Herrenhaus Steinlacke erstmals wieder für Besucher geöffnet – Historie vorgestellt Rundgang durch das Rittergut

Kirchlengern (WB). Wie sieht eigentlich das ehemalige Rittergut Steinlacke von Innen aus und welche Geschichte ist mit dem Gebäude verbunden? Erstmals seit vielen Jahren hatten Interessierte am Freitag die Gelegenheit, den früheren Landratssitz zu besichtigen.

Von Kathrin Brinkmann
Die Schwestern Elsbeth Griese und Brigitte Scheibler schwelgen in Erinnerungen. In der Guts-Bibliothek haben sie früher die Bücher entstaubt. »Vieles sieht aus wie früher.«
Die Schwestern Elsbeth Griese und Brigitte Scheibler schwelgen in Erinnerungen. In der Guts-Bibliothek haben sie früher die Bücher entstaubt. »Vieles sieht aus wie früher.« Foto: Kathrin Brinkmann

Die Inklusia gGmbH aus Löhne, die künftig in dem Herrenhaus eine kulturelle Begegnungsstätte errichten möchte (diese Zeitung berichtete), hatte zum Tag der offenen Tür eingeladen.

Die Schwestern Elsbeth Griese und Brigitte Scheibler gehörten zu den etwa 50 Interessierten, die der Einladung gefolgt waren. »Wir sind auf dem Gut groß geworden. Unser Vater hat hier gearbeitet. Er hat den ersten Mähdrescher gefahren, den es im Kreis Herford gab«, erinnern sie sich.

Die Schwestern mussten ebenfalls anpacken. »Wir haben Bücher in der Bibliothek entstaubt, Kartoffeln aufgesammelt und den Mägden in der Küche geholfen. Im Keller wurden die Kuchen gebacken, die die Familie später oben im Haus verspeiste.«

Einen Einblick in die noch ältere Geschichte des Gutes gab Historiker Benjamin Kiemerer, der seit Februar die Archive in Nordrhein-Westfalen nach der Geschichte des Gutes erforscht. »Es ist ziemlich schwierig, Fakten zur Geschichte zu bekommen«, erklärte er. Es gebe mehrere Online-Artikel, unter anderem bei Wikipedia, in denen jedoch falsche Daten angegeben seien. »Diese stimmen nicht mit den Daten aus dem Archiv überein, das 1993 vom Westfälischen Archivamt katalogisiert wurde«, so der Historiker, der derzeit etwa 700 Akten sichtet und auswertet.

1789 wechselte das Gut in den Besitz der Familie von Borries

Das Gut Steinlacke sei eines der jüngsten Rittergüter im Kreis Herford. »Es wurde 1736 von Freiherr Julius August Friedrich von der Horst mit dem Abbruchmaterial des Gutes Niederbehme errichtet. Dieser hatte zwei Jahre zuvor das Gut Oberbehme erworben, es aber 1735 in einem Tauschvertrag an die Familie von Quernheim abgetreten«, erklärte Kiemerer.

1789 sei das Gut Steinlacke in den Besitz der Familie von Borries gewechselt. »Diese Familie entstammte der Oberschicht der Stadt Minden, wo die Familienmitglieder wiederholt wichtige Ämter bekleideten«, sagte der Historiker. Die von Borries hätten sich in der Folgezeit unter anderem im preußischen Staatsdienst verdient gemacht. »Ende des 18. Jahrhunderts stiegen sie in den Adelsrang auf«, so Benjamin Kiemerer.

Landratssitz für den Kreis Bünde

Zunächst habe die Familie das Gut nicht als Herrensitz erworben, sondern zu Investitionszwecken. Erst Philipp von Borries (gestorben 1838) habe auch tatsächlich auf Steinlacke residiert. Unter ihm fungierte das Rittergut ab 1816 zeitweilig als Landratssitz für den Kreis Bünde und später für den Kreis Herford.

»Fünf Mitglieder der Familie waren bis 1933 als Landräte im Kreis Herford tätig«, weiß Benjamin Kiemerer. Die von Borries seien damals eine der einflussreichsten ostwestfälischen Familien überhaupt gewesen.

Schon im 19. Jahrhundert Pächter

Interessant ist für Benjamin Kiemerer besonders, dass die Familie von Laer, die aktuell in Besitz des Gutes ist, laut Akten bereits im 19. Jahrhundert einmal als Pächter des Rittergutes auftrat.

1850 sei auf dem Gut ein großer Landschaftspark angelegt worden, der 1890 noch einmal erweitert wurde. Mit der Auflösung der Gutsbezirke wurde Steinlacke 1929 in Kirchlengern eingemeindet. Das Herrenhaus und der große Landschaftspark sind seit 1986 in der Denkmalliste eingetragen.

Wie viele Personen auf dem Gut wohnten, variierte. Udo Nickel, der 1944 als Evakuierter aus Dortmund auf das Gut kam, erinnert sich, dass neben der Familie von Borries mindestens 20 Angestellte, darunter viele Kinder vor Ort waren. Wie es in den Jahren und Jahrzehnten vor dem Krieg aussah, ist unbekannt.

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