Löhner bezeichnet Zeugin (81) als Diebin – Amtsgericht Bad Oeynhausen verhängt Geldstrafe in Höhe von 2000 Euro Senior bedroht Betreuerin seiner Mutter

Löhne (WB/wa). Waren es 240 Euro, die den Rentner ausrasten ließen? »Ich verstehe die Tat nicht«, sagte die Staatsanwältin in ihrem Plädoyer am Amtsgericht Bad Oeynhausen. Dort musste sich der 71-jährige Löhner nun wegen zweifacher versuchter Nötigung und einer Bedrohung verantworten. Der Richter verhängte ein vergleichsweise hartes Urteil.

Zu einer Geldstrafe in Höhe von 2000 Euro hat das Amtsgericht Bad Oeynhausen einen LÖhner (71) wegen zweifacher versuchter Nötigung und einer Bedruhung verurteilt.
Zu einer Geldstrafe in Höhe von 2000 Euro hat das Amtsgericht Bad Oeynhausen einen LÖhner (71) wegen zweifacher versuchter Nötigung und einer Bedruhung verurteilt. Foto: Claus Brand/Archiv

Zu einer Geldstrafe in Höhe von 2000 Euro verurteilte der Vorsitzende Richter den gelernten Automechaniker für die drei Tatvorwürfe. Für den Richter und die Staatsanwältin stand fest: Der Mann hatte nicht nur die Betreuerin seiner Mutter sowie deren Mann im Februar 2017 mehrfach genötigt, ihm die Schlüssel zur Wohnung seiner Mutter sowie Sparbücher auszuhändigen. Auch eine nahestehende Freundin seiner Mutter bedrohte der Mann. Man solle sie fertigmachen, dass sie niemand mehr erkennen könne – mit diesen Worten habe der Angeklagte sie angeschrien, erinnerte sich die 81-jährige Zeugin vor Gericht und sagte: »Ich hatte große Angst.« Zudem habe er sie als Diebin bezeichnet.

Die 94-jährige Mutter des Angeklagten war nach Erhebung der Kammer auch von der 33-jährigen gesetzlichen Betreuerin regelmäßig aufgesucht worden. »Sie hatte niemanden mehr, der sich um sie kümmern wollte«, sagte die Frau vor Gericht aus. Weil Vollzeitpflege notwendig wurde und Verwahrlosung drohte, habe die hochbetagte alte Dame in ein Pflegeheim ziehen müssen. Die Gespräche mit ihrem Sohn seien zu Beginn normal verlaufen, sagte die Betreuerin, doch dann hätte der Angeklagte sie und ihren Ehemann auf ihrem Anwesen mehrfach belästigt und gedroht, das Haus anzuzünden.

»Ich möchte eine Antwort, warum er mich so beschimpft hat«, sagte die Freundin der Mutter vor Gericht. Von ihr habe er einen Geldbetrag von 800 Euro und den Schlüssel zur Wohnung seiner Mutter verlangt. »Den hatte ich aber nicht«, erinnerte sich die Seniorin. »Ich habe mich um seine Mutter gekümmert und dort nie etwas weggenommen.«

Angeklagte verfolgte die Verhandlung teilnahmslos

Der Angeklagte verfolgte die Verhandlung teilnahmslos und äußerte sich nicht zu den Tatvorwürfen. Das änderte sich auch nicht, als Richter Cornelius ihn darauf aufmerksam machte, dass aufgrund des Tatvorwurfs der Bedrohung eine Freiheitsstrafe von bis zu einem Jahr ausgesprochen werden könnte. Schließlich habe der Angeklagte der Freundin seiner Mutter eine erhebliche Körperverletzung und damit ein Verbrechen prophezeit.

Das Bundeszentralregister wies den Mann aus Löhne als einschlägig vorbestraft aus – unter anderem »wegen unerlaubten Waffenbesitzes mit Bedrohung in Tateinheit«, wie der Vorsitzende Richter feststellte.

Der Angeklagte schwieg – mit einer Ausnahme. Auf das Verhältnis zu seiner Mutter angesprochen, sagte er, dass es immer gut gewesen sei.

Das sorgte bei der Staatsanwältin für Unverständnis: War der Umstand für den Angeklagten zu viel, dass seine Mutter in ein Pflegeheim eingewiesen wurde und nun für sie wichtigere Bezugspersonen als ihren Sohn hatte? Oder trieben Schulden von 240 Euro den Angeklagten zu seinem Verhalten? »Wir können es nicht sagen«, stellte die Staatsanwältin fest und betonte einmal mehr: »Ich verstehe diese Tat nicht.«

Ihrem Plädoyer folgte auch Richter Cornelius. »Sie sind mehrfach strafrechtlich in Erscheinung getreten«, begründete er gegenüber dem Beschuldigten die Höhe des Strafmaßes: 80 Tagessätze zu je 25 Euro muss der Mann nun von seiner Rente bezahlen. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

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