Tödlicher Streit am Vatertag am Bahnhof: Richter sehen Notwehr Freispruch für 26-Jährigen im Spatenstiel-Prozess

Bielefeld/Löhne (dpa). Obwohl Staatsanwaltschaft und Verteidigung Haftstrafen gefordert hatten, muss der Angeklagte im Prozess um einen tödlichen Streit auf einem Bahnhofs-Parkplatz in Löhne nicht ins Gefängnis. Das Bielefelder Landgericht sprach den 26-Jährigen am Donnerstag überraschend frei.

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Es könne nicht festgestellt werden, wie das 49 Jahre alte Opfer gestorben sei, urteilten die Richter. Außerdem habe der 26-Jährige aus Notwehr gehandelt. Der Angeklagte hatte zugegeben, mit einem Spatenstiel einmal auf den Familienvater eingeschlagen zu haben. Eine Tötungsabsicht bestritt er aber.

Zu der Auseinandersetzung war es am Vatertag 2015 in Löhne (Kreis Herford) gekommen. Der 49-Jährige hatte seine Tochter mit dem Auto zum Bahnhof gebracht und war laut Anklage von einer Gruppe betrunkener Männer daran gehindert worden, wieder vom Parkplatz zu fahren. Daraufhin kam es zum Streit. Den Spatenstiel hatte das Opfer selbst aus dem Kofferraum seines Wagens geholt. Während der Auseinandersetzung gelangte der Stock dann in die Hände des 26-Jährigen.

Die Staatsanwaltschaft hatte sechseinhalb Jahre Haft wegen Totschlags gefordert. Die Verteidigung plädierte auf eine Haftstrafe von drei Jahren und drei Monaten. Der Angeklagte nahm den Freispruch unter Tränen erleichtert auf. Die Familie des Opfers verließ unter Protest den Gerichtssaal und musste auf dem Flur von Justizbeamten beruhigt werden. Ob die Nebenklage Revision einlegen wird, blieb offen. »Wir müssen das jetzt erst sacken lassen«, sagte ein Anwalt der Familie.

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