Lüftungsanlage in Maststall defekt – nur 15 Tiere überleben Fast 400 Schweine verendet

Kirchlengern (BZ). In einem Schweinemastbetrieb im Kirchlengeraner Ortsteil Häver sind in der Nacht auf Sonntag knapp 400 Tiere verendet. Nach Angaben des  Kreisveterinäramtes war eine Lüftungsanlage, die den Stall mit Frischluft versorgen sollte, ausgefallen. Eine spezielle Warnvorrichtung, die solche Zwischenfälle verhindern soll, hatte nicht ausgelöst.

Von Daniel Salmon
Knapp 400 Tiere sind im Stall des Kirchlengeraner Schweinemastbetriebs verendet, weil die Belüftungsanlage ausgefallen war.
Knapp 400 Tiere sind im Stall des Kirchlengeraner Schweinemastbetriebs verendet, weil die Belüftungsanlage ausgefallen war. Foto: Ingo Schmitz (Archiv)

Etwa gegen 10 Uhr am Sonntagvormittag hatte ein Mitarbeiter des Mastbetriebs die 386 Kadaver entdeckt und sofort die Herforder Behörde verständigt. Mitarbeiter des Veterinäramtes machten sich sofort auf den Weg zu dem betroffenen Hof.

Konzentration von Schadgasen zu hoch

»Bei der letzten Fütterung am Vorabend haben die Tiere noch gelebt, die Lüftungsanlage funktionierte einwandfrei«, sagte Dr. Reinhard Zwingelberg, Leiter des Kreisveterinäramtes, dieser Zeitung auf Anfrage.

In den darauffolgenden Stunden müsse dann die Lüftung, die neben der Frischluftzufuhr auch noch die Ableitung der im Stall entstehenden Schadgase übernimmt, ausgefallen sein. Die Konzentration von Ammoniak, Schwefelwasserstoff und Kohlendioxid stieg in dem Gebäude daraufhin drastisch an. Zugleich unterblieb die Sauerstoffzufuhr. Diese giftige Mischung war zuviel für die Tiere. »Möglicherweise sind die Schweine dann an Kreislaufversagen verendet«, mutmaßt Zwingelberg. Auch die an dem Tag vorherrschende heiße Witterung könnte eine Rolle gespielt haben.

Sicherheitssysteme versagen

Eigentlich hätte ein spezielles Alarmsystem den  Ausfall der Lüftungstechnik  melden müssen. »Dabei wird der Besitzer der Anlage normalerweise per Handy über das Versagen der Lüftung informiert. Das ist ein erprobtes Verfahren«, sagt der Veterinär. Doch die Sicherheitstechnik versagte ebenfalls. »Das ist natürlich ein absoluter Super-GAU, das so etwas vorkommt«, so Zwingelberg. Er ergänzt: »Neben dem   schrecklichen Leid der Tiere ist natürlich auch der wirtschaftliche Schaden für den Besitzer immens.« Nach Informationen dieser Zeitung soll es sich um den einzigen Stall des Mastbetriebs handeln, in dem Schweine gehalten werden.

Lediglich 15 Tiere überlebten das Unglück. Sie wurden in einer anderen Halle der Mastanlage untergebracht. Die Kadaver der verendeten Tiere wurden mit Spezialtransportern zur Tierkörperbeseitigung im münsterländischen Lünen gebracht. Nachbarn des betroffenen Hofes sowie weitere Landwirte halfen beim Abtransport.

Ein Experten-Team ist damit beauftragt worden,  die  genauen Ursachen  für den Defekt der Lüftungsanlage und den Ausfall des Warnsystems zu ermitteln.

Ähnliche Fälle im Kreis

Laut Reinhard Zwingelberg seien ähnliche Vorfälle im Kreis Herford zwar bereits aufgetreten. »Aber nicht in diesem Ausmaß. So etwas darf eigentlich nicht vorkommen«, so der Leiter des Kreisveterinäramtes.

Kommentare

Warum nur Schweine?

Wo ist es ein Unterschied zwischen Hunde, Katzen und Schweine?

Arme Schweine

Diese Computer gesteuerten Tiermastanlagen müssten sofort verboten werden.Tierschutz gleich null.Man stelle sich vor,hier wären Hunde oder Katzen gestorben.Ein riesen Aufschrei hätte es gegeben,aber es waren ja nur Schweine.Sehr traurig wie der Mensch mit Lebewesen umgeht.

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