Viertes Naturgartenforum führt hunderte Interessierte aus weiten Teilen der Region in die Werretalhalle Wildsamenbar und Bienenhotel

Löhne (WB). Dass die Natur für viele Menschen einen hohen Stellenwert hat und ihre Bedeutung immer mehr in das Bewusstsein rückt, ist beim vierten Naturgartenforum in der Werretalhalle zu sehen gewesen. Hunderte Natur- und Garteninteressierte nahmen die Gelegenheit wahr, sich unter anderem über heimische Pflanzen und Insekten zu informieren. Selbst aus Steinhagen und Rahden waren sie angereist.

Von Sonja Gruhn
An der Wildsamenbar bedienen sich Petra Weber aus Minden (links) und Sarah Turowski aus Bruchmühlen, hier mit Sohn Fynn. Beide lieben die Natur und möchten Insekten in ihren Gärten mit dem Aussäen von heimischen Pflanzen unterstützen.
An der Wildsamenbar bedienen sich Petra Weber aus Minden (links) und Sarah Turowski aus Bruchmühlen, hier mit Sohn Fynn. Beide lieben die Natur und möchten Insekten in ihren Gärten mit dem Aussäen von heimischen Pflanzen unterstützen. Foto: Sonja Gruhn

Krötenmobil

Wenige Besucher allerdings fanden den direkten Weg in den Saal der Werretalhalle, denn die lebenden Amphibien, die mit dem Krötenmobil aus Westerkappeln angereist waren, faszinierten sowohl die jüngeren als auch die älteren Besucher. Allerlei Wissenswertes zu den Erdkröten, die auch in die Hand genommen werden durften, den Bergmolchen, Teich- und Grasfröschen wusste Dr. Karl-Robert Wolf zu berichten. Selbst etwa 1,5 Zentimeter große Kaulquappen von Erdkröten hatte er mitgebracht.

Emelie (8) aus Löhne, die mit ihren Eltern Kerstin und Volker Pörtner das Forum besuchte, musste schon etwas Mut aufbringen, um eine der Erdkröten anzufassen. Dann aber fand sie es gar nicht mehr so schlimm: »Es ist ein kitzeliges Gefühl«, meinte sie. Nach ihrem Auftritt in Löhne werden die Amphibien wieder in ihre Lebensräume entlassen, versicherte Dr. Wolf.

Insektenhotel

Währenddessen nutzten Anja und Thomas Meier aus Bad Oeynhausen mit ihren Kindern Milena (13) und Jana (8) das Angebot der Biologischen Station Ravensberg und bauten zwei Bienenhotels zusammen. »Eins kommt in unseren Garten, das andere bekommt meine Mutter«, sagte Anja Meier. Und die schaute dem Werkeln aufmerksam zu. Schließlich war Vera Thiel extra aus Bad Münder angereist, um das Naturgartenforum zu besuchen.

Heimische Pflanzen

Ein paar Schritte weiter hatte der Naturschutzbund (NABU) eine stattliche Anzahl an Wildgartenpflanzen im Angebot. »Die sind alle selbst gezogen. Wir versuchen, wieder Stauden in die Gärten hineinzubekommen, die sonst nur noch an Weg- und Straßenrändern zu finden sind, aber wichtig für die Natur sind«, sagte Friedhelm Diebrok. Eine dieser Pflanzen sei die Wilde Karde, die beim Diestelfinken sehr beliebt sei. »Sie bildet Kelche, in denen sich Wasser sammeln kann. Das mögen neben dem Stieglitz, wie der Diestelfink auch genannt wird, die Insekten.«

Diese Pflanze hat sich Anne Trettin (66) aus Bad Oeynhausen schon in ihren kleinen Karton gestellt. Gemeinsam mit Ehemann Werner (66) ist sie auf der Suche nach weiteren Stauden für ihren Wildgarten. »Ich habe schon viele Pflanzen, aber hier entdecke ich trotzdem noch einige, die mir fehlen wie die gewöhnliche Akelei, das gelbe Leinkraut, auch kleines Löwenmaul genannt, und die Ochsenzunge«, sagt Anne Trettin.

»Wir wollen einen Kontrapunkt zu den gesteinigten Gärten setzen. Viele haben nur noch Steingärten mit einem Alibi-Bonsai. Sie tun nichts für den Sauerstoffbedarf. Dabei muss ein Garten nicht viel Arbeit machen. Während andere ihren Rasen mähen und vertikutieren, betrachten wir unsere Margeriten«, sagt sie.

Wertvolle Tipps

An den verschiedenen Ständen waren neben einer Vielzahl heimischer Pflanzen auch Tipps und Ratschläge zu bekommen. Eine Besucherin aus Minden erzählte, dass sie jahrelang versucht habe, das Gundermannkraut zu beseitigen. »Hier habe ich erfahren, dass es lecker sei und auf einem Salat auch sehr dekorativ. Das werde ich ausprobieren«, sagte sie.

Unterschiedliche Samen, beispielsweise von der Flockenblume gab es an der Wildblumensamenbar zum Abfüllen. Genau richtig für Petra Weber aus Minden, die sich ihren lang gehegten Traum eines Naturgartens nach einem Hauskauf jetzt erfüllen möchte. »Ich sammele hier Ideen und möchte die heimischen Pflanzen kennenlernen, um zu wissen, was wirklich in die Region gehört. Ich mag die Natur sehr und möchte, dass sie erhalten bleibt.

Sarah (33) und Dennis (36) Turowski aus Bruchmühlen sind auf der Suche nach Pflanzen und Samen für ihren 400 Quadratmeter großen Garten. »Ich bin auf dem Land aufgewachsen und liebe die Natur. Den Naturgarten habe ich, um die Insekten zu unterstützen«, sagte Sarah Turowski.

Biene und Fledermaus

Um Bienen, ihre Bedürfnisse und Produkte ging es beim Imkerverein, der gleich die Bienen-AG der Bertolt-Brecht-Gesamtschule mitgebracht hatte. Zu der AG gehören 25 Schüler. Lehrer Hans-Georg Zwicker betreut das Projekt. Sehr engagiert brachten die Schüler wie Umut (13), Lina (12), Julia (12) und Lara (13) ihr Wissen über die Bienen an die Besucher und verteilten Honiglutscher. »Wir haben gelernt, dass es ohne Bienen auch keine Menschen geben würde. Denn dann würden die Bäume nicht bestäubt, und wir hätten keinen Sauerstoff zum Atmen«, erläuterte Lina.

Beim Waldkindergarten durften Sonnenblumenkerne eingepflanzt und mitgenommen werden, während bei Dieter Kloss von der frisch gegründeten BUND-Gruppe Löhne Fledermauskästen zusammengebaut werden konnten. Neben weiteren interessanten Ständen gab es Workshops und Vorträge, unter anderem von Karl Heinz Niehus, der der Motor der Naturgarten-Idee in Löhne ist.

Die Veranstaltung ist im weiten Umkreis einmalig. Und so habe sie sich zum erfolgreichen Selbstläufer entwickelt, wie Beatrix Becker, Leiterin der Volkshochschule Löhne, bestätigte.

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