41-Jähriger erhält zweijährige Bewährungsstrafe – Brandstiftung nicht nachweisbar Hauptangeklagter wegen Betrugs verurteilt

Rödinghausen/Bielefeld (WB). Der Mammutprozess gegen ursprünglich sechs Mitglieder eines Rödinghauser Familienclans ist zu Ende: Der letzte verbliebene Angeklagte ist am Mittwochnachmittag von der 9. Strafkammer des Bielefelder Landgerichts zu einer Bewährungsstrafe von zwei Jahren verurteilt worden.

Von Daniel Salmon
 Zu einer Bewährungsstrafe von zwei Jahren ist das Mitglied eines Rödinghauser Familienclans verurteilt worden.
Zu einer Bewährungsstrafe von zwei Jahren ist das Mitglied eines Rödinghauser Familienclans verurteilt worden. Foto: Kathrin Brinkmann

Damit ging das Gericht über das von den Vertretern der Staatsanwaltschaft geforderte Strafmaß hinaus. Die Ankläger hatten auf eine 18-monatige Bewährungsstrafe plädiert.  Die Verteidiger des 41-Jährigen wollten einen Freispruch für ihren Mandanten erreichen. Der Prozess gegen den Rödinghauser und die weiteren Mitglieder des Familienclans hatte sich über mehrere Monate und zahlreiche Verhandlungstage erstreckt.

Verurteilt nicht wegen des vermeintlichen Hauptanklagepunktes

Wie berichtet war das Verfahren gegen die Mitangeklagten des Mannes bereits im Vorfeld eingestellt worden – zum Teil gegen die Zahlung hoher Geldauflagen. Eine Einstellung hätte auch der nun Verurteilte herbeiführen können. Er konnte die von der Kammer geforderte Summe in Höhe von 30.000 Euro jedoch nicht fristgerecht aufbringen.

Verurteilt wurde der 41-Jährige laut Gerichtssprecher Guiskard Eisenberg letztendlich nicht wegen des vermeintlichen Hauptanklagepunktes: Ihm und den ursprünglich fünf weiteren Angeklagten war von der Bielefelder Staatsanwaltschaft vorgeworfen worden, Ende 2011 das Rödinghauser Haus der Familie in die Luft gesprengt zu haben, um die Versicherungssumme zu kassieren.

Tat konnte dem Mann nicht zweifelsfrei zugeordnet werden

Zwar ging das Gericht davon aus, dass das Gebäude an der Parkstraße tatsächlich durch Brandstiftung ein Raub der Flammen geworden war, allerdings konnte die Tat dem Mann nicht zweifelsfrei zugeordnet werden. Daher wurde er in dieser Sache von der Kammer freigesprochen. Die zweijährige Bewährungsstrafe kassierte er wegen anderer Delikte. Und zwar wegen zwei Betrugsfällen, die sich 2008 zugetragen haben sollen, sowie wegen »versuchten Betruges in vier zusammenhängenden Fällen« im Bezug auf die Gebäude- und die drei Hausratsversicherungen im Fall des abgebrannten Hauses. Laut Landgerichtssprecher Eisenberg wurde die Bewährungszeit für den Rödinghauser auf fünf Jahre festgesetzt. Als Auflage muss er zusätzlich während dieses Zeitraums einen Betrag von 30 Euro pro Monat an die Staatskasse zahlen – insgesamt also 1800 Euro.

Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. Der Rödinghauser und seine Anwälte haben eine Woche Zeit, Revision einzulegen.

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