Die afrodeutsche Regisseurin Mo Asumang spricht im Interview über ihre Dokumentation »Die Arier« »Manchmal hatte ich Mitleid«

Löhne (WB). Welche Motivation treibt Rassisten und Neonazis an? Was denken diese Menschen? Mit diesen Fragen beschäftigt sich die afrodeutsche Regisseurin Mo Asumang in ihrer Dokumentation »Die Arier«. Gespannt haben jetzt etwa 320 Schüler in der Aula des Löhner Gymnasiums die filmische Antwort der 51-Jährigen verfolgt – und waren beeindruckt von dem Ergebnis.

Filmemacherin Mo Asumang möchte mit ihrem Film einen Einblick in die Gedankenwelt von Rechtsextremen geben.
Filmemacherin Mo Asumang möchte mit ihrem Film einen Einblick in die Gedankenwelt von Rechtsextremen geben. Foto: Daniel Salmon

In ihrem Film taucht Mo Asumang in die weltweite Rassismus-Szene ein, unterhält sich mit Mitgliedern des amerikanischen Ku-Klux-Klan, dem US-Neonazi Tom Metzger und deutschen Rechtsextremen auf einschlägigen Konzerten und Propagandaveranstaltungen in Gera, Wismar oder Potsdam. Auch ein Aussteiger aus der Neonazi-Szene kommt zu Wort.

Die Tochter eines Ghaners und einer Deutschen will mit ihrer Dokumentation einen Einblick in die Gedankenwelt der Szene geben. Mit dem WESTFALEN-BLATT sprach sie über ihre Motivation, die Begegnungen mit Neonazis und die Pegida-Bewegung. Die Fragen stellte Daniel Salmon.

Frau Asumang, wie sind Sie zu dem Thema Rassissmus gekommen? Was war das auslösende Ereignis?

Mo Asumang: Das war eine Morddrohung der Neonazi-Band »White Aryan Rebels«. Die haben ein Lied komponiert. Eine Zeile lautete: »Die Kugel ist für Dich, Mo Asumang.« Ich habe darauf reagiert, indem ich mich nicht versteckt, sondern die Flucht nach vorne angetreten habe.

Was wollen Sie mit Ihrem Film »Die Arier« erreichen?

Asumang: Ich möchte die Leute dazu ermuntern, sich stark zu machen gegen rechte Tendenzen, die derzeit in Deutschland ja ganz besonders immer in Verbindung mit der Pegida-Bewegung stattfinden. Ich will darüber aufklären, wie Rassismus eigentlich funktioniert.

Wie stufen Sie die Gefahr durch Pegida ein?

Asumang: Das ist meiner Meinung nach eine unreflektierte Bande, die natürlich auch von der rechten Szene schon im Vorfeld der Demos mit falschen Informationen über Zuwanderung, Zahlen und Statistiken aufgepeitscht wurde. Es ist für uns sehr wichtig, dass wir uns gegen Pegida stellen und auch auf die Straße gehen. Wir sollten uns von denen unsere Menschlichkeit und unsere Freude am Leben nicht nehmen lassen.

Hatten Sie während der Dreharbeiten zu Ihrem Film Angst?

Asumang: Ein mulmiges Gefühl hatte ich meistens nur vor dem Drehen. Dafür war natürlich der Gedanke »Was könnte passieren?« verantwortlich. Wenn ich aber direkt mit den Rassisten gesprochen habe, sie vor mir standen und ich gemerkt habe, wie die drauf sind, dann hatte ich sogar manchmal regelrecht Mitleid mit denen.

Sie werden manchmal mit dem amerikanischen Filmemacher Michael Moore (»Bowling for Columbine«) verglichen. Ist er ein Vorbild für Sie?

Asumang: Michael Moore ist ja immer eher auf Krawall gebürstet. Ich bin da eher sanftmütiger. Das ist auch meine Handschrift, dass ich die Situation nicht noch aufheize, sondern eher das Gegenteil mache und versuche, die Provokation herauszunehmen, so dass man den Leuten die Möglichkeit gibt, ihre Angst zu verlieren und dann mit ihnen ins Gespräch kommen kann.

Interview von Mo Asumang mit Tom Metzger, Gründer der US-Bewegung »White Aryan Resistance«:

Mo Asumang spricht mit Ronny Zasowk (NPD):

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