Mitgliederversammlung am 3. September – Vereinsauftrag nach Immobilienverkauf an die Jesiden erfüllt Freundeskreis Schloss Ulenburg vor Auflösung

Löhne (WB). Der Freundeskreis Schloss Ulenburg steht vor der Auflösung. Nach dem Verkauf der Immobilie an die jesidische Gemeinschaft sehen Vorsitzender Gerd Pühmeier und sein Stellvertreter Christian Antl den Vereinszweck als erfüllt an. Das haben sie bei einem Pressegespräch am Freitag im Rathaus erklärt.

Von Malte Samtenschnieder
Vorsitzender Gerd Pühmeier (links) und sein Stellvertreter Christian Antl sehen den Zweck des Freundeskreises Schloss Ulenburg als erfüllt an.
Vorsitzender Gerd Pühmeier (links) und sein Stellvertreter Christian Antl sehen den Zweck des Freundeskreises Schloss Ulenburg als erfüllt an. Foto: Malte Samtenschnieder

»Der Verein Freundeskreis Schloss Ulenburg setzt sich dafür ein, das 440 Jahre alte Wasserschloss Ulenburg, ein Kleinod der Weserrenaissance mit seinem einzigartigen Park, auch in Zukunft für die Bevölkerung Löhnes (...) zugänglich und nutzbar zu erhalten. (...) Der Verein unterstützt die Diakonische Stiftung Wittekindshof (...), für Schloss und Park eine geeignete Nachnutzung zu finden.« Diese Passage stammt aus der Beitrittserklärung für den Freundeskreis Schloss Ulenburg. Sie ist zugleich der Grund, warum Gerd Pühmeier und Christian Antl die Auflösung des Vereins zum Gegenstand einer außerordentlichen Mitgliederversammlung am Donnerstag, 3. September, um 19 Uhr im Haus Flores machen. »Der Vereinszweck hat sich erledigt«, sagte Gerd Pühmeier.

Der Freundeskreis habe sich im Februar 2008 gegründet, um nach dem Auszug der letzten Bewohner Ende 2007, die Diakonische Stiftung bei der Suche nach einer Nachfolgenutzung zu unterstützen. Das Interesse der Löhner Bürger sei von Beginn an groß gewesen. »Wir hatten ziemlich schnell 200 direkte Mitglieder«, sagte Gerd Pühmeier. Durch die Mitgliedschaft verschiedener Vereine und einer Kirchengemeinde kämen nochmal 20000 kooptierte Mitglieder hinzu.

Seit 2008 hat sich der Freundeskreis Schloss Ulenburg für eine sinnvolle Nutzung der Immobilie stark gemacht.

»Wir sind als Bürgerbewegung gestartet, um Meinungen aus der Bevölkerung zu bündeln«, sagte Gerd Pühmeier. Die Diakonische Stiftung Wittekindshof sei dem Verein aber nie auf Augenhöhe begegnet. In den vergangenen Jahren habe der Verein mehrfach Kaufinteressenten für das Schloss Ulenburg an den Wittekindshof vermittelt. »Bereits 2009 hat die Diakonische Stiftung aber gegenüber unseren Bemühungen dicht gemacht«, sagte Christian Antl. So sei der Freundeskreis eineinhalb Jahre bezüglich eines Konzeptes für das Pachten des Schlossparks hingehalten worden. Letztlich sei dann nichts daraus geworden.

Im Jahr 2010 habe ein Arzt einen Millionenbetrag für das Schloss Ulenburg geboten, um dort eine Tagesklinik zu errichten. Er sei ebenso wenig zum Zuge gekommen wie zuletzt der Unternehmer Axel Oberschelp, der in der Immobilie unter anderem ein Gesundheitszentrum errichten wollte. Warum letztlich die jesidische Gemeinschaft für »nur« 350000 Euro den Zuschlag erhalten habe, ist weder für Gerd Pühmeier noch für Christian Antl nachvollziebar.

Beide Vorstandsmitglieder betonen, dass sich ihre Kritik nicht auf die Jesiden als neue Schlosseigentümer bezieht. Sie richte sich vielmehr gegen den Wittekindshof und dagegen, wie der Kauf zustande gekommen sei. »Es gab Überlegungen, den Verein zu transformieren und etwa als Mittler zwischen der Stadt und den Jesiden aufzutreten«, sagte Gerd Pühmeier. Dafür biete die Satzung aber kaum Raum. »Es war von vornherein klar, dass der Verein nur auf Zeit bestehen würde.« Es sei aber nicht auszuschließen, dass sich in Zukunft, wenn genauer absehbar sei, wie sich die Situation an der Ulenburg weiter entwickele, neue Bürgerinitiativen bildeten.

Einen direkten Kontakt zwischen dem Freundeskreis Schloss Ulenburg und der jesidischen Gemeinschaft hat es bislang nicht gegeben. Das sei auch nicht vorgesehen. Von einer Bewertung der Pläne für ein jesidisches Studienzentrum in der historischen Immobilie sieht sowohl Gerd Pühmeier als auch Christian Antl ab. »Wir wünschen uns, dass die Bausubstanz erhalten bleibt«, sagte der stellvertretende Vorsitzende. Äußere Anzeichen deuteten darauf hin, dass die neuen Eigentümer mit der Renovierung des Schlosses begonnen hätten. Wünschenswert sei laut Gerd Pühmeier natürlich auch die in Aussicht gestellte Öffnung des Parkes. In diesem Zusammenhang bleibe aber auch das Ergebnis von Gesprächen zwischen den Jesiden und der Stadt abzuwarten.

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