Countdown bis zur Fertigstellung der Nordumgehung A30 – Folge 2 Sicherheit hat im Tunnel Vorfahrt

Bad Oeynhausen/Löhne  (WB). Bricht im Hahnenkamptunnel der A30 Feuer aus, laufen viele Sicherheitsmaßnahmen an: Das Licht wird heller, die Feuerwehr wird informiert und den Autofahrern werden über das Radio Anweisungen gegeben.

Von Angelina Zander
Rolf Mohme (links), Mitarbeiter der Projektgruppe Tunnel des Landesbetriebs Straßen NRW, verantwortet die Verkehrssicherheit des Hahnenkamptunnels. Gemeinsam mit Sven Johanning, Pressesprecher, hat er Einblick in das Bauwerk gewährt.
Rolf Mohme (links), Mitarbeiter der Projektgruppe Tunnel des Landesbetriebs Straßen NRW, verantwortet die Verkehrssicherheit des Hahnenkamptunnels. Gemeinsam mit Sven Johanning, Pressesprecher, hat er Einblick in das Bauwerk gewährt. Foto: Angelina Zander

Überblick über die Sicherheitsvorkehrungen hat Rolf Mohme. Er ist Mitarbeiter der Projektgruppe Tunnel des Landesbetriebs Straßen NRW. Er verantwortet die betriebstechnische Ausstattung und die Bauüberwachung. »Wir haben im Tunnel ein automatisches Brandmeldekabel installiert. Es reagiert auf Wärme«, erklärt er. Bevor ein Tunnel in Betrieb genommen werden könne, sei ein Brandversuch der Feuerwehr verpflichtend.

»Dabei werden vier Brandwannen mit je fünf Litern Benzin aufgestellt und angezündet. Das soll einen Fahrzeugbrand simulieren.« Innerhalb von 60 Sekunden müsse das Brandmeldekabel die Wärme erkennen und Alarm schlagen. »Die Übung war am 2. November. Das Kabel hat nach 34 Sekunden reagiert«, erklärt er. Durch das weiße Brandmeldekabel an der Decke wird eine Kettenreaktion von Sicherheitsmaßnahmen ausgelöst: Um bei dichtem Rauch die Notfalltüren zu finden, wird die Tunnelbeleuchtung automatisch heller.

Etliche Sicherheitsmaßnahmen für den Ernstfall

Bis auf einen weißen Anstrich der Seitenwände, der den Tunnel heller machen soll, ist der Bau bereits abgeschlossen. Foto: Angelina Zander

Zudem werden Schranken vor den Tunnel und seine Zufahrten gefahren. Optische Lichtelemente am Boden, die sonst nur in Fahrtrichtung strahlen, leuchten in beide Richtungen, um den Fluchtweg zu erhellen. Gleichzeitig löst das Kabel einen Notruf bei der Feuerwehr aus. Für Einsätze ist eine Feuerlöschleitung verlegt worden. Dort seien 2400 Liter Feuerlöschwasser als Reserve vorhanden.

Für Brände und Unfälle wurde eine Radiofrequenz eingerichtet. Steht der Autofahrer dann im Tunnel, sucht das Radio automatisch nach dem gespeicherten Sender. Auf diesen kann die Tunnelleitzentrale Hamm zugreifen, um Sprachnachrichten wie »Stockender Verkehr« oder »Brand« an Autofahrer weiterzugeben. Zudem sind Lautsprecher an der Decke angebracht, über die Signale direkt in den Tunnel geleitet werden können. Mit Lautsprechern außerhalb werden auch Autofahrer auf den Zufahrten informiert.

Tunnelleitzentrale hat ihren Sitz in Hamm

Die Ampeln am Eingang weisen auf einen Unfall hin. Foto: Angelina Zander

Die Verkehrssicherheit gewährleistet der Landesbetrieb auch durch eine adaptive Beleuchtung in den Einfahrten. »Wenn man in einen dunklen Tunnel fährt, wäre es wie eine Black Box«, sagt Mohme. Die Drei-Stufen-Regelung ermögliche den Augen die langsame Gewöhnung an die Dunkelheit.

Da der Tunnel an sich fertig ist, laufen nun ergänzende Maßnahmen. Dazu zählt eine drei Meter hohe weiße Beschichtung an den Seitenwänden, die den Tunnel heller machen soll. Drei Notrufnischen und eine Fluchttür sind wichtige Bestandteile des Sicherheitskonzeptes. Werden sie geöffnet, wird die jeweilige Kamera aktiviert und das Bild an die Tunnelleitzentrale in Hamm geleitet. Der Mechanismus ist bereits aktiv. Die Anlage und ihre Zufahrten werden mit 26 Videokameras bewacht. Sieben von ihnen sind Schwenkneiger, um 359 Grad drehbar.

Aus Sicht der Feuerwehr

»Wir sehen der Freigabe der Nordumgehung gelassen und gut vorbereitet entgegen«, sagte Falk Ueckermann, Leiter der Feuer- und Rettungswache. Zwar müsse die Feuerwehr zusätzlich den etwa 9,6 Kilometer langen Autobahnabschnitt betreuen, dafür reduziere sich aber das Verkehrsaufkommen auf Mindener Straße und Kanalstraße. Ueckermann schätzt das Gefahrenpotenzial etwa gleichbleibend ein, auch weil entlang der neuen Autobahn angesichts ihrer Streckenführung mit Kurvenverläufen laut Straßen NRW eine Tempobegrenzung vorgesehen sei. Um Autobrände im Tunnel bekämpfen zu können, sei auch ein Großlüfter angeschafft worden, um gegen eine Verrauchung vorgehen zu können. Stationiert ist er an der Königstraße.

Countdown zur Freigabe

In einer Serie begleitet das WESTFALEN-BLATT die noch anstehenden Bauarbeiten bis zur offiziellen Freigabe, die nach Informationen dieser Zeitung Ende dieses Jahres erfolgen könnte. Bisher erschienen:

Folge 1 der Serie »Countdown zur Freigabe« widmete sich dieser Frage: Welche baulichen Arbeiten müssen noch umgesetzt werden, bevor eines Tages ein Minister das Band zur Freigabe der Nordumgehung durchschneiden kann?

Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.