Heinrich und Meike Niehus beschreiben die Auswirkungen der Zeitanpassung Eine Schaltsekunde in der Silvesternacht

Löhne (WB). Wer in der Silvesternacht eine Party besucht, kann ein bisschen länger feiern als gewöhnlich. Der Grund ist eine Schaltsekunde. Sie wird eingefügt, bevor es 1 Uhr wird. »Die meisten werden davon direkt aber wohl nichts mitbekommen«, sagt Uhrmachermeister Heinrich Niehus im Gespräch mit dieser Zeitung.

Von Malte Samtenschnieder
Bevor die Zeiger der Tischuhr am Neujahrstag auf 1 Uhr springen, wird eine Schaltsekunde eingefügt. Heinrich Niehus (89) und seine Enkelin Meike Niehus (28) nehmen diese Zeitanpassung gelassen.
Bevor die Zeiger der Tischuhr am Neujahrstag auf 1 Uhr springen, wird eine Schaltsekunde eingefügt. Heinrich Niehus (89) und seine Enkelin Meike Niehus (28) nehmen diese Zeitanpassung gelassen. Foto: Malte Samtenschnieder

Eine Sekunde früher oder später – den meisten Menschen ist diese Abweichung laut Heinrich Niehus ziemlich egal. Der 89-Jährige weiß, wovon er spricht. Jahrzehntelang hat er den 1921 gegründeten Familienbetrieb Optik Niehus an der Lübbecker Straße geführt – in zweiter Generation. Als Vertreterin der vierten Generation ist mittlerweile Meike Niehus mit im Geschäft. Sie ist Optikerin (Bachelor of Science), kennt sich aber auch mit Schmuck und Uhren aus. Die 28-Jährige pflichtet ihrem Großvater bei: »Für ›normale Menschen‹ ist die Schaltsekunde relativ unwichtig, obwohl sie wissenschaftlich betrachtet Sinn macht.«

Wer über eine Funkuhr verfügt, muss sich keine Sorge über die korrekte Zeitanpassung machen. Selbst wenn nicht im passenden Moment die Uhrzeit 0:59:60 Uhr angezeigt wird, gibt es eine zeitnahe Synchronisierung. Bis dahin geht die Uhr um eine Sekunde vor. Gleiches gilt für die Uhren von Handys. Sie werden regelmäßig über das Mobilfunknetz mit der gültigen Uhrzeit versorgt.

»Ansonsten bieten die Uhrzeitangaben vor den Nachrichten im Fernsehen eine gute Orientierung für alle, die die Uhrzeit manuell angleichen wollen«, sagt Heinrich Niehus. In jungen Jahren habe er selbst seine Uhr nach dem Zeitzeichen des Senders Nauen gestellt. Und das regelmäßig. »Abweichungen von bis zu 30 Sekunden am Tag waren damals keine Seltenheit«, sagt der 89-Jährige. Mittlerweile seien die meisten Uhren allerdings deutlich präziser. Meike Niehus: »Bei Quarzuhren liegt die Abweichung derzeit noch bei zwei, drei Sekunden pro Monat.«

Bei Bedarf helfen Meike Niehus und ihre Kollegen den Kunden gerne beim Einstellen der korrekten Uhrzeit. »Insbesondere beim Wechsel von der Sommer- zur Winterzeit und wieder zurück kommen viele Hilfesuchende zu uns«, sagt die 28-Jährige. Als Richtschnur diene eine spezielle Funkuhr in der Werkstatt. Sie erhält ihr Zeitsignal von einem Langwellensender bei Frankfurt.

»Funkarmbanduhren werden seitens unserer Kunden immer stärker nachgefragt«, betont Meike Niehus. Der Anteil an den verkauften Uhren mache derzeit etwa ein Drittel aus. Nicht immer sei jedoch die Genauigkeit das Hauptkaufkriterium. »Oft spielen auch modische Aspekte eine Rolle«, weiß die Expertin. In Verbindung mit Handys nehme zudem die Nachfrage nach sogenannten Smart-Watches immer mehr zu. Dabei gehe es auch nicht vorrangig um das Anzeigen der Uhrzeit.

Funkuhren hin, Smart-Watches her – gelegentlich macht sich Meike Niehus nach eigenen Angaben komplett von zeitlichen Vorgaben frei. Nämlich immer, wenn sie Urlaub hat. »Wenn ich keine Zeit brauche, trage ich auch keine Armbanduhr«, sagt die 28-Jährige.

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