Zehn Jahre Smartphone: Löhner beschreiben Auswirkungen im Alltag – Telefonieren Nebensache »Ein praktisches Werkzeug«

Löhne (WB). Das Smartphone hat seinen zehnten Geburtstag gefeiert. Vorreiter war das Unternehmen Apple mit seinem iPhone. Inzwischen gibt es zahlreiche weitere Anbieter. Doch wie hat sich die Erfindung des Smartphones auf die Nutzung mobiler Telefone ausgewirkt? Diese Zeitung hat einige in Löhne wohnhafte oder berufstätige Bürger befragt.

Von Sonja Gruhn
Sie werden noch zum Telefonieren genutzt, die mobilen Telefone. Doch mit der Einführung des Smartphones und ihrer vielfältigen Nutzungsmöglichkeiten rückten Internetnutzung und andere Kommunikationswege mehr und mehr in den Vordergrund.
Sie werden noch zum Telefonieren genutzt, die mobilen Telefone. Doch mit der Einführung des Smartphones und ihrer vielfältigen Nutzungsmöglichkeiten rückten Internetnutzung und andere Kommunikationswege mehr und mehr in den Vordergrund. Foto: Tilo Sommer

Dabei wurde deutlich: Smartphone ja, aber es muss nicht gleich ein iPhone sein.

Einschnitt kam mit dem Handy

»Der Einschnitt kam bei mir eher mit dem Handy und nicht so sehr mit dem Smartphone«, sagt Peter Außerwinkler (57), Pfarrer in Löhne-Ort , der sein Smartphone sowohl dienstlich als auch privat im Einsatz hat. »Man ist seitdem überall erreichbar. Das ist zwar nicht immer schön, aber ich bewerte es eher positiv als negativ.« Sein Smartphone nutze er kaum für das Internet, sondern hauptsächlich für den Kommunikationsdienst Whats-App. »Ich finde, es ist ein sehr praktisches Werkzeug. Die Kartendienste für die Navigation sind super und oft exakter als bei reinen Navigationsgeräten«, lobt der Pfarrer. Hin und wieder nutze er als Klassikfan das Smartphone zum Hören von Musik. »Zum Beispiel wähle ich dann den Youtube-Kanal und höre die Stücke zuhause über meine Musikanlage.« Innerhalb seiner Familie sei er jedoch derjenige, der das Gerät am wenigsten nutze.

Gewohnheiten haben sich sehr schnell verändert

Gertrud Robbes (58), Leiterin der Stadtbücherei Löhne , sagt, ihre Handygewohnheiten hätten sich mit dem Smartphone sehr schnell verändert. »Ich nutze es überwiegend privat, beispielsweise für unsere Familiengruppe bei Whats-App, dienstlich brauche ich es eigentlich überhaupt nicht.« Da die Stadtbücherei auch eine digitale Ausleihe hat, ist ihr das Lesen von Büchern über das Smartphone vertraut. »Wenn ich beispielsweise beim Arzt sitze und warte, lese ich die Bücher mit dem Handy. Dann brauche ich keine dicken Bücher mitzuschleppen«, erläutert sie einen der Vorzüge.

Aber es gebe auch Nachteile: »Mit dem Smartphone wurde die gebückte Haltung der Nutzer erfunden«, sagt sie mit einem Augenzwinkern. Für ihre Bedürfnisse reiche eine einfache Variante aus. »Ich finde es befremdlich, wenn die Menschen nachts Schlange stehen, um die ersten IPhones zu bekommen. Mein persönlicher Eindruck ist, dass es teilweise als Statussymbol gesehen wird.«

Telefonfunktion rückt immer weiter in den Hintergrund

Ebenfalls ein herkömmliches Smartphone ist bei Bürgermeister Bernd Poggemöller (50) im Einsatz, ebenso wie bei seinen Kollegen von der Stadtverwaltung. »Die Stadt hat entschieden, einheitliche Geräte zu nutzen, damit sie auch gut mit dem Netzwerk kompatibel sind. Das Smartphone wird bei mir überwiegend dienstlich genutzt. Ich verwalte damit Termine ebenso wie Geburtstage, beantworte und versende Mails oder nutze es für die Recherche unterwegs«, sagt Poggemöller. Er schätze zudem die Fotofunktion, die es auch ermögliche, Fotos direkt an das System zu schicken.

»Durch das Smartphone rückt die Telefonfunktion allerdings auch immer weiter in den Hintergrund«, bemerkt er. Auch bei ihm steht die Kommunikation per Whats-App, beispielsweise zur schnellen Weitergabe von Informationen an Kollegen, hoch im Kurs. Ein Vorteil sei die Erreichbarkeit, wenn es sich um die Familie, insbesondere die Kinder, drehe. »Und wenn ich nicht erreichbar sein möchte, reicht es, den Ton auszustellen. Wenn jemand anruft, kann ich es ja trotzdem noch sehen.« Ansonsten sei seine Affinität zum Smartphone nicht besonders stark ausgeprägt.

Erspart einen Teil der Arbeit

Für Bäcker- und Konditormeisterin Marie Simon (28) , ist Kommunikation besonders für das Geschäft sehr wichtig. »Eine ständige Erreichbarkeit ist inzwischen normal und wird auch erwartet. Der Vorteil ist, dass man viel von unterwegs aus regeln kann. So können auch Fehler vermieden werden. Das erspart einen Teil der Arbeit. Man ist aber auch leicht suchtgefährdet«, sagt die 28-Jährige, die ihr Smartphone auch privat nutzt. Da komme dann häufiger mal die Kamerafunktion zum Einsatz. »Ich kann zwar ohne Smartphone, aber schlecht. Es ist viel bequemer, wenn man schnell etwas nachschauen möchte. Allerdings sei sie in der Familie die einzige, die kein IPhone besitze: »Meine Oma ist 79 Jahre alt. Sie findet Facetime ganz toll.«

Smartphone ist wie ein Büro

Sein iPhone nutzt Sven Johanning (55) , als Sprecher für den Landesbetrieb Straßen NRW auch in Löhne tätig, hauptsächlich dienstlich. »Ich kann die ganzen Mails lesen, wenn ich unterwegs bin, und habe Zugriff auf die Serverdaten, kann dort beispielsweise Listen rausziehen.« Er schätze zudem die Internetfähigkeit. »Das Smartphone ist ein schnelles Informationsmedium. Mein Telefon ist wie mein Büro. Ich kann es in der Freizeit aber auch gut mal weglegen.« Seine Familie nutze das Smartphone allerdings noch häufiger. »Gut finde ich Whats­-App. Da kann ich meinem Sohn schreiben, dass er den Müll rausbringen soll, und an den Häkchen sehe ich dann, ob er die Nachricht gelesen hat«, sagt Sven Johanning und lacht.

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