Selbsthilfegruppen der Migräneliga treffen sich zum Austausch in der Berolina Klinik »Leiden ernst nehmen«

Löhne (WB). »Gemeinsam gegen Migräne« lautete das Motto eines Symposiums am Freitag in der Berolina Klinik. Leiter von Selbsthilfegruppen der Migräneliga hatten sich mit Experten der Klinik zu einem umfassenden Erfahrungsaustausch getroffen.

Von Wilhelm Adam
Eröffnen den Erfahrungsaustausch an der Berolina Klinik (von links): Arne Sörenson (Diplom-Psychologe, Berolina Klinik), Christine Wielk (Selbsthilfegruppen Regionalleitung Nord), Johannes Hüpel (Kaufmännischer Direktor Berolina Klinik), Dr. Zoltan Medgyessy (Leitender Oberarzt, Berolina Klinik), Stefan Meier (Selbsthilfegruppen, Regionalleitung Nord-West), und Martina Beuker (Regionalleitung West).
Eröffnen den Erfahrungsaustausch an der Berolina Klinik (von links): Arne Sörenson (Diplom-Psychologe, Berolina Klinik), Christine Wielk (Selbsthilfegruppen Regionalleitung Nord), Johannes Hüpel (Kaufmännischer Direktor Berolina Klinik), Dr. Zoltan Medgyessy (Leitender Oberarzt, Berolina Klinik), Stefan Meier (Selbsthilfegruppen, Regionalleitung Nord-West), und Martina Beuker (Regionalleitung West). Foto: Wilhelm Adam

Neben Fachvorträgen über Rehabilitation bei chronischen Kopfschmerzen oder psychischen Aspekten bei der Migränebehandlung stand der Erfahrungsaustausch von Experten der Berolina Klinik mit den Leitern der Selbsthilfegruppen auf dem Programm.

»Kopfschmerzen oder Migräne werden in den Familien und in der Politik immer noch nicht ernst genommen«, erklärte der leitende Oberarzt, Dr. Zoltan Medgyessy. Und im Fall einer Migräne eine stationäre Rehabilitation genehmigt zu bekommen, sei für Betroffene keine Selbstverständlichkeit. Dabei zeige sich anhand von Untersuchungen der Deutschen Rentenversicherung Bund aus dem Jahr 2006  »nach Gegenüberstellung von Nutzen und Kosten, dass sich die Rehabilitation wegen eingesparter Rentenzahlungen  und durch das Hinausschieben des Bezuges von Erwerbsminderungsrente bereits im vierten Monat amortisiert«. Zwar fielen bundesweit jährliche Therapiekosten für Migräne in Höhe von etwa 479 Millionen Euro an. »Aber indirekt entstehende Kosten für  Arbeitgeber sind um das 13-fache höher, wenn die Betroffenen zwar anwesend sind, aber aufgrund ihrer Beschwerden nicht arbeiten können«, bekräftigte der Mediziner. Leide ein Mensch an chronischer Migräne, erhöhe sich zudem die  Wahrscheinlichkeit seiner Arbeitslosigkeit um 20 Prozent.

Auch Betroffene müssten lernen, sich in ihrem Leiden ernst zu nehmen. So lautet ein Ansatz der bundesweit etwa  100 Selbsthilfegruppen der »Migräneliga«, die Kranken dabei helfen wollen. Die Gruppen sind in fünf Regionen unterteilt. »Viele versuchen, in Familie und Beruf einfach weiter zu funktionieren, und mit ihren Beschwerden nicht aufzufallen«, erklärt Martina Beuker von der Regionalleitung West ein typisches Verhaltensmuster vieler Menschen in so einer Situation. Der Weg zu einer  Selbsthilfegruppe sei dann ein wichtiger Schritt.

»Krankheit verbindet die Gruppenmitglieder«, ergänzte Stefan Meier von der Regionalleitung Nordwest, »und für die Betroffenen ist es ganz wichtig, zu erkennen, dass sie mit ihrem Leiden nicht allein sind.«

Vor allem gehe es in den Gruppen um den Erfahrungsaustausch über die Krankheit und der damit verbundenen privaten Situation des Einzelnen. »Diese Gespräche sind neben der Behandlung bei einem Arzt wichtig«, sagte Christine Wielk von der  Regionalleitung Nord. »Und auch Informationen, die wir hier in  der Klinik über neue Behandlungsmethoden sammeln, besprechen wir in unseren Gruppen.« Der Spaß am Leben bei gemeinsamen Unternehmungen trotz Beschwerden gehöre ebenfalls unbedingt  dazu. »Man geht zum Beispiel essen, und auch gemeinsames Lachen gehört dazu.«

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