Matthias Kreft: künftiger Leiter der Wirtschaftsbetriebe Löhne gibt Rück- und Ausblick »Veränderungen gehören dazu«

Löhne (WB). Die Regale sind teilweise schon leer, die Sachen in Umzugskartons verpackt. Denn am 19. Februar wird Matthias Kreft sein Büro im Löhner Rathaus verlassen. Der Leiter der Immobilienwirtschaft wird zwar Leiter bleiben, allerdings wie berichtet ab dem 21. Februar bei den Wirtschaftsbetrieben Löhne (WBL). Eine Herausforderung, auf die er sich freut. Aber auch ein Grund, um zurückzublicken.

Von Sonja Gruhn
Vieles hat Matthias Kreft schon in die Umzugskartons gepackt, denn am 19. Februar verlässt er das Rathaus und bezieht sein Büro bei den Wirtschaftsbetrieben Löhne.
Vieles hat Matthias Kreft schon in die Umzugskartons gepackt, denn am 19. Februar verlässt er das Rathaus und bezieht sein Büro bei den Wirtschaftsbetrieben Löhne. Foto: Sonja Gruhn

Denn Matthias Kreft, der seit 1997 bei der Stadt Löhne arbeitet, hat die Immobilienwirtschaft maßgeblich mit ausgebaut und geprägt. »Die Immobilienwirtschaft gab es früher nicht in dieser Form. Es gab eine klassische Ämterstruktur, die Bewirtschaftung war dezentral organisiert«, sagt Kreft und nennt als Beispiel das Schulverwaltungsamt.

»Das war für das Budget verantwortlich für die Dinge, die das damalige Hochbauamt an den Schulen gemacht hat. Auch die Personalverantwortung, beispielsweise für die Hausmeister, lag in dessen Händen.« Das Hochbauamt habe die Aufträge der anderen Ämter entgegengenommen. »Mit dieser Konstellation musste aber in allen Ämtern und Fachbereichen wie Jugendamt oder auch bei der Feuerwehr das Know-how bereitgehalten werden.«

Neue Wege beschritten

Daraus sei die Überlegung entstanden, alles auf einen internen Dienstleister zu konzentrieren. »Der damalige Bürgermeister Werner Hamel hat den Vorteil erkannt und alles in die Wege geleitet«, sagt Kreft, der für den Bereich Hochbau (2003 bis 2005) zuständig war und der Organisationsgruppe für die Immobilienwirtschaft, die 2005 gegründet wurde, zugeteilt war.

»Durch die Immobilienwirtschaft erschloss sich Einsparpotenzial aufgrund der Vereinheitlichung von Prozessen und den Umgang mit Personalressourcen.« Seitdem hat sich viel getan. So wurde ein Frontoffice für die Kunden (Ämter/Schulleiter) eingerichtet. Der Mietwohnungsbereich kam hinzu, der zuvor bei den Liegenschaften untergebracht war.

»Wir haben festgestellt, dass wir im Jahr durchschnittlich etwa 800 Prüfungen an Einbauten wie automatisch betriebene Türen oder Feuerlöscher hatten. Hinzu kamen etwa 4000 Unterprüfungen aufgrund von Auflagen, Verordnungen oder Gesetzen, wobei auch Fristen eingehalten werden mussten, um die Sicherheit zu gewährleisten.« Um Fehlerquellen zu beseitigen, wurde eine Kontrollmöglichkeit mit Ampelsystem per Computer eingerichtet. »Natürlich gab es Skepsis, das war ein großer Veränderungsprozess. Aber es ist alles toll gelaufen«, sagt der Amtsleiter rückblickend.

Die größten Erfolge

Als größte Erfolge neben dem Aufbau der Immobilienwirtschaft wertet Matthias Kreft die Einführung eines Hausmeister- und Handwerkerkoordinators, um das Personal effizienter einsetzen zu können, sowie ein »Wohnwirtschaftliches Gesamtkonzept«, das er mit seinen Kollegen aufgestellt hat. Das seien prägende Monate für ihn gewesen. »In dem Konzept wurden alle Gebäude nach Kriterien wie Instandhaltungsstau, Leerstand, Analyse der Bewohner und Zielgruppe erfasst. Es ging um die Frage: ›Wie bekomme ich die wieder in Schuss?‹.«

Das Konzept sah vor, sich auf Siedlungsgebiete zu konzentrieren und sich vom »Streubesitz« zu trennen. »Dabei haben wir uns auf Häuser unter vier Wohneinheiten beschränkt. Mit den Verkaufserlösen konnten wir die Sanierung teilweise finanzieren. 2008 starteten wir an der Fröbel- und an der Jahnstraße. Das ist ein nachhaltiger Erfolg für die Quartiersentwicklung der Stadt.«

Die Gegend wurde aufgewertet, unterschiedliche Bewohner sind dort untergebracht, es gibt keinen Brennpunkt mehr. Aktuell ist die Goethestraße dran. Die Planungen stehen bereits, sagt Kreft. »Wir wollten dort 2017 starten, aber derzeit ist es schwer, Unternehmen zu realistischen Preisen zu finden.«

Mit seinem Wechsel zu den Wirtschaftsbetrieben soll auch die Führung angepasst werden. »Bislang führte die Immobilienwirtschaft den Betrieb in dieser WBL-Sparte, der Betriebsleiter zeichnete verantwortlich. Somit bleibt Kreft, indem er im Bereich Mietwohnungen Aufträge an die Immobilienwirtschaft vergibt, dort involviert. Denn bislang machten die Mietwohnungen 20 Prozent seiner Arbeit für die WBL aus. Der Rest waren kommunale nutzungsorientierte Gebäude.

»Besser agieren als reagieren«

»Ich habe viel Spaß am Gestalten, und ich habe keine Angst davor«, sagt Kreft und erzählt von seinem Vater, dem Tankwart und Straßenbahnfahrer, von seiner Mutter, die 39 Jahre lang Reinigungskraft war, von seinem Aufwachsen in einer bildungsfremden Umgebung in einem Brennpunkt, aber auch von einer sehr schönen Kindheit. »Ich habe selbst mit meinen Händen gearbeitet und weiß, woher ich komme. Vor mir liegt eine tolle, spannende Aufgabe.

Es gibt überall Optimierungspotenzial, das bringt auch der Wandel der Zeit mit sich. Wir müssen uns permanent Veränderungen anpassen und reagieren, besser noch agieren. Aber es ist wichtig, dass man Leute hat, die das mittragen. Dazu muss man sie abholen und mitnehmen. Sie müssen wissen, wo sie sich nachher befinden, um Ängste zu mindern.«

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