Jesiden übernehmen Immobilie vom Wittekindshof Verkauf von Schloss Ulenburg besiegelt

Löhne (WB). Das Schloss Ulenburg hat einen neuen Besitzer. Am frühen Freitagabend haben Vertreter der Diakonischen Stiftung Wittekindshof und der jesidischen Glaubensgemeinschaft den Kaufvertrag unterzeichnet. Er tritt zum 1. Februar in Kraft. 

Von Malte Samtenschnieder
Seit 1926 hat sich das Schloss Ulenburg in Löhne-Mennighüffen im Besitz der Diakonischen Stiftung Wittekindshof befunden. Am Freitag wechselte es den Besitzer. Neuer Eigentümer der historischen Immobilie ist die jesidische Glaubensgemeinschaft.
Seit 1926 hat sich das Schloss Ulenburg in Löhne-Mennighüffen im Besitz der Diakonischen Stiftung Wittekindshof befunden. Am Freitag wechselte es den Besitzer. Neuer Eigentümer der historischen Immobilie ist die jesidische Glaubensgemeinschaft. Foto: Anke Marholdt

»Nachdem wir in den letzten Tagen viel Kritik wegen der Verkaufspläne für die Ulenburg erhalten hatten, habe ich mich heute über die ganz anderen Reaktionen gefreut: deutliche Erleichterung, dass endlich ein Käufer gefunden ist, und interessierte Nachfragen«, sagte Anke Marholdt, Sprecherin der Diakonischen Stiftung Wittekindshof, am Freitag. Viele hätten zwar schon einmal etwas von Jesiden gehört. Sie hätten dann aber noch mehr wissen wollen. Anke Marholdt: »Was in Ulenburg geplant ist, finden viele spannend. Sie freuen sich auf die Begegnung mit Menschen aus einem anderen Kulturkreis mit anderer Religion.«

»Ich habe gleich heute Morgen einen Anruf wegen des Verkaufs des Schlosses Ulenburg bekommen«, sagte Bürgermeister Heinz-Dieter Held am Freitag dieser Zeitung. Auch bei verschiedenen Terminen in der Stadt sei er mit dem Thema konfrontiert worden. »Ich habe den Eindruck gewonnen, dass darüber lebhaft in der Bevölkerung diskutiert wird«, betonte Heinz-Dieter Held.

»Mir wäre es lieber gewesen, wenn der Wittekindshof mit seinen Verkaufsplänen für Schloss Ulenburg früher in die Öffentlichkeit gegangen wäre«, sagte der Bürgermeister. Mit der Vertragsunterzeichnung sei die Angelegenheit nun eigentlich abgeschlossen. »Wenn die öffentliche Diskussion aber eine falsche Richtung nehmen sollte, werden wir darauf reagieren«, kündigte er an.

Ganz unbegründet sind die Sorgen des Löhner Bürgermeisters nicht. Bereits am Donnerstagabend wurde im Internet in verschiedenen Gruppen des sozialen Netzwerkes Facebook heftig über das Für und Wider des Verkaufs der historischen Immobilie an die jesidische Glaubensgemeinschaft diskutiert – bisweilen allerdings wenig sachlich-fundiert. Falls es erforderlich sei, werde er auch an die bisherigen Eigentümer des Schlosses Ulenburg herantreten, um zu einer Versachlichung der Diskussion beizutragen, kündigte Heinz-Dieter Held am Freitag an.

Zu den Beweggründen für den Kauf des Schlosses Ulenburg äußerte sich Ibrahim Kus von der in Gründung befindlichen jesidischen Ulenburg-Stiftung auf Anfrage dieser Zeitung. »Mit der vergeblichen Suche nach geeigneten Räumen für Kulturveranstaltungen in der Region Bielefeld/Herford hat das nichts zu tun«, erläuterte Ibrahim Kus. Wie berichtet, solle das Schloss als Studienzentrum für Jesiden aus ganz Europa genutzt werden. »Wir wollen dort unsere eigene Religion weiter erforschen und verschiedenen historischen Fragen nachgehen«, sagte der Wertheraner. Und wo könne man sich besser auf die Suche nach den eigenen Wurzeln begeben als in einer historischen Immobilie wie Schloss Ulenburg.

Ob mittelfristig ein jesidischer Fernsehsender aus Bielefeld in dem Gebäude mit einziehen wird, ließ Ibrahim Kus am Freitag auf Nachfrage dieser Zeitung offen. Er erklärte: »Es steht noch nicht fest, aber es ist im Gespräch.« Wegen des Fernsehsenders gibt es Streit zwischen den Betreibern und der Bielefelder Stadtverwaltung, weil es für die Nutzung des Gebäudes, das als Studio verwendet wird, keine Genehmigung gibt.

Dass der jesidische Fernsehsender möglicherweise mit in die Ulenburg zieht, ist Heinz-Dieter Held bekannt. Sollte es dazu kommen, sei nicht mit baulichen Auswirkungen, etwa durch Sendemasten oder Antennen, zu rechnen, sagte der Bürgermeister.

Die Verkehrsanbindung des Schlosses Ulenburg bezeichnete Ibrahim Kus als optimal. »Für Jesiden in den Kerngebieten Bielefeld, Celle oder Bremen ist es gut über die Autobahn zu erreichen«, lobte der Sprecher der Gesellschaft Jesidischer Akademiker.

Anmerkung der Redaktion: In der ursprünglichen Textfassung war fälschlicherweise die Rede davon, dass die Gesellschaft Jesidischer Akademiker das Schloss Ulenburg erwirbt. Neuer Eigentümer ist aber die Ulenburg-Stiftung.

Kommentare

Sehr geehrter Ahm,

ich muss leider ihr Weltbild zerstören und ihnen mitteilen, dass der Vorstand der GEA ein renommierter Psychologe mit einem Doktortitel ist, der zudem des Öfteren den Psychologie-Preis hier in Deutschland aufgrund seiner herausragenden Leistungen gewonnen hat.

Gerne können Sie sich selbst davon auf http://www.gea-ev.net/ davon überzeugen. Sie können dort auch jede einzelne Aktion die mit Spendengeldern finanziert wurde, nachverfolgen.

Liebe Grüße,
Ihr Feindbild-Zerstörer

Die GEA steht der PKK sehr nah

Bedauerlicherweise steht die Gesellschaf ezidischer Akademiker (GEA) der PKK sehr nahe. Zum Teil sind im Vorstand ranghohe PKK Funktionäre. Auch muss man sich fragen, woher das Geld kommt... Vielleicht doch von den Spendenaufruf der GEA für die armen Jesiden im Nordirak.

2 Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.