Rödinghausens Gemeindearchivar Dr. Rolf Botzet geht Ende Februar in den Ruhestand Damit Vergangenes nicht in Vergessenheit gerät

Rödinghausen (WB). »Nur wer die Vergangenheit kennt, hat eine Zukunft.« Dieses Zitat von Wilhelm von Humboldt (1767-1835) kann durchaus auf das Wirken von Dr. Rolf Botzet (63) angewandt werden. Immerhin hat der Historiker die Geschichte des Ortes Rödinghausen niedergeschrieben und sie so für künftige Generationen bewahrt. Nun geht er in den Ruhestand.

Von Hilko Raske
Dr. Rolf Botzet mit der neuesten Ausgabe des »Historischen Jahrbuchs für den Kreis Herford«. Hier ist sein Aufsatz »Johann Heinrich Schlattmann – Totengräber von Rödinghausen« enthalten. Der Gemeindearchivar geht Ende Februar in den Ruhestand.
Dr. Rolf Botzet mit der neuesten Ausgabe des »Historischen Jahrbuchs für den Kreis Herford«. Hier ist sein Aufsatz »Johann Heinrich Schlattmann – Totengräber von Rödinghausen« enthalten. Der Gemeindearchivar geht Ende Februar in den Ruhestand. Foto: Hilko Raske

Mehr oder weniger ein Zufall war es, der den Historiker nach Rödinghausen verschlug. Botzet, der gebürtig vom Niederrhein stammt, studierte Geschichte an der Universität Innsbruck. Näch­ste Station nach Abschluss des Studiums war die Uni Bielefeld. Doch statt der angestrebten akademische Laufbahn führte der Weg zum Arbeitsamt – und das vermittelte ihn in eine sogenannte Arbeitsbeschaffungsmaßnahme (ABM).

So kam es, dass er sich im November 1986 in Rödinghausen wiederfand. Auf ein Jahr befristet war die Stelle. Seine Vorgabe: als Historiker über das 100-jährige Jubiläum der Eigenständigkeit der Gemeinde zu schreiben. Daraus wurde ein Buch: »Ereygnisse, Merckwürdigkeiten und Begehbenheyten aus Rödinghausen«, das 1988 im Selbstverlag der Gemeinde Rödinghausen erschien. »Es ist eines der ganz wenigen Bücher über lokale Geschichte, das eine zweite Auflage erlebt hat. Und es steht heute praktisch in jedem Rödinghauser Haushalt«, sagt Botzet nicht ohne Stolz.

Aus zwölf Monaten wurden 31 Jahre

Aus den zwölf Monaten in Rödinghausen sollten mehr als 31 Jahre werden. »Die größeren Kommunen im Kreis Herford haben alle Einrichtungen, die sich mit Geschichte beschäftigen – das Widukindmuseum in Enger, die Werburg in Spenge oder die Museumsinsel in Bünde, um einige zu nennen.« Dafür werde in diesen Kommunen richtig viel Geld ausgegeben. »Nur Rödinghausen hat stattdessen das Geld lieber in eine Arbeitskraft investiert – nämlich in meine.«

In den ersten sechs Jahren sei er aber nicht nur in Rödinghausen, sondern auch in Kirchlengern für Geschichte und Kultur zuständig gewesen. Danach sei er ausschließlich in der Wiehengemeinde tätig gewesen. Anfangs hätten ihm die Rödinghauser noch eine gewisse Skepsis entgegengebracht. »Hier ist doch nichts passiert, über das man schreiben könnte, bekam ich zu hören.« Botzet sollte aber alle Zweifler widerlegen. »Ich war ja zuständig für alle historischen Themen – diese Chance war einfach gigantisch für mich.«

60 Abhandlungen und Bücher verfasst

Anlässlich der Renovierung der Bartholomäuskirche verfasste er so zu Beginn der 1990er Jahre einen Kirchenführer dazu, anschließend einen weiteren über die Klus in Bieren. »Und das, obwohl ich bekennender Atheist bin.« Es folgten Schriften über die Feuerwehr in Rödinghausen, die Anfänge des Apothekenwesens, Aufsätze zum Fachwerkschmuck und Auswandererfamilien. Etwa 60 Abhandlungen und Bücher sind es, die Botzet über Rödinghausens Geschichte veröffentlichte. »Historiker gelten als fleißige Menschen – ich hoffe, dass ich da keine Ausnahme gewesen bin«, sagt er rückblickend.

Die Gemeinde Rödinghausen habe sich zu seinem beruflichen Lebensmittelpunkt entwickelt. »31,5 Jahre habe ich hier verbracht – die Hälfte meines Lebens. Und dafür bin ich sehr dankbar«, fasst Botzet zusammen.

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