Linie aus: »Die Hoffnung, dass beide Schulen stabil weitergeführt werden können, wird sich nicht erfüllen. Wer das glaubt, handelt nicht weitsichtig. Ich scheue mich nicht davor, einen konkreten Vorschlag zu machen«, sagte er.

Klarheit wollten auch die beiden Leiter der Real- und der Gesamtschule: »Das Thema ist nicht neu und die Zahlen sind keine Überraschung«, sagte Hartmut Duffert, Leiter der Gesamtschule. »Es muss eine Entscheidung getroffen werden und die Stadt muss sich hinter die betreffende Schule stellen. Außerdem ist ein enger Kontakt zu den Grundschulen nötig. Dann haben Sie für Spenge eine weiterführende Schule. Sonst nicht«, so Duffert.

Doch zunächst stehe die Entscheidung über die Zügigkeit der Schulen an, erinnerte Annegret Beckmann. So stimmten die Ausschussmitglieder nach langer Diskussion einstimmig dafür, die Realschule zunächst einzügig, und die Gesamtschule nach Möglichkeit wieder vierzügig aufzustellen. Die Entscheidung über die Zukunft der Schulen soll in einer Sondersitzung diskutiert werden, die noch vor den Sommerferien anberaumt werden soll.

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