Kommune landet bei IHK-Kreisumfrage auf mittlerem Platz Betriebe zufrieden mit Erreichbarkeit

Löhne(WB). Bei der neuen Umfrage der Industrie- und Handelskammer (IHK) Ostwestfalen im Kreis Herford zum Thema Standortzufriedenheit haben Löhner Unternehmer die Nähe zu Zulieferern und Kunden sowie die Erreichbarkeit über die Straße hervorgehoben. Die Breitbandversorgung sehen sie besser als im Kreisvergleich, dennoch wünschen sie sich hier eine Verbesserung.

Von Rajkumar Mukherjee
Die Ergebnisse der IHK-Umfrage zur Standortzufriedenheit in Löhne haben (von links) Harald Grefe, stellvertretender Hauptgeschäftsführer der IHK, Bürgermeister Bernd Poggemöller, Ulrich Niemeyer, Leiter des Amtes für Stadtentwicklung, Rainer Döring, Mitglied der IHK-Vollversammlung, sowie Marco Rieso, Leiter des IHK-Referats Handel, Dienstleistung und Service-Center, vorgestellt.
Die Ergebnisse der IHK-Umfrage zur Standortzufriedenheit in Löhne haben (von links) Harald Grefe, stellvertretender Hauptgeschäftsführer der IHK, Bürgermeister Bernd Poggemöller, Ulrich Niemeyer, Leiter des Amtes für Stadtentwicklung, Rainer Döring, Mitglied der IHK-Vollversammlung, sowie Marco Rieso, Leiter des IHK-Referats Handel, Dienstleistung und Service-Center, vorgestellt. Foto: Raja Mukherjee

Für die geringste Zufriedenheit bei Löhner Unternehmen sorgte die Ausbildungsreife bei Jugendlichen, die auch kreisweit bemängelt wird, sowie die Grund- und Gewerbesteuersätze in Löhne.

Die IHK hatte zuletzt im Jahr 2003 diese Umfrage im Kreis durchgeführt – nach 13 Jahren war die erneute Befragung also umso wichtiger, betonte Harald Grefe, stellvertretender Geschäftsführer der IHK.

820 Betriebe nehmen kreisweit teil

Kreisweit hatten insgesamt 820 Betriebe (von etwa 5000) die Fragebögen zurückgeschickt. In Löhne nahmen 106 Unternehmen daran teil. Bei der Gesamtnote für den Wirtschaftsstandort landete Löhne mit einem Wert von 2,9 auf einem mittleren Platz. Am besten schnitt Rödinghausen mit 2,2, am schlechtesten Spenge mit 3,4 ab. Der Durchschnitt im Kreis liegt bei 2,8. Im Fragebogen wurden 36 Faktoren abgefragt: Darunter waren Aspekte wie »Erreichbarkeit über Straße«, »Digitale Verwaltungsverfahren, aber auch »Wohnen und Wohnumfeld« oder »Medizinische Versorgung«.

80 Prozent der Firmen in Löhne würden sich der Umfrage zufolge erneut für diesen Standort entscheiden. Bei der »Entwicklung der Unternehmen« gaben 42 Prozent der Löhner Betriebe zudem an, sich in den vergangenen fünf Jahren vergrößert zu haben. 37 Prozent wollen sich in den kommenden fünf Jahren vergrößern. »Das gibt Hoffnung und zeigt, welches Wachstumspotenzial die Unternehmen auch im Kreis haben«, sagte Harald Grefe.

Aus Sicht von Rainer Döring, geschäftsführender Gesellschafter von Expert Döring in Löhne, Mitglied der IHK-Vollversammlung und seit 2014 Vizepräsident, habe Löhne nicht »so schlecht abgeschnitten«. Von früheren Investitionen der Stadt, etwa in die Glasfasertechnik für die Breitbandversorgung, habe der Standort beispielsweise profitiert, es müsse aber nachgelegt werden. »Löhne muss noch dicke Bretter bohren«, sagte Rainer Döring. Er bezog sich auch auf den Faktor »Wohnen und Wohnumfeld«. »Es gibt hier überall Orte, die ungepflegt wirken«, sagte er. In Punkto Kontakte zu den Unternehmen bat er die Stadt, sich noch stärker »um den Dialog zu kümmern und Major Player an den Tisch zu holen«.

»Dynamik der Stadt wird zu wenig widergespiegelt«

Der mittlere Platz Löhnes bei der Umfrage spiegele aus Sicht von Bürgermeister Bernd Poggemöller zu wenig »die Dynamik« der Stadt wider, die sie – im Vergleich zu den anderen Kommunen im Kreis – gezeigt habe. Dies werde beispielsweise durch den Wiederanstieg der Zahl von sozialversicherungspflichtigen Beschäftigungsverhältnissen deutlich. »In Löhne ist diese Zahl zunächst zwischen 1995 und 2010 um 2500 Stellen gesunken. Löhne musste viele Arbeitsplätze abgeben, was sicher mit der Veränderung in der Möbelindustrie und den Zulieferern zu tun hat«, sagte Bernd Poggemöller. Anschließend sei die Zahl der Beschäftigungsverhältnisse von 2010 bis »Mitte 2015 um 450 angestiegen«. Eine Zunahme, die im selben Zeitraum höher als im Kreis ausgefallen sei.

Auf den dritten Platz bei der geringsten Zufriedenheit hatte die Mehrheit der befragten Löhner Unternehmen den Faktor »Gewerbesteuer« gesetzt. Hierbei verwies der Bürgermeister auf den »Absturz« in 2009: Im Vergleich zum Vorjahr seien die Gewerbesteuereinnahmen von zuvor 20 Millionen Euro auf acht Millionen Euro gefallen. »Wir sind kein Billigheimer bei der Gewerbesteuer, dafür bieten wir auch Einiges: Kulturangebote, Schulen, Kitas«, sagte Bernd Poggemöller.

Zum Faktor »Wohnen und Wohnumfeld«, bei dem die Löhner Unternehmen ihre Zufriedenheit schlechter als im Kreisvergleich bewerteten, gestand Bernd Poggemöller ein, dass »uns das als Stadt weht tut.« Er regte an, die Vorzüge Löhnes als »guten Wohn- und Arbeitsstandort« in Zukunft vermehrt hervorzuheben. Zu dem negativen Eindruck könnte aus seiner Sicht auch die Diskussion um den Löhner Bahnhof beigetragen haben.

Im thematischen Umfeld der mangelnden Ausbildungsreife von Jugendlichen kündigte die IHK an, von 2017 an einen Schwerpunkt im Kreis Herford auf die Förderung der Dualen Ausbildung zu legen.

Die Ergebnisse im Einzelnen

Bei der Umfrage der IHK Ostwestfalen haben die 106 Löhner Unternehmen folgende Bewertungen abgegeben: ( Höchste Wichtigkeit ) 1. Breitbandversorgung, 2. Erreichbarkeit der Straße, 3. Service- und Beratungsqualität, 4. Medizinische Versorgung, 5. Dauer von Genehmigungsverfahren; ( Höchste Zufriedenheit ) 1. Nähe zu Zulieferern, 2. Nähe zu Kunden, 3. Erreichbarkeit über Straße; ( Geringste Zufriedenheit ) 1. Ausbildungsreife Jugendliche, 2. Grundsteuer, 3. Gewerbesteuer; ( Stärken ) 1. Nähe zu Kunden, 2. Sport- und Freizeitmöglichkeiten, 3. Parken, 4. Betreuungsangebote für pflegebedürftige Angehörige, 5. Digitale Verwaltungsverfahren; ( Handlungsbedarfe ) 1. Breitbandversorgung, 2. Gewerbesteuer, 3. Verfügbarkeit von beruflich qualifizierten Fachkräften, 4. Dauer von Genehmigungsverfahren, 5. Ausbildungsreife Jugendliche.

Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.