Bertolt-Brecht-Gesamtschule ist Vorreiter bei Digitalisierung Die »Tafel« der Zukunft kann mehr

Löhne (WB). Die ersten Tafeln an der Bertolt-Brecht-Gesamtschule (BBG) sind bereits Geschichte, und auch Bücher werden zumindest die Schüler der Oberstufe künftig wohl weniger in gedruckter Form benötigen. Denn mit einem Pilotprojekt bereitet die Stadt Löhne zunächst die Gesamtschule auf eine digitale Zukunft vor. Die anderen Schulen sollen folgen.

Von Sonja Gruhn
Die Lehrer der Bertolt-Brecht-Gesamtschule Tilo Markworth (links) und Jan Hendrik Vietrich führen die neue digitale Tafel vor . Selbst Geodreieck und Zirkel lassen sich daran zum Arbeiten aufrufen, ebenso beispielsweise Filme.
Die Lehrer der Bertolt-Brecht-Gesamtschule Tilo Markworth (links) und Jan Hendrik Vietrich führen die neue digitale Tafel vor . Selbst Geodreieck und Zirkel lassen sich daran zum Arbeiten aufrufen, ebenso beispielsweise Filme.

»Man kann damit sogar Formeln schreiben«

In drei Räumen sind die neuen digitalen »Tafeln« beziehungsweise Multifunktionsdisplays bereits seit einem halben Jahr angebracht. Mit 86 Zoll sind sie so groß wie der Mittelteil einer herkömmlichen Tafel und verfügen über einen eigenen PC. Jan Hendrik Vietrich, Medienkoordinator und Lehrer für Deutsch und Biologie, sowie Tilo Markworth, Sprachenkoordinator und Lehrer für Deutsch und Geschichte, die das Projekt gemeinsam mit ihrem Kollegen Timo Bödeker (Gesellschaftslehre, Mathematik und Musik) begleiten, sind begeistert und haben die digitalen »Tafeln« kürzlich Kollegen anderer Löhner Schulen vorgestellt. »Man kann damit sogar Formeln schreiben. Und eine Texterkennung ist auch möglich«, sagen sie. Die einzige Hürde sei das Anmelden, der Rest erkläre sich von selbst.

Effizienteres Arbeiten

»Der Unterricht kann damit anders gestaltet werden. Ein effizienteres Arbeiten ist möglich, ebenso die Differenzierung«, sagt Markworth. Einziges (Luxus-)Problem: »Es führen ganz viele Wege zu dem, was man erreichen möchte, und es gibt viele Programme, die man nutzen kann.« Auch die Schüler seien durch die neuen Medien motivierter. Ihre Medienkompetenz werde dadurch verbessert. »Die Digitalisierung ist überall, auch im Privatleben. Es ist wichtig, dass die Schule aufgreift, wie effektiv, aber auch kritisch damit umgegangen wird«, sind sich die Lehrer einig.

Die digitalen »Tafeln«, die sich auch als Präsentationsfläche eignen, sind allerdings nur die Spitze des Eisberges. Denn zuvor musste die gesamte Schule eine entsprechende Verkabelung erhalten. Insgesamt 200.000 Euro wurden für diesen Schritt in die digitale Zukunft investiert – aus dem Förderprogramm »Gute Schule 2020«.

Digitale Infrastruktur

»Der Zeitpunkt war günstig«, sagt Udo Windmann, Amtsleiter IT-Service bei der Stadt Löhne. Denn bei der BBG habe eine Ersatzbeschaffung der drei stationären Computerräume angestanden. Bei den PCs liefen die Mietverträge aus. Auslöser sei dann die Fördermaßnahme »Gute Schule 2020« gewesen, durch die die BBG als Pilotschule mit dem großen Projekt »Digitales Lernen« auf die digitale Zukunft vorbereitet wurde. Dabei kam die Förderung nicht nur für eine Ersatzbeschaffung, sondern für eine komplette Erneuerung und Erweiterung der digitalen Infrastruktur der Schule zum Einsatz.

WLAN-Netz in Schulen

Beratung und Unterstützung, beispielsweise bei der Planung sowie der Beschaffung der Geräte, erhielt die Stadt vom Kommunalen Rechenzentrum Minden-Ravensberg/Lippe (krz), das auch das Gerätemanagement übernommen hat. Zunächst wurde die strukturierte IT-Verkabelung komplettiert und erweitert, so dass das gesamte Schulgebäude nun nach aktuellem Technikstand verkabelt ist. Neue Netzwerktechnik gab es für die EDV-Verteilung. Die Übertragungsgeschwindigkeit liegt jetzt bei zehn Gigabit. Unabhängig davon sei die Bandbreite des Internetzugangs deutlich erhöht worden und biete bei Bedarf noch höhere Kapazitäten.

Auch ein schulabdeckendes WLAN-Netz wurde mit 52 Access-Points aufgebaut. Um diese an die richtigen Stellen setzen zu können, hatte das krz das Gebäude zunächst WLAN-technisch ausgeleuchtet.

»In einer Schule haben Sie die Situation, dass viele Schüler gleichzeitig mit ihren Geräten auf das Netz zugreifen wollen«, erläutert Lars Brindöpke, krz-Geschäftsbereichsleiter Schul-IT und Handelsware, die Notwendigkeit.

Zugriff von Zuhaus aus

Mit MNSpro sei eine neue pädagogische Schullösung gefunden worden, die einen Zugriff auf Lern- und Unterrichtsmaterialen sowie auf Lernstände zu jeder Zeit – auch von zuhause aus – und das Arbeiten in Gruppen durch eine Schul-Cloud, die alle Daten speichert, möglich macht, sagt Udo Windmann. Dabei helfe eine spezielle Version von »Office 365«, die auf Schulanforderungen abgestimmt ist. Ebenso sei dadurch später das Arbeiten im Selbstlernzentrum der BBG möglich, das mit einigen stationären PC-Arbeitsplätzen ausgestattet werde.

Die robusten und touchfähigen Multifunktionsdisplays wurden beginnend in drei Klassen der Oberstufe angebracht. Im Rahmen des Pilotprojektes werden demnächst 90 Apple-iPads den Elftklässlern zu Verfügung gestellt. »Ab dem nächsten Schuljahr ist geplant, auch in weiteren Klassen Schüler-iPads zu nutzen. Dafür bereiten wir Angebote für die Anmietung beziehungsweise Finanzierung an die Eltern vor«, sagt Udo Windmann. Etwa 15 Euro im Monat über eine Laufzeit von drei Jahren inklusive Versicherung würden dann fällig.

»Das wäre langfristig etwa so viel wie der Kauf von Schulbüchern. Ein Geschichtsbuch haben wir bereits online«, sagt Schulleiterin Daniela Gehring. Die Geräte könnten später einmalig abgekoppelt und dann privat weitergenutzt werden, fügt Lars Brindöpke hinzu. Vorher seien sie lediglich für die Schule zu gebrauchen. Für dieses Jahr ist vorgesehen, in acht weiteren Klassenräumen die Kreidetafel durch multifunktionale Displays zu ersetzen.

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