Jürgen Boelk und Jens Appelbaum geben in Löhne einen Einblick in ihr Hobby als Brauer Dem Konsumbier abgeschworen

Löhne (WB). Kühles Blondes, tiefdunkles Porter, schlank oder vollmundig, obergärig oder untergärig – schon durch kleine Veränderungen der Rezeptur verändert sich der Charakter eines Bieres. An immer neuen Variationen tüfteln Jürgen Boelk und Jens Appelbaum in ihrer Freizeit. In VHS-Kursen bringen sie ihr Hobby Bierbrauen Neulingen näher.

Von Lydia Böhne
Die Hobbybrauer Jürgen Boelk (links) und Jens Appelbaum experimentieren gern mit Rezepten und entdecken neue Biersorten. Neben der Farbe unterscheidet sich zum Beispiel ein Porter-Bier durch weitere Geschmacksnuancen von einem hellen Pils.
Die Hobbybrauer Jürgen Boelk (links) und Jens Appelbaum experimentieren gern mit Rezepten und entdecken neue Biersorten. Neben der Farbe unterscheidet sich zum Beispiel ein Porter-Bier durch weitere Geschmacksnuancen von einem hellen Pils. Foto: Lydia Böhne

Dass die Resonanz auf ihre Kurse so groß ist, damit hätten Jürgen Boelk (53) und Jens Appelbaum (43) nicht gerechnet. »Neun Leute waren beim ersten Kurs im Februar 2017 dabei, 50 Prozent davon brauen inzwischen selbst«, bemerkt Jens Appelbaum. Er selbst hat 2014 angefangen zu brauen und sich das Hobby durch Anleitungen aus dem Internet selbst beigebracht. 2015 stieß Jürgen Boelk dazu. »Als ich bei Jens war, um die Rugby-WM zu schauen, habe ich ein von ihm gebrautes ›Pale Ale‹ getrunken und habe eine Geschmacksexplosion erlebt«, sagt Jürgen Boelk. Mit einem indus­triell hergestellten Bier sei das nicht vergleichbar. »Das Bier der großen Brauereien muss ja auch immer gleich schmecken«, ergänzt Jens Appelbaum.

200 Liter darf man pro Jahr steuerfrei brauen

Die unterschiedliche Zusammensetzung der vier Zutaten Wasser, Hopfen, Malz und Hefe eröffnet den Hobbybrauern Sortenvielfalt. »Mit dem Malz kann man die Farbe und den Körper variieren, also ob ein Bier schlank oder vollmundig ist«, erläutert Jens Appelbaum. Hopfen steuert die Bitter- und Haltbarkeit. Die entsprechende Hefe kann zum Beispiel zum leichten Bananengeruch eines Weizenbiers führen oder für ein trockenes Pils sorgen. Das Brauwasser importieren die Freunde aus Damme, was an den Dümmer-See grenzt, denn das Wasser in Löhne ist zu hart. Die Theorie zur Herstellung, zu den Rohstoffen und zum Brauverfahren bringen die beiden Freunde ihren Kursteilnehmern in einem ersten Schritt bei, bevor es am zweiten Tag für den praktischen Teil an die Kochtöpfe geht.

Zehn Mal im Jahr brauen sie bei sich zuhause. 200 Liter dürfen sie pro Jahr laut der Gesetzgebung steuerfrei herstellen. Einzige Einschränkung: Das Bier darf nur für den Eigengebrauch verwendet und nicht verkauft werden. Auch über den rechtlichen Rahmen sollen die Kursteilnehmer informiert werden.

Beim Bierbrauen vom Alltag abschalten

Das Equipment haben sich beide mit der Zeit zusammengestellt und erweitert. »100 bis 150 Euro muss man für die Erstausstattung rechnen«, sagt Jens Appelbaum. Mittlerweile haben sich ihr Hobby und die Qualität ihrer Biere bei Freunden herumgesprochen. »Die Fangemeinde wächst«, ergänzt Jürgen Boelk. Dass sie ihr Hobby irgendwann zu einem Gewerbe ausbauen, schließen die Männer nicht aus. »Wenn sich die passende Lokalität findet – wieso nicht«, sagt Jens Appelbaum.

Für die Hobbybrauer, die beide im Außendienst tätig sind, bietet das Brauen eine Möglichkeit zum Abschalten. Von ihren Einsätzen bringen sie sich auch gerne ein Bier von anderen Privatbrauern mit, um es in gemütlicher Runde zu verköstigen und sich neue Anregungen zu holen. »Wenn wir ein Bier probieren, läuft das ähnlich wie bei einer Weinprobe ab«, erläutert Jens Appelbaum. »Man trinkt es außerdem nicht ungeachtet nebenher, die ganze Sensorik spielt eine Rolle«, fügt der Mennighüffer hinzu. Gerne würden die Freunde einen Stammtisch für Hobbybrauer ins Leben rufen, der Privatbrauer in netter Gesellschaft zusammenbringt. »So was gibt es hier noch nicht. Man könnte die Treffen zum Beispiel mit einem Showbrauen verbinden«, sagt Jürgen Boelk in diesem Zusammenhang.

Interessierte Gastronomen mit geeigneter Lokalität können sich gerne direkt bei Jens Appelbaum per E-Mail melden: jens.appelbaum@web.de.

Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.