Besuch auf der Baustelle im Herrenhaus an der Werburg  Museum wird keine Kinderei 

Spenge (WB). Die Arbeiten an der Spenger Werburg zur Umgestaltung des Herrenhauses für etwa eine Million Euro sind fast abgeschlossen. Das WESTFALEN-BLATT hat sich im künftigen Museum des Barock und der Renaissance für Familien, Kinder und Jugendliche umgesehen.

Von Daniela Dembert
Dr. Werner Best zeigt die einzelnen Schichten einer Innenwand. Schön zu erkennen sind das Balkenwerk und die Mauerfüllung, auf die eine Strohmatte genagelt worden ist, um einen guten Haftgrund für den Lehmputz zu erhalten.
Dr. Werner Best zeigt die einzelnen Schichten einer Innenwand. Schön zu erkennen sind das Balkenwerk und die Mauerfüllung, auf die eine Strohmatte genagelt worden ist, um einen guten Haftgrund für den Lehmputz zu erhalten.

 Styroporplatten knirschen unter den Füßen, die Vorbereitungen für die Fußbodenheizung laufen. »In diesem Raum werden die Besucher archäologische Arbeit kennen lernen können. Da hinten kommt eine kleine Ausgrabungsstätte hin und hier vorne können die Funde bestimmt und datiert werden«, erklärt Dr. Werner Best und deutet auf einen Raum des Werburg Herrenhauses, in dem sich zurzeit noch Steinplatten für den Bodenbelag stapeln.

 »Wir weichen damit etwas vom ursprünglichen Konzept ab, weil wir unser Museum auch für Jugendliche und Erwachsene interessant gestalten möchten«, räumt Bürgermeister Bernd Dumcke bei der Begehung des Herrenhauses ein. Die Konzeption sah ein Mitmach-Museum für Kinder vor. Um eine breitere Zielgruppe anzusprechen und den Museumsbesuch auch für die weiterführenden Schulen der Region interessant zu machen, haben sich Stadtverwaltung, Werburgverein und das mit der Feinkonzeption beauftragte Büro für Museumsmanagement darauf verständigt, das Konzept zu erweitern.

 Im Untergeschoss des Hauses soll nun nicht nur eine Buddelanlage für Kinder entstehen. Die Arbeit der Archäologen und damit auch konkret das Vorgehen auf dem Gelände der Werburg soll erläutert werden. Die Besucher sollen erfahren, wie an einer Ausgrabungsstätte praktisch vorgegangen wird. »Das Selbergraben spricht vor allem junge Kinder an. Ältere Schüler sollen Einblicke gewinnen in die Vermessungsarbeiten, in Recherche, Bestimmung und Datierung von Funden«, sagt der Vorsitzende des Werburgvereins, Dr. Best. So wird die Frage »Woher weiß man das?« schon im Vorfeld behandelt.

 Das Werburgmuseum wird in seiner Einzigartigkeit gerade durch diese unmittelbare Verknüpfung von Ausstellungsstücken zum Originalfundort definiert. Der Besucher ist mittendrin. Ein realer Schauplatz lässt archäologisches Vorgehen verstehen und schafft ein Verständnis für die historische Einordnung der Exponate.

 Bei den Sanierungsarbeiten sind zahlreiche Funde gesichert worden, die Aufschluss über die Funktion der Räume geben. »So ein Gebäude unterliegt in seiner Nutzung auch einem Wandel, den man anhand einiger Besonderheiten schön dokumentieren kann«, findet Dr. Best. So sind es Tapetenfetzen, die Hinweise auf die finanzielle Situation der Bewohner geben. Auch gibt es im Obergeschoss eine Holzwand mit einer verhältnismäßig niedrigen Tür, die als Raumteiler eingezogen worden ist. »Diese Wand macht leider die Wirkung des Raumes kaputt, ist aber ein Zeichen für den Wandel der Nutzung. Entstanden ist eine zusätzliche Kammer, vermutlich ein Kinderzimmer« erklärt der Archäologe.

 Eine Fläche, die in baulicher Hinsicht aufschlussreich ist, liegt im Erdgeschoss. Unter dem Treppenaufgang war ein Stück des originalen Sandsteinbodens zu finden, der vorsichtig entfernt, eingelagert und jetzt wieder an seinem ursprünglichen Platz eingesetzt worden ist. »Gar nicht mal so leicht, denn die Platten sind alle unterschiedlich dick«, gibt Best zu bedenken. Auch das Mauerwerk ist an dieser wenig frequentierten Stelle gut erhalten und lässt einen Blick auf Balkenkonstruktion, Mauerung und Putz zu. Hier sollen die Originalputzreste, die derzeit noch von einer Gaze gehalten werden, mit einer Fixiermasse unterspritzt werden.

 Alle am Haus vorgenommenen Arbeiten geschehen mit der Genehmigung des Amtes für Denkmalschutz. »Den Empfehlungen folgen wir gern, denn wir haben ein Interesse daran, unser historisch für ganz Ostwestfalen-Lippe relevantes Objekt ins rechte Licht zu rücken und die Funde korrekt zu präsentieren«, erklärt Bernd Dumcke.

 Nachdem die umfangreichen Sanierungsarbeiten weitestgehend abgeschlossen sind, geht es bald an die Gestaltung der Innenräume. Anhand der Funde im und um das Haus werden Themenbereiche wie Freizeitgestaltung, Hygiene oder Jahreszeiten, sowie kulturhistorische Phänomene und Gebräuche erklärt. Wechselnde Begleitprogramme zur bestehenden Ausstellung werden ausgearbeitet. Eine halbe museumspädagogische Stelle soll ausgeschrieben werden und die Stadtverwaltung hat einen Antrag auf eine Bundesfreiwilligendienst-Stelle eingereicht, um den Museumsbetrieb unterhalten zu können. »Aber ohne die ehrenamtliche Arbeit des Vereins geht es nicht«, meint Dumcke. Und er ist guter Dinge, dass sich bald noch mehr Ehrenamtliche für das Engagement im Museum begeistern werden.

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