Nach Hausexplosion: Urteil gegen Rödinghauser soll am Mittwoch verkündet werden 18 Monate Haft gefordert

Rödinghausen (WB). Im Prozess gegen den Familienclan aus Rödinghausen, der 2011 sein Haus in die Luft gesprengt haben soll, um die Versicherungssumme zu kassieren, soll am Mittwoch vor dem Landgericht Bielefeld das Urteil gegen den einzigen noch verbleibenden Angeklagten verkündet werden.

Von Kathrin Brinkmann
Der Angeklagte ließ Details zu seinem Lebenslauf von seinem Verteidiger Andreas Steffen verlesen.
Der Angeklagte ließ Details zu seinem Lebenslauf von seinem Verteidiger Andreas Steffen verlesen. Foto: Kathrin Brinkmann

Wie berichtet, hatte das Gericht das Verfahren gegen die übrigen Angeklagten gegen die Zahlung von Geldauflagen eingestellt . Ein Jahr und sechs Monate Haft fordert die Staatsanwaltschaft für den 41-jährigen Hauptangeklagten, der die 30.000 Euro für eine Verfahrenseinstellung nicht aufbringen konnte. Die Verteidigung hingegen plädierte auf Freispruch.

Der Angeklagte ließ zu Beginn des Verhandlungstages durch seinen Verteidiger Andreas Steffen Angaben zu seinem Lebenslauf verlesen. Er sei 1974 als drittes von vier Geschwistern im früheren Jugoslawien geboren und innerhalb einer intakten Dorfgemeinschaft groß geworden.

Die Schule habe er mit einem qualifizierten Abgangszeugnis verlassen und sei dann zum Bruder nach Deutschland gezogen, wo er unter anderem Schweineställe sauber gemacht habe.

Depressive Schübe in der Vergangenheit

Eine Berufsausbildung habe er nicht gemacht, sondern stattdessen zeitweise in der Gastronomie gearbeitet. Das sei aber nicht seine Sache gewesen. Damals hätten seine depressiven Schübe begonnen. »Oftmals habe ich den Sinn des Lebens für mich nicht mehr gesehen«, ließ der 41-Jährige über seinen Anwalt verlauten.

Als er sich in eine Frau verguckt habe, deren Familie ihn nicht akzeptiert habe, sei es richtig schlimm geworden. Er habe mit Drogen und Alkohol zu tun bekommen und Körperverletzungen begangen. Wegen Betäubungsmittel-Delikten wurde der Angeklagte damals zu einer Freiheitsstrafe in Höhe von zwei Jahren und zehn Monaten verurteilt.

Familie sei für ihn das Wichtigste

Erst nach der Haftentlassung habe er erfahren, was Familie ist. Er habe seine Frau kennen gelernt, die er 2012 heiratete und mit der er drei gemeinsame Kinder hat. Für ihn sei die Familie das wichtigste.

»Wenn ich auch nicht die 30.000 Euro für die Verfahrenseinstellung für mich zusammenbekommen habe, so ist es mir umso wichtiger, dass die anderen es geschafft haben, das Geld zusammenzubekommen«, ließ der Rödinghauser verlauten, der seit 2008 wegen erheblicher psychischer Erkrankungen in Frührente ist und nach eigenen Angaben 370 Euro Rente im Monat bezieht.

Dreieinhalb Jahre in der Psychiatrie

Dreieinhalb Jahre lang sei er in der Psychiatrie behandelt worden. »Ich bin ein einfacher Mensch. Ohne meinen Bruder wäre ich wahrscheinlich tot oder im geschlossenen Vollzug.«

Verteidiger Andreas Steffen beantragte, die Schuldfähigkeit seines Mandanten durch einen Sachverständigen begutachten zu lassen. Durch die psychische Grunderkrankung (der Angeklagte soll unter Depressionen und Schizophrenie leiden) sei davon auszugehen, dass die Krankheit alle Lebensbereiche beeinflusse und nicht auszuschließen sei, dass der Angeklagte durch die Bindung zu seiner Familie nicht in der Lage sei, deren Handeln in Frage zu stellen.

Anträge zurückgewiesen

Zudem beantragte der Verteidiger, zu prüfen, ob bei Hausrat oder Inventar eine Unter- beziehungsweise Überversicherung bestanden habe.

Zudem beantragte er, weitere Zeugen zu laden, die bestätigen sollten, dass vor der Hausexplosion keine Gegenstände aus dem Gebäude geschafft worden seien.

Der Vorsitzende Richter Jan Schulz wies diese Anträge nach umfassender Beratung zurück und beendete die Beweisaufnahme. Das Urteil soll am Mittwoch verkündet werden.

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