Naturschützer kritisieren Rodungspläne für ein Fachmarktzentrum in Bruchmühlen Schulwald statt Supermarkt

Rödinghausen  (WB/hr). Im Rödinghauser Ortsteil Bruchmühlen soll ein Fachmarktzentrum entstehen. Vorgesehen ist, an der Bruchstraße in Höhe des »Schulwaldes« einen Lidl in Kombination mit einem Textilmarkt sowie einer Drogerie anzusiedeln. Die Naturschutzverbände Nabu und BUND sehen die Planung kritisch und lehnen die Fällung von Teilen des »Schulwaldes« ab.

Der Kreis Herford gehört zu den waldärmsten Regionen Deutschlands. Dass eine der raren Flächen in Bruchmühlen für einen Supermarkt und einen Textilmarkt weichen soll, erzürnt Naturschützer.
Der Kreis Herford gehört zu den waldärmsten Regionen Deutschlands. Dass eine der raren Flächen in Bruchmühlen für einen Supermarkt und einen Textilmarkt weichen soll, erzürnt Naturschützer.

»Es handelt sich um eine der wenigen innerörtlichen Grünflächen in Bruchmühlen. Mehr als die Hälfte davon, nämlich zwei Hektar, soll dem Fachmarktzentrum zum Opfer fallen«, sagt Nabu-Kreisvorsitzender Friedhelm Diebrok. Aus ökologischer Sicht sei die Vernichtung von Wald für eine flächige Bebauung für den Einzelhandel nicht zu tolerieren.

»Seit Jahren Verdichtung der Bebauung«

Im Ortsteil Bruchmühlen finde seit Jahren eine Verdichtung der Bebauung statt. »Die Verkehrsbelastung steigt und das Bild eines durch Grün geprägten Ortes verschwindet«, ergänzt BUND-Kreissprecher Bernd Meier-Lammering. Grün- und Waldflächen seien im Siedlungsraum jedoch von besondere Bedeutung. Sie hätten wichtige klimatische Funktionen, dienten der Tierwelt als Rückzugsmöglichkeit und trügen zur Wohnqualität eines Ortes bei.

»Versiegelte Flächen ohne Grün«

Durch ein stark gestiegenes Verkehrsaufkommen, große versiegelte Flächen ohne Grün wie Parkplätze, Zufahrten und Gebäude veränderten sich die klimatischen Verhältnisse eines Raumes. Es entstehe eine zusätzliche Erhitzung im Sommer und große Mengen Regenwasser würden in Gräben und Verrohrungen abgeleitet. Eine natürliche Versickerung im Boden finde nicht mehr statt.

»Insekten und Singvögel nutzen neben vielen Hausgärten gerade innerörtliche Grünflächen als Rückzugs- und Brutraum. Laubgehölze wie insbesondere die Stieleiche besitzen die höchste Zahl von Tierarten, die an eine Baumart gebunden sind«, sagt Diebrok. Und: »Zu einem Zeitpunkt, an dem das Insektensterben und die ökologischen Folgen uns nachdenklich machen, ist es wichtig, kleine Lebensräume wie den ›Schulwald‹ zu erhalten.«

»Projekt erst in einem frühen Stadium der Gespräche«

Bei diesem Projekt befinde man sich erst in einem ganz frühen Stadium der Gespräche, sagt dazu Rödinghausens Bürgermeister Ernst-Wilhelm Vortmeyer. Unter anderem müssten die Grundstücke erworben werden. Bei dem Wald handele es sich um Privatbesitz. Man wolle ihn für die Öffentlichkeit erlebbar machen. »Wenn das Vorhaben konkrete Züge annimmt, ist natürlich eine Bürgerbeteiligung vorgesehen«, betont Vortmeyer.

Auch wenn ein Teil des Waldes erhalten werden könne, sei die Planung aus Naturschutzsicht nicht sinnvoll, meint Bernd Meier-Lammering. Der ökologische Wert eines Waldbestandes werde mit abnehmender Größe der Fläche ebenfalls verringert. Eine Nutzung des Waldes als Spielfläche oder Grünanlage verringere zusätzlich diesen Wert. »Mit dem Erhalt von etwa einem Drittel der Gesamtwaldfläche wird versucht, der umweltfeindlichen Planung ein ›grünes Mäntelchen‹ umzuhängen«, kritisiert Meier-Lammering.

»Mit interner Planung werden Fakten geschaffen«

Nabu und BUND appellieren deshalb an die Bürger, sich nachdrücklich gegen das Vorhaben zu wehren. »Es gibt bislang keine Information der Bürger durch die Gemeinde und den Bürgermeister im Vorfeld der Ansiedlungspläne«, beklagt Diebrok. Stattdessen würden mit abgeschlossenen Kaufverträgen und internen Planungen Fakten geschaffen. In einem transparenten Planungsprozess müssten Gemeinde und Politiker den Bewohnern jedoch Rede und Antwort stehen. In Rödinghausen gebe es eine Baumschutzsatzung, nach der jeder Baumeigentümer für die Fällung von Bäumen bestimmter Größe einen Antrag stellen muss. Für die Interessen des Discounters Lidl würde dagegen ein ganzer Bestand vernichtet.

Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.