Podiumsdiskussion in der Musikschule stößt auf gute Resonanz – Nun müssen weitere Schritte folgen Gemeinsam gegen Hausärztemangel

Löhne (WB). Noch während die Podiumsdiskussion zum Thema »Hausärztemangel« am Dienstag im Vortragssaal der  Musikschule  lief, trug die Veranstaltung erste Früchte: »Ich kann mir vorstellen, mich in Löhne als Hausarzt niederzulassen«, sagte ein angehender Facharzt für Allgemeinmedizin aus dem Publikum. Den Schritt in die Selbstständigkeit traue er sich allerdings  nur zu, wenn er dafür eine Förderung erhalte.

Von Malte Samtenschnieder
Ermuntern junge Mediziner, sich als Hausärzte in Löhne niederzulassen (von links): Ansgar von der Osten (Kassenärztliche Vereinigung Westfalen-Lippe), Martina Vortherms (Stadt Löhne), Boris Brandes (AOK Bünde), Anke Richter (Hausärzteverband Westfalen-Lippe), Bürgermeister Bernd Poggemöller, Landrat Jürgen Müller und Dr. Carl-Hans Biedendieck (Bundeshausärzteverband).
Ermuntern junge Mediziner, sich als Hausärzte in Löhne niederzulassen (von links): Ansgar von der Osten (Kassenärztliche Vereinigung Westfalen-Lippe), Martina Vortherms (Stadt Löhne), Boris Brandes (AOK Bünde), Anke Richter (Hausärzteverband Westfalen-Lippe), Bürgermeister Bernd Poggemöller, Landrat Jürgen Müller und Dr. Carl-Hans Biedendieck (Bundeshausärzteverband). Foto: Malte Samtenschnieder

Die Aussage des jungen Mediziners zauberte ein Lächeln insbesondere auf die Lippen der Gäste auf dem Podium. Moderiert von Anke Richter (Hausärzteverband Westfalen-Lippe) hatten dort zuvor Dr. Carl-Hans Biedendieck (Bundeshausärzteverband), Ansgar von der Osten (Kassenärztliche Vereinigung Westfalen-Lippe), Bürgermeister Bernd Poggemöller, Landrat Jürgen Müller und Boris Brandes (AOK Bünde) Strategien zum Kampf gegen den Hausärztemangel in der Stadt Löhne ausgetauscht. Und dass die Debatte in einer derartigen Äußerung aus dem Zuschauerraum münden würde, hatte zuvor keiner erwartet.

Doch selbst wenn der junge Allgemeinmediziner seine Ankündigung wahr machen sollte, wäre Löhne damit nicht über den Berg.  Denn nach einer Statistik der Kassenärztlichen Vereinigung Westfalen-Lippe fehlen dort derzeit nicht ein oder zwei, sondern  sieben niedergelassene Hausärzte. »Wir müssen uns als Stadt verstärkt darum bemühen, nicht nur für Familien und Firmen, sondern insbesondere auch für Hausärzte attraktiver zu werden«, sagte Bürgermeister Bernd Poggemöller. Zu den Ursachen für den Hausärztemangel äußerte sich Anke Richter: »Zum einen fehlt qualifizierter Nachwuchs, zum anderen werden die Patienten immer älter und die nötigen  Behandlungen aufwendiger.«

Auch Ansgar von der Osten räumte ein, dass in der Vergangenheit zu wenige Mediziner für die kurative Versorgung ausgebildet worden seien.  Das führe zu immer mehr Versorgungslücken. »In Löhne geht zwar auch die Bevölkerung zurück, im Verhältnis brechen aber zu viele Hausärzte weg«, erläuterte der Vertreter der Kassenärztlichen Vereinigung. Ein wichtiger Schritt, um das Problem in den Griff zu bekommen, ist laut Jürgen Müller, dass von diesem Sommer an  60 Mediziner im Rahmen des  Bochumer Modells in die Kreise Herford und Minden-Lübbecke kommen, um hier einen Teil ihrer Ausbildung zu absolvieren. Der Landrat: »Wir müssen  unsere Region attraktiv präsentieren, damit der erhoffte Klebeeffekt am Ende auch greift.«

AOK-Vertreter Boris Brandes räumte ein, dass Hausärzte oft in   zu großem Maße mit Bürokratie zu kämpfen hätten. Hier gelte es anzusetzen. Darüber hinaus komme den Hausärzten – etwa im Zusammenspiel mit Fachärzten – eine wichtige Lotsenfunktion zu.

Ein düsteres Bild im Hinblick auf eine   Lösung für den Hausärztemangel zeichnete Dr. Carl-Hans Biedendieck vom Bundeshausärzteverband auf. Bei vielen Medizinstudenten sei die Motivation, sich mit Allgemeinmedizin zu befassen, gleich Null. »Nur zehn Prozent der Studenten sind überhaupt bereit, sich mit dieser Frage auseinanderzusetzen.« Sie müssten insbesondere über Möglichkeiten aufgeklärt werden, in sogenannten Versorgungszentren mit anderen Medizinern zusammenzuarbeiten.  Da der Frauenanteil unter  Medizinstudenten   inzwischen bei 80 Prozent liege, sei dies eine wichtige Maßnahme, um ihnen   Angst vor   Selbstständigkeit zu nehmen und   aufzuzeigen, dass Beruf und Karriere einander nicht ausschließen.

Landrat Jürgen Müller regte in diesem Zusammenhang an, Arztpraxen  von öffentlicher Hand zu finanzieren und dort Hausärzte  anzustellen, um so das wirtschaftliche Risiko für die Berufseinsteiger zu reduzieren. Wenn die Praxis   laufe, könne den Betreibern ein Kaufangebot unterbreitet  werden. Bürgermeister Bernd Poggemöller wertete die Podiumsdiskussion als wichtigen Gedankenaustausch: »Wir müssen nun nach passenden Lösungen für Löhne suchen.«

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