15 Meter langer Eichenstamm für den Horst im Naturschutzgebiet aufgestellt Storchennest steht auf der Blutwiese

Löhne (WB). Drei Jahre lang hat Marion Schröder für das Storchennest in Löhne gekämpft. Jetzt ist die Hartnäckigkeit der »Storchenfreundin« endlich belohnt worden: Seit Freitag steht das Nest im Naturschutzgebiet Blutwiese. Kurz vor dem Ziel wird das Aufstellen des 15 Meter langen Eichenstamms aber zur echten Nerven- und Geduldsprobe.

Von Tilo Sommer        
Im Naturschutzgebiet Blutwiese steht seit Freitag ein Storchennest. Zuvor ist es auf einen 15 Meter langen Eichenstamm geschraubt worden, der mit einem Bagger aufgestellt wird.
Im Naturschutzgebiet Blutwiese steht seit Freitag ein Storchennest. Zuvor ist es auf einen 15 Meter langen Eichenstamm geschraubt worden, der mit einem Bagger aufgestellt wird. Foto: Tilo Sommer

Es ist kurz vor 11 Uhr, als das letzte Kapitel des Projekts »Storchennest« beginnt. Schüler der Umwelt-AG der Bertolt-Brecht-Gesamtschule haben sich mit Lehrerin Angela Friemel auf der Blutwiese versammelt. Dort treffen sie auf Marion Schröder, gewissermaßen die Mutter des Projekts.

Als Storch-Experte ist auch Erwin Mattegiet von der Arbeitsgemeinschaft Natur des Kreises Minden-Lübbecke gekommen. Ebenso Sven Johanning von Straßen NRW und sogar ein Fernsehteam des WDR, das in der Lokalzeit am Freitagabend aus Löhne berichtet.

Schüler der Bertolt-Brecht-Gesamtschule bauen das Nest

Bevor das Pfahlnest aufgestellt werden kann, muss das Nest an den Baum geschraubt werden. »Das Nest haben die Schüler der Umwelt-AG vor zwei Jahren gebaut«, erklärt Lehrerin Angela Friemel. Auch Jara Jolie Ziewert (5c), Emili Pepler (7b), Miriam Sieker (7b) und Jana Sophie Willms (7b) gehören zur AG.

Sie haben nicht nur beim Bau geholfen, sondern sich mit Zeitungsartikeln über Störche informiert. So haben sie das Nest an einigen Stellen weiß angemalt. Für den Storch soll das nach Vogelkot aussehen und den Tieren versichern, dass man sich hier wohlfühlen kann.

Dass zwischen dem Bau und dem Aufstellen letztlich so viel Zeit liegt, hat vor allem bürokratische Gründe. »Ich musste viele Genehmigungen einholen, weil wir uns hier in einem Naturschutzgebiet befinden«, sagt Marion Schröder. Auch beim Landesbetrieb Straßen NRW klingelte deshalb das Telefon. Die Blutwiese ist eine Ausgleichsfläche der A30.

»Die Fläche bleibt sich selbst überlassen. Sie ist Heimat für viele Wasservögel und wird durch das Storchennest noch einmal aufgewertet«, sagt Sven Johanning von Straßen NRW.

Ungeeigneter Buchenstamm wird gegen Eiche ausgetauscht

Doch auch die Natur hält Stolpersteine parat. So ist der erste Baum ungeeignet, der für den Nestbau ausgewählt wurde: ein drei Tonnen schwerer Buchenstamm. Der könnte jedoch von innen hohl werden und abknicken.

Das Problem gibt es mit dem Eichenstamm nicht. Der wurde extra vom Sieksee aus Bünde nach Löhne gebracht. Allerdings hat der 15 Meter lange Stamm vor allem für die Mitarbeiter der Firma Tiefbau Stohlmann seine Tücken.

Bagger sitzt fest, Seil reißt – doch alles geht gut

Mit Spanngurten und Ketten wird das gigantische Holzstück an der Schaufel montiert. Beim ersten Versuch fährt sich der Bagger auf der aufgeweichten Wiese fest, beim zweiten ist das Loch zur Hälfte mit Grundwasser voll und muss erst wieder leergebaggert werden. Dann reißt auch noch einer der Gurte. Marion Schröder schlägt sich die Hände vors Gesicht, ihr und den anderen Helfern stockt zwischenzeitlich der Atem.

Doch alles geht gut. Auch ein lautes Knacken, das nichts Gutes erahnen lässt, hat keine schlimmen Auswirkungen. Das Nest hält und um 13.20 Uhr steht der Stamm senkrecht im Loch. »Super, ich bin einfach nur froh«, sagt Marion Schröder, die jetzt auf die ersten Störche in Löhne wartet. . .

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