Unbekannte verstreuen Dachpappstifte auf Straße – Anwohner schalten Polizei ein In 30er-Zone: Nägel gezielt ausgelegt?

Kirchlengern (WB). Dave Meerwald ist sauer. Bereits zwei Mal mussten der Anwohner des Fliederwegs und seine Verlobte neue Reifen aufziehen lassen – weil sie auf ihrer Straße über Nägel gefahren waren. Er vermutet: Jemand verteilt sie absichtlich.

Von Raphael Steffen
Das Corpus Delicti: Dieser Nagel, genauer ein Dachpappstift, lag mit zahlreichen anderen auf Espel- und Fliederweg. Er wurde von Dave Meerwald entdeckt. Der Kirchlengeraner musste wegen eines solchen Nagels schon zweimal neue Reifensätze kaufen.
Das Corpus Delicti: Dieser Nagel, genauer ein Dachpappstift, lag mit zahlreichen anderen auf Espel- und Fliederweg. Er wurde von Dave Meerwald entdeckt. Der Kirchlengeraner musste wegen eines solchen Nagels schon zweimal neue Reifensätze kaufen. Foto: Daniel Salmon

Vor fünf Wochen war seine Lebensgefährtin Sarah Schwalowski mit dem Wagen unterwegs und musste schließlich rechts ran fahren, weil sie einen Platten hatte. Als sie einen Nagel im Reifen entdeckte, dachte sie sich noch nichts dabei.

Vor wenigen Tagen nun fuhr Dave Meerwald im Fliederweg ebenfalls über einen Nagel. Zwei komplette Reifensätze waren hin, der Schaden für das Paar beläuft sich auf etwa 250 Euro.

Mit böswilliger Absicht

Dave Meerwald und Sarah Schwalowski sammeln inzwischen fast täglich solche Nägel in ihrer Nachbarschaft auf. Seit etwa fünf Wochen geht das nun so. In der ruhigen Wohnsiedlung waren solche Probleme zuvor nicht bekannt. Foto: Raphael Steffen

Nach Meerwalds Ansicht verteilen bislang Unbekannte – offenbar böswillig – in der Siedlung um den Espelweg herum seit mehreren Wochen die Nägel auf den Straßen. Betroffen sind vor allem die Strecke zwischen den Einmündungen des Amsel- und des Rosenwegs sowie der Fliederweg. In unmittelbarer Nähe befindet sich ein Kindergarten mit Spielplatz.

»Mittlerweile finden wir fast täglich dutzende Nägel«, berichtet Meerwald. »Allein letzten Donnerstag waren es innerhalb weniger Stunden 31 Stück.« Die so genannten Dachpappstifte sind bis zu 25 Millimeter lang und verteilen sich über eine mehrere Meter lange Strecke. »Nebenan befindet sich ein Kinderspielplatz, Menschen gehen mit ihren Hunden spazieren. Es ist ein Wunder, dass noch nicht mehr passiert ist«, sagt Meerwald.

Tempo 30 erlaubt

Die Wohngegend sei ruhig. Nie habe es irgendwelche Probleme gegeben. Allerdings, erzählen Meerwald und Schwalowski, sei der Espelweg eine beliebte Verbindungsstrecke zwischen dem Spradower Weg und der Straße Im Obrock. Nicht alle Autofahrer hielten sich an die vorgegebene Geschwindigkeitsbegrenzung von höchstens 30 Stundenkilometern.

»Möglicherweise will jemand eine langsamere Fahrweise erzwingen. Aber wir können uns nicht vorstellen, wer das sein sollte. Das Verteilen von Nägeln ist ja keine Kleinigkeit oder ein Streich.«

Die Intervalle zwischen den Nägelfunden seien unregelmäßig: »Manchmal passiert tagelang nichts, dann finden wir sie am helllichten Tag reihenweise.«

Anzeige erstattet

Deshalb hat Meerwald jetzt Anzeige bei der Polizei erstattet. Die Beamten hatten zugesagt, in der Siedlung öfter nach dem Rechten zu sehen. Auch das Ordnungsamt will sich eventuell einschalten. Polizeisprecher Michael Albrecht bestätigt auf Anfrage den Eingang der Anzeige: »Wir haben daraufhin Ermittlungen wegen des Verdachts auf gefährlichen Eingriff in den Straßenverkehr aufgenommen.«

Dieses Delikt könne mit einer Haftstrafe von bis zu fünf Jahren oder einer Geldstrafe geahndet werden. Ein möglicher Anknüpfungspunkt sei eine Beziehungstat in der Nachbarschaft, meint Albrecht: »Nach unserer Erfahrung geschehen derartige Delikte nicht aus reiner Willkür heraus.« Um solche Täter zu fassen, sei man oft auf Zufälle angewiesen, betont der Polizeisprecher.

Deshalb hoffen Meerwald und Schwalowski auf die Mithilfe der Öffentlichkeit. Zum einen, weil die Aufmerksamkeit den Täter abschrecken könnte. Wenn das nicht wirke, dann könnte den Nachbarn verdächtiges Verhalten eher auffallen. »Mit einigen haben wir schon gesprochen. Wir haben ungefähr 30 Autos allein im Fliederweg. Wenn das so weitergeht, wird es für alle richtig teuer«, sagt Meerwald.

Kommentare

Kenne ich

Wir hatten das bei uns in der Straße auch. Ein Tag nach der Anzeige wurde das Verfahren eingestellt. Ohne das was unternommen wurde.

wie

krank im Kopf sind eigentlich so einige Menschen? Über Dinge, die passieren können denken die überhaupt nicht nach. Genauso Hirnlos wie die Personen, die Giftköder auslegen, damit Hunde daran sterben. Was würde diese Person sagen, wenn ein Radfahrer/Fußgänger/Kind stürzt und sich den Nagel in den Kopf rammt. Oder wenn ein Kind so ein Giftköder essen würde. Wenn man solche Täter fassen würde, dann ins Gefängnis und nicht irgend so dumme Ausreden von den Gerichten, ach die Person hatte eine schlimme Kindheit, oder war zur Tatzeit besoffen-vollgekifft. Oder kommt man nur noch ins Gefängnis, wenn man die GEZ Zwangsfernsehgebühr nicht bezahlt hat?

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